Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Graf, Graf, Max: Familie
Max: * 1873 -10-011.10.1873 Wien, 1958 -06-2424.6.1958 Wien. Kritiker und Musikwissenschaftler. Nach der Gymnasialausbildung in Prag und Wien Studium an der Univ. Wien (Rechtswissenschaft, Literaturgeschichte, Philosophie, am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, Musikwissenschaft bei E. Hanslick und Musiktheorie bei A. Bruckner). 1896 Promotion (Dr. phil. und Dr. jur.) und nach einjährigem Studienaufenthalt in Paris Habilitation. 1898 Heirat mit Olga Hoenig (Sohn Herbert * 1904, Tochter Hanna * 1906). Dozent für Ästhetik der Tonkunst am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Ab 1900 als Musikkritiker in zahlreichen Blättern des In- und Auslandes: beim Neuen Wiener Journal, bei der Weimarer Allgemeinen Zeitung, beim Musikalischen Kurier, ab 1903 auch bei der Wiener Allgemeinen Zeitung, außerdem für die Frankfurter Zeitung, das Berliner Tagblatt, die Vossische Zeitung, das Prager Tagblatt, Boston Transcript sowie Artikel in div. Fachzeitschriften. 1909 Prof. für Musikgeschichte und -ästhetik an der Wiener Staatsakademie für Musik. 1919–22 Chefredakteur des von ihm begründeten Musikalischen Kuriers. 1920 Heirat mit Rosa Zentner. 1928 Mitorganisator der Schubert-Zentenarfeier und Initiator der Wiener Musikfeste, Mitglied der Kommission zur Verleihung der Kompositionspreise der Stadt Wien (Preise). 1929 Heirat mit Polly Batic (Sängerin [Mezzosopran], * 1906 Wien, † 10.5.1992 Wien). 1930–35 Vorlesungen am Österreichisch-Amerikanischen Institut in Wien. 1938 Emigration in die USA (Exil), dort als Musikschriftsteller tätig sowie als Prof. an der New School for Social Research New York, am Carnegie Institute Pittsburgh und der Temple University Philadelphia. Er schrieb für die New York Times, Musical Courier u. a. Periodika und verfasste drei Bücher in englischer Sprache. 1947 Rückkehr nach Österreich, wieder Prof. an der MAkad. Wien (Seminar über Musikkritik 1947–50) und an der Hochschule Mozarteum Salzburg, außerdem bis zu ihrer Einstellung 1955 Kritiker für die Weltpresse, Rundfunkvorträge für Wien, Rom, Zagreb und New York, 1952 Gastprofessor an der New School for Social Research New York. M. G. war als vielseitiger Akteur ein herausragender Zeitzeuge des Wiener Musiklebens. Er trat dabei als eifriger Beförderer der musikalischen Moderne auf und mahnte gleichzeitig – v. a. in seinen Büchern aus den 1940er Jahren – zur Pflege der klassisch-romantischen Tradition. Seine Schriften zur Neuen Musik und v. a. die Geschichte der Musikkritik zählen nach wie vor zu den Standardwerken in diesem Bereich.
Ehrungen
Preis der Stadt Wien für Publizistik 1953.
Schriften
Die Musik der Frauen in der Renaissancezeit, Diss. Wien 1896 (gedruckt als Die Musik im Zeitalter der Renaissance 1905); Deutsche Musik im 19. Jh. 1898 (tschech. 1901); Wagner-Probleme und andere Studien 1900; Die innere Werkstatt des Musikers 1910; Richard Wagner im „Fliegenden Holländer“ 1911; Musikalischer Kurier 1919–22; Bedrich Smetana vu par les Etrangers, hg. v. R. Jardillier 1924; Vier Gespräche über Deutsche Musik 1931; Legend of a Musical City 1945 (dt. Ausg. 1949); Composer and Critic 1946; Modern Music 1946; From Beethoven to Shostakowich 1947; Gesch. und Geist der modernen Musik 1953; Die Wiener Oper 1955; Jede Stunde war erfüllt: ein halbes Jh. Musik und Theaterleben 1957.
Literatur
F-A 1 (1974); Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; NGroveD 10 (2001); MGG 5 (1956).


Sein Sohn Herbert: * 10.4.1904 Wien, † 5.4.1973 Genf. Regisseur und Operndirektor. Studierte Musikwissenschaft an der Universität Wien bei G. Adler, Bühnenbild bei A. Roller. Promotion 1925, anschließend Engagements in Münster, Breslau (Wrocłav/PL) und Frankfurt a. M. 1927 Heirat mit Liselotte Austerlitz (Sohn Werner, * 1933). 1933 Emigration in die Schweiz, 1933/34 Engagement in München, Basel und Prag, 1934 Emigration in die USA. 1934/35 an der Philadelphia Opera und 1936–60 an der Metropolitan Opera New York. 1935–37 Produzent für B. Walter, A. Toscanini und W. Furtwängler in W. Furtwängler, Salzburg, Wien und Paris (1936 erste Inszenierung bei den Salzburger Festspielen: Die Meistersinger und Zauberflöte). 1940 Leiter der Opernabteilung am Berkshire Music Center Massachusetts. 1943 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1944/45 arbeitete er für die NBC TV in New York, 1947–59 für die Zeitschrift Musikblätter, 1949–60 Leiter der Opernabteilung des Curtis Institute in Philadelphia. 1958/59 Produktion von G. F. Händels Samson, Boris Godunow und Parsifal für die Londoner Covent Garden Opera. 1960–62 Direktor der Züricher Oper und 1965 bis zu seinem Tod am Grand Théâtre in Genf. 1966 Heirat mit Margrit Thuering. Lehrte an Opernschulen in den USA und der Schweiz. Inhaber des US-Patents für kombiniertes Axial-Theater und Arena und Theater mit Fernsehen.


Ehrungen
Orfeo Preis der Stadt Verona für die Inszenierung der Aida 1955; Rockefeller Stipendium 1957/58; Prof.-Titel 1969.
Schriften
Richard Wagner als Regisseur: Studien zu einer Entwicklungsgesch. der Opernregie, Diss. Wien 1925; Das Repertoire der öffentlichen Opern- und Singspielbühnen in Berlin seit dem Jahre 1771, 1934; The Opera and its Future in America 1941; Opera for the People 1951; Aus der Welt der Oper 1960; Producing Opera for America 1961.
Literatur
NGroveD 10 (2001); Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; [Kat] Vertreibung des Geistigen 1985.

Autor(en)
Cornelia Szabó-Knotik
Empfohlene Zitierweise
Cornelia Szabó-Knotik, Art. „Graf, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 30/12/2001]