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Eisner, Eisner, Bruno: Familie
Bruno: * 1884-12-066.12.1884 Wien, † 1978-08-2626.8.1978 New York/USA. Pianist. Erster Klavierunterricht im Alter von acht Jahren bei Julius Ander, dem er im Alter von elf Jahren das Walzer-Rondo Frohnsinnslaute (publiziert bei Doblinger) widmete. Studierte danach am Konservatorium der Wiener GdM bei R. Fischhof und H. Schmitt (1899–1901) sowie ein Semester Komposition bei R. Fuchs (1901/02); privater Unterricht in Harmonielehre bei R. Pahlen. Erste Konzerte ab 1903, hiernach unternahm er große Konzerttourneen u. a. nach Paris, Hamburg/D, Berlin, Italien und die Niederlande. 1909 lehrte er am Neuen Wiener Konservatorium (Musiklehranstalten Wien) und war 1910–14 Prof. am Sternʾschen Konservatorium in Berlin; 1914 unterrichtete E. am Vogt-Konservatorium in Hamburg und 1930–33 an der Berliner MHsch. (Entlassung 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft). E. lebte 1910–36 in Berlin, musste 1916–18 jedoch seinen Militärdienst in Wien ableisten. Ab 1933 war er Mitglied der Reichsmusikkammer, wurde 1935 jedoch ausgeschlossen; danach Konzerte beim Jüdischen Kulturbund. E. emigrierte (Exil) 1936 über Havanna nach New York (mit Unterstützung seines Freundes Albert Einstein), Einbürgerung 1944; in den USA privater Kompositionsunterricht bei K. Weigl; in New York leitete er 1937–42 eine Meisterklasse für Klavier an der Musikabteilung der Young Men’s Hebrew Association; 1945 Lehrer am Westchester Conservatory/New York; 1947/48 Lehrer am New York College of Music; 1948–50 Lehrer an der Philadelphia Music Academy; 1951–54 Visiting Prof. für Musik an der Indiana Univ. in Bloomington, Indiana/USA; 1956/57 Prof. an der Colorado State Univ. in Fort Collins. Er gab die Klavierwerke von C. M. v. Weber heraus; spielte unter W. Furtwängler, A. Nikisch und B. Walter.
Ehrungen
Gewinn eines Bösendorfer-Klaviers zum Studienabschluss am Konservatorium der GdM 1901; 2. Preis beim Anton-Rubinstein-Wettbewerb in Paris 1905.
Werke
Frohsinnslaute. Walzer-Rondo f. Kl.; Hg. von C. M. v. Webers Klavierwerken und Arien von G. F. Händel.
Literatur
Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; Kürschner 1954; F-A 1 (1936) u. 1 (1974); S. J. Lengowski in Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen der NS-Zeit 2010 (www.lexm.uni-hamburg.de; 9/2020); F. Prieberg, Hb. Dt. Musiker 1933–1945, 2009; Orpheus im Exil 1995; [Kat.] Die Vertreibung des Geistigen aus Öst. 1985; Riemann 1959 u. 1972; Müller-Asow 1929; eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.ancestry.com).


Seine Frau

Olga (geb. Mauksch, gesch. Schaeffer, E.-Schaeffer): * 9.10.1887 Bielitz/Österreich-Schlesien (Bielsko-Biała/PL), † ?.2.1982 New York. Sängerin (Mezzosopran). 1. Ehe mit dem Kunsthistoriker Emil Schaeffer (1874–1944; Hochzeit am 19.3.1905, Scheidung 1922, Kinder Gerda Schaeffer [1905–1922?], Helga Schaeffer [* 20.2.1910, † ?]), seit ca. 1911 Beziehung mit B. E., Hochzeit am 7.3.1922 in Berlin; Konzerte in Berlin; 1917 Debüt in Wien im Konzerthaus mit B. E.; danach weitere Konzerte in Wien (1921–22, 1924); 1919 Konzertreise mit B. E. nach Schweden, auch gemeinsame Konzerte in Hamburg und Berlin; sie sang u. a. an der Kroll-Oper Berlin (unter Otto Klemperer) und gab Liederabende. Nach dem Tod ihrer Tochter Gerda gab sie um 1922 das Konzertieren großteils auf und unterrichtete (u. a. die finnische Sopranistin Lea Piltti). Außerdem litt sie unter Otosklerose, weshalb sie den befreundeten A. Einstein um die Entwicklung eines speziellen Hörapparates bat, den dieser jedoch nicht fertigstellen konnte. E. war zunächst Mitglied der Reichsmusikkammer, wurde jedoch 1935 ausgeschlossen. Sie folgte ihrem Mann zusammen mit ihrer Tochter Helga im April 1937 ins Exil über Miami/USA nach New York; Einbürgerung 1944. Sie unterrichtete zehn Jahre an der Mannes School of Music/New York (u.a. Mimi Benzell) und gab wieder Konzerte mit ihrem Mann.


