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Gasser, Gasser, true Josef
* 1873-03-2424.3.1873 Lienz/T, † 1957-01-1010.1.1957 Neustift bei Vahrn/Südtirol (Novacella/I). Kirchenmusiker, Komponist. Der Sohn des Kupferschmieds Alois G. (* 24.9.1835, † 24.2.1891) und der Maria, geb. Linder (* 12.4.1836, † 26.12.1917; Sopransolistin im Pfarrchor von Lienz) erhielt ab 1882 im Singknabeninstitut von Neustift bei B. Haller Unterricht in Gesang, Klavier und Violine. Während seiner Gymnasialzeit am Kasineum in Brixen sang er im dortigen Domchor unter I. Mitterer. Ab 1888 besuchte G. für vier Jahre die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck, parallel dazu absolvierte er ein Violinstudium an der Schule des Innsbrucker Musikvereins. Hier erstes Zusammentreffen mit V. Goller, einem Förderer seiner Werke. 1893 wurde G. zunächst an der Volksschule in Leopoldsdorf im Marchfeld/NÖ, im selben Jahr dann an der Volksschule in Haringsee/NÖ angestellt. Während seiner pädagogischen Tätigkeit erhielt G. musikalische Impulse aus dem nahegelegenen Wien. Vom 15.1. bis zum 15.7.1898 absolvierte G. eine Ausbildung an der Kirchenmusikschule in Regensburg/D, u. a. bei Franz Xaver Haberl, Josef Renner und Michael Haller. 1898–1908 war G. Chorleiter und Organist in Kaltern, zudem leitete er dort die Liedertafel, ab 1905 entstanden hier erste Kompositionen. 1908–22 als Kirchenmusiker am Prämonstratenser-Chorherrenstift in Wilten tätig; als stadtbekannte Persönlichkeit nahm er in dieser Zeit am Innsbrucker Musikleben regen Anteil und war als Musiker beim städtischen Sinfonieorchester, für Kammermusikkonzerte und als Bratschist im Stadttheater sehr gefragt. Unter seiner Leitung erlebte der Wiltener Chor eine Blütezeit (G. arbeitete hier nach der Praktischen Singschule von I. Mitterer). Zudem unterrichtete er ausgewählte Chorknaben in Klavier, Violine, Gitarre, Zither und diversen Blasinstrumenten. Ab 1922 wirkte G. als Kirchenmusiker am Augustiner-Chorherrenstift in Neustift und hob auch dort – obwohl die Knaben jeweils nur zwei Jahre vor Ort blieben – das musikalische Niveau stetig. G. ließ hier 1924 die Tradition des Sternsingens wieder aufleben. Angelo Alverà (Domkpm. von Brixen, 1905–78) vermittelte ihm einen Kompositionsauftrag (es entstand die Missa Solemnis) für das 800-Jahr-Jubiläum des Klosters Neustift 1942. G. galt als versierter Organist und Orgelimprovisator; sein kompositorisches Schaffen zeichnet sich durch Vielseitigkeit und einen von spätromantischen Elementen beeinflussten, aber dennoch individuellen Stil aus.
Gedenkstätten
J. G.-Str. Lienz; J. G.-Grundschule Neustift 1991.
Ehrungen
Prof.-Titel 1951; Ehrenmitglied der Kalterer Liedertafel 1908; Ehrenbürger von Lienz 1952.
Werke
Messen (Requiem, Missa Solemnis in e-moll), Gradualien, Offertorien, Motetten, Kantanten, Te Deum (s. Abb.), Chöre und Lieder (div. Besetzungen), Singspiele, Kammermusik (Streichquartette und -terzette, Klavier- und Gitarrewerke [meist Bearb.])
Literatur
E. Knapp, J. G. 2001; B. March, Das Musikleben in Südtirol und der Komponist J. G. (1879-1957) in seinem Leben und Wirken als Künstler und Pädagoge, Dipl.arb. Innsbruck 2005; O. Gasteiger in Der Schlern 14 (1933); M. Chizzali in L. Christensen et al. (Hg.), [Kgr.-Ber.] Rudolf v. Ficker (1886–1954) 2012; MaÖ 1997; ÖMZ 25 (1970), 11; K. Benesch in SK 14/4 (1967); Taufbuch der Pfarre Lienz-St. Andrä 1837–78, fol. 227.

Autor(en)
Bettina Graf
Empfohlene Zitierweise
Bettina Graf, Art. „Gasser, Josef‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22.10.2021]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

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