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Frischler, Frischler, true Hermann
* 1890-03-2222.3.1890 Bielitz/Österreichisch-Schlesien (Bielsko-Biała/PL), † 1963-08-2020.8.1963 São Paulo/BRA. Sänger (Bass), Operndirektor, Musikpädagoge. F. studierte zunächst in Stuttgart/D Gesang bei As van Dyk-Bülow sowie dramatischen Unterricht bei August Ellmenreich, dann 1910/11 Gesang bei A. Materna in Wien (vermutlich an der MSch. Kaiser). Er erhielt währenddessen bereits Engagements am Schauspielhaus Stuttgart (1911/12), dann am Stadttheater Bielitz (1913/14) sowie am Stadttheater Magdeburg/D (1914/15). 1915 wurde F. an die Volksoper Wien verpflichtet, gab jedoch auch regelmäßig Gastspiele u. a. in Graz, Baden, Linz und Dresden/D. An der Volksoper sang F. mehrere EA.en, u. a. in F. Busonis Arlecchino (1926) und machte sich insbesondere in Wagner-Partien einen Namen. Daneben engagierte er sich als Präsidiumsmitglied (1915–19) und gab die Bühnenvereinszeitung heraus. Er organisierte außerdem bereits früh regelmäßig (Benefiz-)Konzerte und Gastspiele, so leitete er 1918 Festspiele in Budapest oder 1920 Sommer-Festspiele bzw. 1923/24 Wagner-Festspiele in Oberschlesien (Kattowitz [Katowice/PL], Beuthen [Bytom/PL], Gleiwitz [Gliwice/PL]). In Kattowitz bewarb sich F. 1920 erfolglos um die Leitung des Stadttheaters, organisierte hier allerdings 1924 im Rahmen der Festspiele die polnische EA von Wagners Parsifal. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit K. Lustig-Prean in Wien die Konzertagentur Kuta, die jedoch nur bis 1925 Bestand hatte. F. dürfte 1921 mehrere Monate während des 3. Polnischen Aufstandes in Oberschlesien in einem Freikorps gedient haben. Während der schweren finanziellen Krise der Volksoper bewarb sich F. im Sommer 1926 gemeinsam mit G. Brand zunächst erfolglos als Pächter, übernahm dann jedoch zum 31.10.1926 die alleinige provisorische Leitung. Im Sommer 1927 hatte er bereits ein Angebot für die Intendanz des Stadttheaters in Beuthen angenommen, blieb jedoch aufgrund der unklaren Lage an der Volksoper. Obwohl F. das Haus erfolgreich führte und insbesondere mit dem Singspiel Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren von F. Raymond (UA 29.4.1927) einen großen Erfolg erzielte, konnte keine finanzielle und künstlerische Stabilität herbeigeführt werden. Auch F. selbst wurde immer wieder Ziel von – teils antisemitischen – öffentlichen und internen Attacken. Als Gegner tat sich v.a. der Bratschist und Komponist M. Frank hervor. Dennoch wurde F. im Juli 1927 zum Direktor gewählt und übernahm außerdem ab September die Leitung des Carltheaters. Aufgrund von massiven Differenzen verließ F. die Volksoper zum 1.4.1928, die danach kurzzeitig von R. Weirich geleitet wurde. Nachdem das Carltheater 1929 endgültig schließen musste, konzentrierte sich F. wieder auf seine Gesangskarriere und war häufig auf schlesischen Bühnen zu hören. In Beuthen leitete er um 1932 eine private Opernschule. 1937 emigrierte er mit seiner Frau Erna (* 20.1.1893 Beuthen, † 4.8.1959 São Paulo; geb. Silberberg, Hochzeit in Wien am 20.5.1920) und Sohn Heinz (* 26.2.1921 Wien, † 28.4.1980 São Paulo) nach Brasilien (Exil), wo er zunächst in São Paulo als Gesangs- und Schauspiellehrer arbeitete und ein Opernstudio betrieb. Dieses musste er später aus Gesundheitsgründen aufgeben. Er besaß in den 1940er Jahren eine Konzertagentur.
Ehrungen
Schlesischer Adlerorden 2. Klasse 1921.
Schriften
Der Kunstgesang, seine Leiden u. der Weg zur Heilung (Ms.).
Literatur
SchlMl 2001; Müller-Asow 1929; Neues Wr. Journal 17.5.1914, 24, 14.9.1916, 11, 22.1.1927, 7, 25.4.1927, 11, 12.6.1927, 27; NFP 25.8.1915, 3; Fremden-Bl. 16.9.1915, 11; Dt. Volksbl. 29.12.1918; Berliner Tagebl. 29.2.1920, 10; Wr. Allgemeine Ztg. 18.7.1921, 8, 8.4.1928, 5, 22.4.1928, 5; (Linzer) Tages-Post 25.2.1922, 9; Hannoverscher Kurier 10.4.1922, 2; Berliner Börsen-Ztg. 18.5.1922, 3; Illustriertes Österr. Sportbl. 30.6.1923, [7]; Die Stunde 1.6.1924, 6, 24.7.1926, 7, 10.7.1927, 6, 24.8.1927, 6, 24.3.1928, 9; Der Tag 25.10.1924, 8, 1.4.1928, 2; Neues Wr. Tagbl. 10.2.1925, 12, 25.10.1926, 8, 16.8.1927, 3, 31.8.1927, 4; Wr. Ztg. 16.6.1925, 376, 4.5.1926, 8; Reichspost 12.2.1926, 7; Der Abend 26.10.1926, 2; Illustrierte Kronen-Ztg. 27.10.1926, 6; Ostdt. Morgenpost 22.5.1927, 5; Kleine Volks-Ztg. 13.6.1927, 6, 15.7.1927, 4, 17.8.1928, 12; Wr. Morgen-Ztg. 13.7.1927, 7; Ostdt. Rundschau 14.7.1927, 5; Freiheit 23.8.1927, 4; Neues Wr. Abendbl. 23.3.1928, 4; Signale f. die musikalische Welt 90/39 (1932), 769; Pem’s Privat-Berichte: P.P.B 1.3.1939, 2; Wr. Kurier 19.10.1949, 4; eigene Recherchen (www.geni.com; www.familysearch.org; www.archiv.wiener-staatsoper.at/; www.anno.onb.ac.at; www.deutsche-digitale-bibliothek.de).

Autor*innen
MWA
Letzte inhaltliche Änderung
13.11.2025
Empfohlene Zitierweise
MWA, Art. „Frischler, Hermann“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 13.11.2025, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_F/Frischler_Hermann.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Das interessante Bl. 18.11.1926, 13
			© ANNO/ÖNB
Der Abend 27.3.1928, 1
			© ANNO/ÖNB

GND
Frischler, Hermann: 1327640023
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