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Friedl, Friedl, Hans Familie
Hans (Johann): * 1874-08-2323.8.1874 Oberkappel/OÖ, † 1943-11-1818.11.1943 Putzleinsdorf/OÖ. Pädagoge, Chorleiter, Kapellmeister. Über seine Ausbildung ist bislang nichts bekannt. Bis 1894 war er Unterlehrer in Hofkirchen im Mühlkreis/OÖ, dann Lehrer in Rohrbach/OÖ, Altenfelden/OÖ, Sarleinsbach/OÖ und anschließend Oberlehrer in Öppingen/OÖ und ab 15.4.1904 in Putzleinsdorf. Hier hatte er bereits am 16.8.1898 Norberta Hofer geheiratet, die Tochter von J. Hofer, dessen pädagogische Funktion er in weiterer Folge übernahm. Mindestens 1909–34 leitete er die Konzerte der Putzleinsdorfer Musikkapelle (u. a. bei jährlichen Wallfahrten nach Maria Bründl/OÖ, zum Besuch des Landeshauptmanns 1910, Gartenkonzerte, anlässlich der Glockenweihe 1923). 1910–37 hielt er etliche Vorträge – u. a. auf Bezirkslehrerkonferenzen – zu Volksmusik, Brauchtum und pädagogischen Themen. 1914 wurde er als einer der Vertrauensmänner des Mühlviertels im Volkslied-Arbeitsausschuss Oberösterreich des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht angeführt. 1915 übernahm er wegen Einrückungen aushilfsweise die Schulleitung von Lembach/OÖ. Von 1904–43 war er zudem Chorleiter des Putzleinsdorfer Kirchenchors, welcher als einer der besten in der Region angesehen wurde und Werke u. a. von V. Keldorfer, Max Filke, Michael Haller, I. Mitterer, Peter Griesbacher, V. Goller, A. Weirich und J. Gruber im Repertoire hatte. Am 1.2.1935 ging er als Direktor in Pension; im selben Jahr arbeitete er an einem Gedichtband von Norbert Hanrieder (* 2.6.1842, † 14.10.1913, Dichter und Pfarrer [ab 1874 in Putzleinsdorf]) mit.
Ehrungen
Anerkennung durch den Bezirksschulrat 1915 u. 1924; Ehrenhauptmann FF Putzleinsdorf 1925; Direktor-Titel 1925; Ehrenbürger Putzleinsdorf 1926; Ehrenmitglied kath. Burschenverein 1932.
Schriften
Volkslieder und Kinderreime in Das dt. Volkslied 3/1911, 8/1911, 3/1914, 6/1914, 9/1914, 10/1914, 8/1926, 5/1928, 9/1931, 1/1937.
Literatur
J. Huber, Hanrieders Rachel 2016, 83; A. Sonnleitner, Norbert Hanrieder 1948, 10f; [Linzer] Tages-Post 6.6.1894, 2, 2.12.1925, 4, 8.4.1926, 3, 20.11.1943, 8; Linzer Volks-Bl. 19.8.1909, 3, 20.8.1910, 8, 13.4.1915, 4, 1.8.1920, 9, 20.8.1920, 3, 26.8.1923, 10; Mühlviertler Nachrichten 21.5.1910, 3, 13.8.1910, 3, 5.8.1911, 4, 11.10.1913, 3, 16.5.1914, 2, 17.7.1915, 4, 25.9.1920, 3, 30.7.1921, 3, 23.12.1922, 3, 1.9.1923, 4, 29.3.1924, 4, 17.7.1925, 4, 24.8.1928, 5, 11.7.1930, 4, 1.4.1932, 3, 1.7.1932, 6, 28.4.1933, 4, 6.7.1934, 7f, 12.4.1935, 3, 6.12.1935, 12, 24.12.1937, 4; Taufen-Duplikate der Pfarre Oberkappel 1874, pag. 5; Trauungen-Duplikate der Pfarre Putzleinsdorf 1898, pag. 1; Mitt. Norbert Huber (7/2021).


