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Galli Bibiena Galli Bibiena Ferdinando: (Bibiena, Bibbiena), Familie
Ferdinando: * 1657 -08-1818.8.1657 Bologna/I, 1743 -01-033.1.1743 Bologna. Maler, Architekt und Bühnenbildner. Sohn des Dekorationsmalers Giovanni Maria G. (* 1618 Bibbiena, † 1665 Bologna), Studium in Bologna; ab 1680 als Maler, Architekt und Bühnenbildner (z. T. gem. mit seinem Bruder Francesco) am Hof der Farnese in Parma und Piacenza tätig, daneben auch in anderen italienischen Städten; wurde 1708 vom habsburgischen Prätendenten (Karl VI.) an den spanischen Thron nach Barcelona berufen, wo er dessen Hochzeitsfeste mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel und (unterstützt von seinen Söhnen Alessandro, Giovanni Maria und Giuseppe) die Opernaufführungen der folgenden Jahre ausstattete; 1711 Rückkehr nach Parma; 1712 folgte er Karl als Architekt und Bühnenbildner an den Wiener Hof; 1717 wurde er zum „Ersten Architekten und Theatralingenieur“ ernannt, kehrte aber unmittelbar darauf aus Gesundheitsgründen nach Bologna zurück, wo er an der Accademia Clementina lehrte und nur mehr selten als Architekt und Bühnenbildner arbeitete; schon früh erste Experimente mit der Winkelperspektive („maniera di veder le scene per angolo“), theoretisch dargelegt in seinem Traktat L’architettura civile (1711); begründete zusammen mit seinem Bruder Francesco den Ruhm der Familie B.; ihr höfisch-monumentaler Stil steht in enger Verbindung mit der Entwicklung der opera seria (Oper).
Schriften
L’Architettura Civile preparata su la geometria, e ridotta alle prospettive 1711; Direzioni a giovani studenti nel disegno dell’architettura civile 1725; Direzioni Della Prospettiva Teorica Corrispondenti a quelle dell’Architettura 1732.


Francesco: * 12.12.1659 Bologna/I, † 20.1.1739 Bologna. Bruder Ferdinandos; nach seiner Ausbildung zum Maler in Bologna stattete er verschiedene Adelspaläste aus, bevor er Ferd. an den Hof der Farnese nach Parma folgte, wo er v. a. als Bühnenbildner tätig war; Theaterarbeiten auch in zahlreichen anderen italienischen Städten; von Kaiser Leopold I. nach Wien berufen, wo er 1704 das Große Hoftheater zu einem dreirangigen Logentheater umbaute (1708 eröffnet); 1707–09 neues Opernhaus in Nancy/F; 1709 neuerlich in Wien, wo ihn Kaiser Joseph I. zu seinem „Ersten Architekten und Theatralingenieur“ ernannte; da Josephs Nachfolger Karl VI. jedoch seinen Bruder Ferdinando bevorzugte, kehrte Francesco nach Italien zurück; ab 1726 lehrte er ebenfalls an der Accademia Clementina in Bologna, wo er auch leitende Funktionen bekleidete; bereits 1684 erste Experimente mit der Winkelperspektive in nicht-theatralischen Arbeiten, die er später auch auf der Opernbühne anwendete, u. a. in den opere serie von F. Gasparini, C. F. Pollarolo, A. Scarlatti, A. Vivaldi, J. A. Hasse und L. Leo, aber auch in der tragédie lyrique Jean Baptiste Lullys.

Alessandro: * 15.10.1686 Parma/I, † 5.8.1748 Mannheim/D; ältester Sohn Ferdinandos, studierte bei seinem Vater und folgte ihm 1708 nach Barcelona und 1712 nach Wien; trat um 1717 in den Dienst des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz ein, für den er bereits in Innsbruck als Bühnenbildner gearbeitet hatte; 1720 gelangte er über Neuburg a. d. Donau und Heidelberg nach Mannheim, wo er bis zu seinem Tod ansässig war; der stilistische Einfluss seines Vaters zeigt sich besonders deutlich in seinen Dekorationen für Oratorien, sacre rappresentazioni und opere serie, er realisierte aber auch zahlreiche Profan- und Sakralbauten; sein bedeutendstes Werk ist das Kurfürstliche Opernhaus im Mannheimer Schloss (1737–41; 1742 eröffnet).