Literatur
S. J. Lengowski in Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen der NS-Zeit 2010 (www.lexm.uni-hamburg.de/; 9/2020); P. Költzsch, Albert Einstein und die Akustik, Vortrag 42. Dt. Jahrestagung für Akustik 2016 (file:///C:/Users/wilfi/; 9/2020); K. W. Graff in Hörakustik 12 (2007); K-R 1997; NFP 1.3.1905, 7, 23.1.1917, 13, 26.1.1921, 8; www.encyclopedia.com (9/2020); eigene Recherchen (www.ancestry.com; www.anno.onb.ac.at).


Seine Schwester

Stella (Eyn, Eÿen, E.-Eyn, verh. Langstein, Langstein-E.): * 15.6.1889 Wien, † 1972? (Ort? [letzter Nachweis: 1951, San Francisco]). Sängerin (Sopran), Gesangspädagogin. Gesangsausbildung (vermutlich privat) bei E. Elizza; Debüt 1910 an der Volksoper Wien; 1911 erstmals an der Wiener Hofoper (Die Zauberflöte), hier zahlreiche weitere Vorstellungen bis 1933 (u. a. Der Rosenkavalier, Carmen, Tiefland, Le Nozze di Figaro, Die Hugenotten, La Bohème und Turandot). Konzertauftritte in Wien u. a. am Konzerthaus und im Musikverein (auch mit ihrem Bruder B.); 1911–13 Engagement am Stadttheater Nürnberg/D; danach von 1914–18 Engagement am Deutschen Theater Prag (unter A. Zemlinsky), wo sie vermehrt Koloraturpartien übernahm (Zerbinetta, Königin der Nacht). 1918–20 wieder an der Volksoper Wien; danach keine festen Engagements, Gastspiele z. B. in Prag (1920; 1921), Salzburger Festspiele 1926 (Die Entführung aus dem Serail); rege Konzerttätigkeit (u. a. 1922 Wiener EA der Liebeslieder op. 10 von W. Grosz). 1919–20 gab sie sechs Konzerte im Verein für musikalische Privataufführungen (Modest Mussorgsky: Kinder-Stube, G. Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen und Lieder aus Des Knaben Wunderhorn) sowie weitere Konzerte mit A. Schönberg (Lied der Waldtaube aus den Gurre-Liedern) oder A. Berg (Sieben frühe Lieder). Hochzeit am 5.5.1923 mit dem stellvertretenden Direktor der Österreichischen Creditanstalt Richard Langstein (* 1879; vor dem Exil geschieden, keine Kinder). St. E.-L. lebte bis 1939 in Wien und musste aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ins Exil gehen; sie emigrierte über London und Genua/I nach New York, kurz darauf übersiedelte sie nach San Francisco. 1940 stellte E. einen Antrag auf U.S.-Staatsbürgerschaft und änderte ihren Namen in Stella Eyn; lebte zuletzt in San Francisco und unterrichtete Gesang (u.a. Lucine Amara). Mehrere Aufnahmen bei Vox (u. a. Gianni Schicchi).


Literatur
I. Korotin (Hg.), biografiA 1 (2016); Orpheus im Exil 1995; K-R 1997 u. 2003; www.lexm.uni-hamburg.de/ (9/2020); Illustrierte Kronen Ztg. 4.6.1926, 12; Brief A. Bergs an A. Schönberg 5.12.1929 in Ch. Hailey et al., Briefwechsel A. Schönberg – A. Berg 2007; Brief St. E.-Eÿen an Gertrud Schönberg 1951 (Arnold Schönberg Center, Satellite Collection „E“ correspondence); Neues Wr. Tagbl. 4.2.1922, 7; Petition for Naturalization No. 81563, San Francisco/Calif. (https://www.ancestry.de; 11/2020); Declaration of Intention (23.2.1940) No. 454075, New York State (https://www.ancestry.de; 11/2020); http://archive.schoenberg.at (11/2020); http://archive.schoenberg.at/resources/ (11/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht/Barbara Boisits, Art. „Eisner, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

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