Sein Sohn

Reinhold: * 6.7.1907 Putzleinsdorf, † 10.7.1982 Linz. Pädagoge, Kirchenmusiker, Komponist. Besuchte nach der Volksschule in Putzleinsdorf das Gymnasium Stift Wilhering sowie die Lehrerbildungsanstalt in Linz, an welcher er bei F. Neuhofer Musikunterricht erhalten haben dürfte. Im Juli 1926 legte er hier die Reifeprüfung ab, 1928 folgte die Lehrbefähigungsprüfung für Volks- und 1934 jene für Hauptschulen. Bereits 1926 wurde er provisorischer Lehrer in Schwarzenberg am Böhmerwald/OÖ, am 19.3.1929 dann in Ulrichsberg/OÖ, wo er ca. zehn Jahre als Organist und Chorregent wirkte und teils eigene Kompositionen aufführte. Am 29.12.1929 gründete er den Musik(er)- und Sängerbund Ulrichsberg (MuSU), zu dessen Chor- und Kapellmeister er gewählt wurde. Ziel des Vereins war es, das Kulturerbe der Volkslieder und -musik „hinüberzuretten in eine hoffentlich bessere Zeit“ (Mühlviertler Nachrichten 24.2.1933, 5). Am 15.7.1930 heiratete er hier die Tochter des örtlichen Hausbesitzers und Bürgermeisters Alois Pröll. 1930/31 ist er vereinzelt als Kirchenmusiker in Putzleinsdorf, teils in Zusammenarbeit mit seinem Vater, fassbar. In der Vaterländischen Front übernahm er zumindest von März 1934 bis 1936 verschiedene Aufgaben (u. a. Bezirksleiter Aigen im Mühlkreis/OÖ, Bezirksführer, Bezirkskulturreferent). Am 17.12.1934 wurde er zum Oberlehrer von Ulrichsberg ernannt. 1936 fand eine von ihm konzipierte und geleitete Radioübertragung einer „Heimatstunde“, an welcher u. a. der MuSU mitwirkte, statt. 1938 wurde er der Funktion des Oberlehrers von Ulrichsberg wegen österreichischer Gesinnung enthoben, war daraufhin offenbar noch kurz Lehrer in Grieskirchen/OÖ, ehe er verhaftet und ins KZ Dachau/D (hier vom 29.7.–13.9.1938 fassbar) gebracht wurde. Danach studierte er am Mozarteum Salzburg (1939/40 belegte er die Hauptfächer Orgel, Klavier und Flöte, 1940/41 Orgel und Flöte) bei F. Sauer (wohl Orgel) und J. N. David. 1940 geriet er offenbar als Mitglied der Wehrmacht bis 1945 in englische Kriegsgefangenschaft. Danach wurde er Direktor der Hauptschule Grieskirchen, wo er möglicherweise auch als Kirchenmusiker tätig war. Spätestens 1946 gründete er den Stadtchor, der vorwiegend Volkslieder und seine eigenen Kompositionen (teils UA.en), aber auch Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Ch. W. Gluck, Felix Mendelssohn Bartholdy und zeitgenössischen Komponisten (u. a. I. Gruber) aufführte. Zudem war er Mitbegründer der örtlichen Msch. Ab 1947 war er Direktor der Hauptschule Wolfsegg/OÖ, hier war er bis 1965 auch als Chorleiter und Organist tätig und gründete die örtliche Singgemeinde (wohl schon 1947; sie gestaltete vorwiegend Volkslieder- und Heimatabende) sowie das ebenfalls hier ansässige Volksbildungs- und Heimatwerk und einen Jugendchor. Er war zumindest 1948 als Bezirksobmann der Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher im Bezirk Vöcklabruck tätig. 1950 zeichnete er auch musikalisch für die 500-Jahr-Feier der Marktgemeinde Wolfsegg verantwortlich. Ab 1965 Bezirksschulinspektor in Rohrbach; zudem leitete er den Bezirkslehrerchor, mit welchem er auch eine Langspielplatte einspielte. 1973 gründete er einen Chor, der wenig später als Friedlchor bezeichnet wurde und sich seit 2012 CANTALENTIA [Zusammensetzung aus cantare und Lentia (lat. Linz)] nennt.