Giovanni Maria: * 19.1.1693 Piacenza/I, † Sept. 1777 Neapel; Sohn Ferdinandos; wie seine Brüder Alessandro und Giuseppe Ausbildung beim Vater, dem er 1708 nach Barcelona und 1712 nach Wien folgte; ging wahrscheinlich mit dem Bruder Alessandro an den Hof des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz nach Mannheim; ab 1723 in Prag, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte; arbeitete aber auch als Architekt und Bühnenbildner für Bologna, Rom und Neapel, wo er schließlich verstarb.

Giuseppe: * 6.1.1695 Parma/I, † Anfang 1757 Berlin. Ausbildung bei seinem Vater Ferdinando, mit dem er – wie seine Brüder Alessandro und Giovanni M. – 1708 nach Barcelona und 1712 nach Wien ging; 1716 erste bedeutende Theaterarbeit gemeinsam mit seinem Vater: Angelica vincitrice d’Alcina (P. Pariati/J. J. Fux); 1717 folgte er seinem Vater als Bühnenbildner, Festdekorateur und Architekt an den Kaiserhof, 1717 „Zweiter“, 1723 „Erster Architekt und Theatralingenieur“; für die Ausstattung sämtlicher Opern und Festveranstaltungen am Hofe Kaiser Karls VI. verantwortlich (ab 1721 in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Antonio), u. a. 1723 Ausstattung der Krönungsoper Costanza e Fortezza (Pariati/Fux) in Prag; ab 1740 erschienen in Augsburg unter dem Titel Architetture e Prospettive Kupferstiche seiner Werke für den Wiener Hof; nach Kaiser Karls VI. Tod (1740) ging Giuseppe nach Italien, kehrte 1743 nach Wien zurück, gab aber seine Position am Kaiserhof bald zugunsten einer Anstellung am sächsischen Hof in Dresden/D auf; 1746–48 gestaltete er gemeinsam mit seinem Sohn Carlo das Innere des Bayreuther Markgräflichen Opernhauses neu; 1750 baute er in Dresden das Opernhaus im Zwinger wieder auf und stattete zahlreiche opere serie P. Metastasios in der Vertonung von J. A. Hasse aus; ab 1750 zeitweise auch als Bühnenbildner in Berlin tätig, 1754 trat er endgültig in den Dienst von Friedrich dem Großen ein; bedeutendster Vertreter der G. B. in der zweiten Generation; Zusammenarbeit mit den bedeutendsten Exponenten der opera seria – den Librettisten P. Pariati, A. Zeno und P. Metastasio und den Komponisten A. Caldara, F. Feo, N. Jommelli, J. A. Hasse und Carl Heinrich Graun.


Schriften
Architetture e prospettive 1740.


Antonio: * 1.1.1697 Parma/I, † 28.1.1774 Mailand. Jüngster Sohn Ferdinandos, Studium in Bologna, ab 1717 assistierte er seinem Vater in Bologna und Fano und seinem Onkel Franc. in Verona und Rom; ab 1721 arbeitete er mit seinem Bruder Gius. als Bühnenbildner der Opernproduktionen am Wiener Kaiserhof zusammen, wurde aber erst 1726 offiziell zum „Zweiten Architekten und Theatralingenieur“ ernannt, 1748 – in der Nachfolge Gius.s – zum „Ersten“; 1747 Umbau des Großen Hoftheaters in einen Ballsaal projektiert; 1751 Rückkehr nach Italien, wo er als Bühnenbildner und Theaterarchitekt ein neues Wirkungsfeld fand; seine bekanntesten Theatergebäude sind das Teatro Comunale in Bologna (1763 Eröffnung) und das Teatro Scientifico in Mantua (1767/69).

Giovanni Carlo Sicinio: * 13.8.1717 Bologna/I, † 20.11.1760 Lissabon. Sohn Francescos, Studium an der Accademia Clementina in Bologna; in den 1740er Jahren v. a. in Bologna, Verona und Mailand tätig; 1751 von König José I. von Portugal als Hofarchitekt nach Lissabon geholt, wo er mehrere Theaterbauten errichtete und zahlreiche Dekorationen für opere serie (David Perez) entwarf, in denen er den höfischen Stil der Familie zu größerem Realismus zu vereinfachen trachtete.

