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Fischhof, Fischhof, Josef: Familie
Josef: * 1804 -04-044.4.1804 Butschowitz/Mähren (Bučovice/CZ), † 1857 -06-2828.6.1857 Baden bei Wien/NÖ (begr. Währing [heute Wien XVIII]). Klavierpädagoge, Pianist, Komponist und Musikschriftsteller. 1813–19 Gymnasium in Brünn, ab 1822 Studium in Wien: Philosophie, Medizin, Musik (Klavier bei A. Halm, Komposition bei I. v. Seyfried), ab 1827 ausschließlich Beschäftigung mit Musik. 1833–55 Klavierlehrer am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, als Pianist Anerkennung als Beethoven-, Mendelssohn- und Chopin-Interpret. Empfing R. Schumann, Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy und F. Liszt während ihrer Wiener Aufenthalte in seinem Haus. Von Bedeutung ist seine umfangreiche Bibliothek und Sammlung von Musikalien (Autographe, alte Drucke) sowie das für die Beethovenforschung bedeutende sog. „F.sche Manuskript“ (Berliner Staatsbibliothek). Verdienste erwarb sich F. auch im Zusammenhang mit der Bach-Renaissance in Wien. In den 1850er Jahren übernahm er die Leitung des Bach-Vereins im Hause des Arztes Ludwig Mauthner. In seinem Buch über den „Clavierbau“ (Klavierbau) hebt er die Unterschiede zwischen Österreich, England und Frankreich hervor. F. zeigt in seiner Anschauung historisches Bewusstsein, indem er nicht für die damals allgemein angestrebte Verstärkung des Klaviertons, sondern für den nuancierten Wiener Klang eintritt.
Ehrungen
Ehrenmitglied der Academia di Santa Cecilia in Rom; korrespondierendes Ehrenmitglied der Niederländischen Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst; Ehrenmitglied des Pressburger Kirchenmusikvereins, der philharmonischen Gesellschaften von Krakau (Kraków/PL), Pest, Lemberg (L’viv/UA), Graz, Karlsbad, des Salzburger Mozarteums u. a.
Werke
Lieder, Klavierwerke, Kammermusik; Anleitung zum Gebrauch des Handleiters ... mit 130 Beyspielen 1834.
Schriften
Versuch einer Geschichte des Clavierbaues 1853; mehrere Artikel und Aufsätze (siehe MGG 4 [1955]).
Literatur
Schilling 2 (1835); Wurzbach 4 (1858); Mendel-R. 3 (21880); MGG 4 (1955); ÖBL 1 (1957); Dt. Biographische Enzyklopädie 3 (1996); NGroveD 8 (2001); Die musikalische Bibliothek des verstorbenen Prof.s J. F. in Wien 1858; R. Schaal in MozartJb 1967; V. Schwarz in Beiträge zur Aufführungspraxis 2 (1973); D. P. Johnson in Studies in Musicology 22 (1980); Morgen-Post 1.7.1857, 2; Bll. für Musik, Theater und Kunst 1.7.1857, 208; 7.7.1857, 214f, 10.7.1857, 218; Die Presse 9.7.1857, 1f.


Sein Neffe Robert: * 31.10.1856 [nicht 1857] Wien, † 1.4.1918 Wien. Pianist, Komponist, Pädagoge. Seine Mutter Louise (Aloisia, * 20.7.1833 Brünn [Brno/CZ], † 4.6.1874 Wien), Klavierschülerin von C. Schumann und J. F., war eine Schwester der Brüder Strakosch. F.s Elternhaus war bekannt als Treffpunkt für in- und ausländische Musiker (Christine Nilsson, Luigi Arditti, P. Lucca). Seine erste Musikausbildung erhielt F. im Alter von fünf Jahren von seiner Mutter, danach durch den Landesgerichtsrat Adolf Lorenz, schließlich von E. Pirkhert. Sein Freund F. Mottl bestärkte ihn, trotz Widerstands des Vaters, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen. Er studierte 1875–80 am Konservatorium der GdM (1878 Klavier-Diplom, 1878–80 Kompositionsstudium) bei A. Door, R. Fuchs, F. Krenn und A. Bruckner, vertiefende Ausbildung bei Th. Leschetitzky und F. Liszt. Nach ausgedehnten Konzertreisen durch ganz Europa (Auftritte unter Franz Abt, O. Dessoff, Eduard Lassen, C. Reinecke, F. v. Hiller, Edvard Grieg, Niels Wilhelm Gade) unterrichtete er 1884–1901 am Konservatorium der GdM. Freundschaftlich verbunden mit zahlreichen Größen des nationalen und internationalen Musiklebens, u. a. mit Pablo de Sarasate, I. Paderewski, Caroline Montigny-Rémaury und seinem früheren Lehrer A. Door, der F. über den Wiener Tonkünstler-Verein mit J. Brahms bekannt machte. 1882 trat er aus dem Judentum aus und ließ sich römisch-katholisch taufen.

Einige von J. F.s Konzertreisen wurden von seinem Bruder Alfred (* 5.6.1855 Baden/NÖ, † 5.10.1925 Wien) organisiert, seit 1889 Ehemann der Opernsängerin Sigrid Arnoldson (* 20.3.1861 Stockholm, † 7.2.1943 Stockholm).


Ehrungen
1. Preis des Klavierwettbewerbes des Konservatoriums der GdM 1878; Zusner-Liederpreis 1879/80; Silberne Gesellschaftsmedaille der GdM 1880; Officier de l’instruction publique.
Schriften
Begegnungen auf meinem Lebensweg 1916.
Werke
Oper Der Bergkönig (UA Graz 6.1.1906; Klavierauszug von A. Zemlinsky u. A. Schönberg), Klavierkonzert, zwei Violinsonaten, Klaviermusik, Lieder; Bearbeitungen für Klavier u. a. von Werken Fr. Schuberts und F. Mendelssohn Bartholdys.
Literatur
A. Ehrlich (Hg.), Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart 1893; Eisenberg 1893; A. Kohut, Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit 1 (1901); Kosel 1902; Riemann 1929 u. 1959; Czeike 2 (1993); A. L. Staudacher,„… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“ 2009, 153; Stieger II/1 (1977); Wr. Allgemeine Ztg. 2.4.1918; Arbeiter-Ztg. 2.4.1918, NFP 3.4.1918 (Abendbl.) u. 9.4.1918; Fremden-Bl. 2.4.1918; [Linzer] Tages-Post 2.4.1918; F-A 1936; www.abil.at/Datenbank_Scheder/db_info.php (6/2014); http://en.wikipedia.org (7/2014); WStLA (Meldearchiv); Sterbebuch 1916–37 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 70; eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM u. a.).

Autor(en)
Ingeborg Harer
Christian Fastl
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Ingeborg Harer/Christian Fastl/Monika Kornberger, Art. „Fischhof, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 04/08/2014]