Ehrungen
Große silberne Medaille des österreichischen Verdienstordens 1937; 1. Preis Blasmusik-Kompositionswettbewerb (veranstaltet vom Kulturamt Grieskirchen und dem Musikverlag Doblinger) 1949; Staatlicher Förderungspreis f. Volksbildung 1956; Silbernes Ehrenzeichen des Vereines der Oberösterreicher in Wien 1956; Konsulent der oberösterr. Landesregierung f. Volksbildung und Heimatpflege 1956; Oberschulrat 1958.
Schriften
Musiktheoretische Schriften; Arbeits-, Anschauungs- u. Lehrmittel f. Musikunterricht; Artikel über Norbert Hanrieder und Themen der Vaterländischen Front in den Mühlviertler Nachrichten 1933–35.
Werke
Volkstümliche Chöre (Mein Oberösterreich, Lied von Wolfsegg, Dö Bleamerl, Ein kleines Lied); Vertonungen von Mundartgedichten; Lieder; Ländler; Märsche; Kammermusik; symphonische Dichtung Faust; Symphonie; Halboper Ritter Wolf; Laienspiele (’s Erbhofg’spiel von Julbach, Erntedank, Spiel vom Ameisberg); 2 Messen; kleinere Kirchenmusikwerke (Ave Maria, Tantum ergo, Proprien, Motetten).
Literatur
J. Huber, Hanrieders Rachel 2016, 83; Bausteine zur Heimatkunde des Bezirkes Rohrbach 1983; SK 15/4 (1968), 190; [Linzer] Tages-Post 9.7.1926, 4, 9.1.1930, 4; Linzer Volksbl. 8.7.1931, 5, 18.6.1946, 2, 12.11.1946, 2, 29.3.1947, 2, 13.4.1948, 2, 10.7.1948, 4, 19.7.1948, 3; Mühlviertler Nachrichten 17.5.1928, 3; 7.6.1928, 3, 26.7.1929, 6, 24.2.1933, 5, 13.10.1933, 4, 20.10.1933, 12, 23.3.1934, 10, 27.4.1934, 13, 8.6.1934, 4, 10.8.1934, 10, 24.8.1934, 4, 31.8.1934, 10f, 7.9.1934, 3, 5.10.1934, 2, 21.12.1934, 6, 26.7.1935, 4f, 2.8.1935, 12f, 9.8.1935, 12, 23.8.1935, 12f, 30.8.1935, 8, 22.11.1935, 9, 6.12.1935, 12f, 11.12.1936, 7, 22.10.1937, 2; Oberösterr. Nachrichten 21.1.1946, 4, 26.3.1946, 2, 27.3.1947, 2, 7.7.1947, 3, 24.8.1949, 3; Tagbl. 20.3.1929, 6; Neue Zeit 30.3.1946, 2, 12.8.1950, 4; Innsbrucker Nachrichten 21.8.1936, 8; Taufen-Duplikate der Pfarre Putzleinsdorf 1907, pag. 112; Trauungen-Duplikate der Pfarre Ulrichsberg 1930, pag. 25; www.chvooe.at (4/2021); https://collections.arolsen-archives.org/ (5/2021); Mitt. Archiv Mozarteum (5/2021); Mitt. Hedwig Kühberger (6 u. 8/2021); Mitt. Norbert Huber (7/2021).

Autor(en)
Bettina Graf
Empfohlene Zitierweise
Bettina Graf, Art. „Friedl, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 8.10.2021]