Carlo Bernardo: get. 8.2.1721 Wien, † 1787 Florenz. Sohn Giuseppes; Studium in Wien, begann seine eigenständige Karriere 1746 am Markgräflichen Hof in Bayreuth, wo er mit einigen Unterbrechungen ein Jahrzehnt lang tätig war; 1748 gestaltete er – gemeinsam mit dem Vater – den Zuschauerraum des neuen Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth neu; ab 1756 zahlreiche Reisen nach Italien, aber auch nach Nordeuropa (Flandern, Frankreich, Holland und London); 1763–66 am Hof Friedrichs des Großen in Berlin tätig; nach Aufenthalten in Nancy und Neapel (1770–72) folgte eine zweite große Reise, die ihn bis nach Schweden (Drottningholm) und nach Russland an den Hof Katharinas der Großen führte; vertrat die G. B. in der dritten Generation; seine Entwürfe weisen bereits Charakteristika auf, die der Tendenz des aufkommenden Klassizismus entsprechen.


Literatur
J. R. Carreras y Bulbena, Carlos d’Austria y Elisabeth de Brunswich Wolfenbüttel a Barcelona y Girona 1902; J. R. Carreras y Bulbena in Revista Musical Catalana 1905 u. 1915; C. Ricci, I B. architetti teatrali 1915; C. Ricci, La scenografia italiana 1930; H. Tintelnot, Barocktheater und barocke Kunst 1939; V. Mariani (Hg.), [Kat.] I B. scenografi, Florenz 1940; A. Hyatt Mayor, The B. Family 1945; J. Gregor (Hg.), Monumenta scenica: Gius. G. da B. 1954; F. Hadamowsky (Hg.), Die Familie G.-B. in Wien 1962; H. Vriesen in Maske und Kothurn 9 (1963); J. Hilmera in Maske und Kothurn 10 (1964); K. A. Burnim in Theatre Survey 6 (1965); D. M. Kelder (Hg.), Drawings by the B. family 1968; A. H. Saxon in Maske und Kothurn 15 (1969); M. T. Muraro/E. Povoledo (Hg.), [Kat.] Disegni teatrali dei B., Venedig 1970; H. Leclerc in Revue d’Histoire du Théâtre 1 (1971); F. Ruffini in Biblioteca teatrale 3 (1972); M. A. Bernardini in Biblioteca teatrale 6–7 (1973); F. Marotti, Lo spazio scenico 1974; M. Monteverdi (Hg.), [Kat.] I B., Mailand 1975; D. Oenslager, Stage Design 1975; E. Berckenhagen/G. Wagner (Hg.), [Kat.] Bretter, die die Welt bedeuten, Berlin 1978; D. H. Ogden, The Italian Baroque Stage 1978; G. Ricci, [Kat.] Dai „Parigi ai B.“, Prato u. Bibbiena 1979; [Kat.] L’arte del Settecento emiliano, Bologna 1980; G. Galavics in Acta Historiae Artium Academiae Scientiarum Hungaricae 30/3–4 (1984/86); C. Müller in Zs. f. Kunstgeschichte 49/3 (1986); M. A. Beaumont (Hg.), [Kat.] Desenhos dos G. B., Lissabon 1987; S. Schrader, Architektur der barocken Hoftheater in Deutschland 1988; A. M. Matteucci/A. Stanzani (Hg.), [Kat.] Architetture dell’Inganno, Bologna 1991; [Kat.] Drawings by the B. Family and their Followers, London 1991; [Kat.] Meravigliose scene, Arezzo 1992; M. Fagiolo/M. L. Madonna (Hg.), Il Barocco romano e l’Europa 1 (1992); D. Lenzi (Hg.), I G. B. 1997; P. O. Krückmann (Hg.), [Kat.] G. B. und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth, München–New York 1998; H. A. Millon (Hg.), I Trionfi del Barocco. Architettura in Europa 1600–1750, 1999; [Kat.] Opernbauten des Barock Bayreuth 1998, 1999; D. Lenzi/J. Bentini (Hg.), [Kat.] I B., Bologna 2000.

Autor(en)
Andrea Sommer-Mathis
Empfohlene Zitierweise
Andrea Sommer-Mathis, Art. „Galli Bibiena (Bibiena, Bibbiena), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/12/2001]