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Gielge, Gielge, true Hans
* 1901-06-099.6.1901 Gramastetten/OÖ, † 1970-01-1616.1.1970 Bad Aussee/St. Lehrer, Kulturaktivist, Volksliedsammler, Mundartdichter und Schöpfer volkstümlicher Lieder. 1916–20 Besuch der Lehrerbildungsanstalt des Bundes in Linz (Musiklehrer u. a. F. Neuhofer). G. kam 1920 als junger Lehrer nach Bad Aussee (Ausseerland), wo er zunächst an der Knaben-Volksschule, dann als Lehrer für Zeichnen, Handarbeiten, Schreiben und Musik an der Knaben-Hauptschule und schließlich als Direktor der Mädchen-Hauptschule tätig war. 1922–34 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, ab 1938/43 Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Im Laufe seines Lebens war er maßgeblich an der Gestaltung des Kulturlebens im Ausseerland beteiligt. Er gründete den Arbeiter-Gesangsverein Alpenklang, das Heimatwerk Ausseerland, Chöre, Sing- und Tanzgruppen, eine Theatergruppe, war tonangebend am Aufbau des Ausseer Heimatmuseums involviert, verfasste heimatkundliche Aufsätze, Filme und Rundfunksendungen (Mitarbeit bei der RAVAG, Singen mit G. Kotek), schrieb Faschingbriefe, gestaltete Festzüge u. a. auch für das NS-Regime. Mit seinen Gruppen wirkte er weit über die Grenzen Österreichs hinaus und trug wesentlich zur Entwicklung des Tourismus in Aussee bei, speziell in den 1930er Jahren für den amerikanischen Markt. G. malte, schuf Mundartgedichte, komponierte Lieder im Volkston, die heute weit verbreitet sind. Als Volksliedsammler machte er seine Aufzeichnungen nach dem Gehör; seine Gewährsleute kamen nur teilweise aus dem Bauernstand (darunter viele Sennerinnen), zum anderen Teil waren es Salinenarbeiter, Eisenbahner, Halter und Holzknechte. Zu G.s eindrucksvollsten Leistungen gehören die Aufzeichnungen von Juchzern, Rufen und zahlreichen ein- und mehrstimmigen Jodlern. Die von ihm vertretene „Widerspiegelungshypothese“ (das Stimmengewebe eines Jodlers ahme das Panorama einer Gebirgslandschaft nach) ist von der Wissenschaft inzwischen verworfen worden. In Nachfolge des in Gößl/St wirkenden Volksliedsammlers K. Mautner, Autor des Steyerischen Rasplwerks, hat G. seine Jodleraufzeichnungen als von eigener Hand illustrierte Prachthandschrift (in Privatbesitz) hinterlassen.
Gedenkstätten
Gedenktafel im Kurhaus Bad Aussee; H.-G.-Preis der Gemeinde Altaussee um Verdienste in den Bereichen Volkskultur bzw. Volksmusik seit 1967.
Ehrungen
J. Pommer-Medaille 1936; W. Kienzl-Plakette 1937; Stelzhamer-Plakette 1953; Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich 1960; R. Zoder-Medaille 1969; Ehrenbürger der Gemeinde Bad Aussee 1969.
Werke
Rund um Aussee. Volkslieder, Jodler und Rufe aus dem Steiermärkischen Salzkammergut 1935; Klingende Berge. Juchzer, Rufe und Jodler 1937 (Faks. 1992); Singendes Ausseerland. Volkslieder, Tanzgsangln und Jodler für drei gleiche Stimmen 1944; Was i gern sing. Lieder in steirischer Art 1985 (= ND der Ausgabe von 1943.).
Schriften
mehrere Aufsätze in den Zs.en Das dt. Volkslied und im JbÖVw.
Tondokumente
TD: Almerisch. Juchzer, Rufe, Jodler, Lieder und Tanzweisen aus dem Ausseerland/Steiermark, gesammelt von H. G., mit einem Kommentar von W. Deutsch 1967 (Österreichische Phonothek, ÖPH 10006).
Literatur
F. C. Lipp in Oberösterreicher 6 (1988); G. Haid in Klingende Berge 1992; H. Jeglitsch in Der fröhliche Kreis 57/4 (2007); C. J. Pliem, G.s Volksliedkompositionen, zum „Zurechtsingen“ geschrieben?, In Arbeit Dipl.arb. Wien 2018; Mitt. Gemeinde Altaussee (3/2016).

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Irene Egger
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †/Irene Egger, Art. „Gielge, Hans‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 2.6.2021]


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