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Held, Held, Ludwig Familie
Ludwig (eig. David, Pseud. Anton Herger): * 1837-04-1414. (24.?) 4.1837 Regensburg/D, † 1900-03-022.3.1900 Wien. Schriftsteller. Im Frühjahr 1868 leitete er das Theater am Gärtnerplatz in München. Danach übersiedelte er nach Wien, wo er unter der Direktion von M. Steiner als Sekretär des Theaters an der Wien tätig wurde. Wohl im Zuge seiner Eheschließung in St. Karl am 10.3.1870 mit Adele Ehn (Adelheid, eig. Adelaida, get. 20.11.1843 Pest, † 28.4.1880 Wien), der älteren Schwester von B. Ehnn, trat er aus dem Judentum aus und konvertierte zum katholischen Glauben. Der Ehe entstammten vier Söhne, um die sich H. nach dem frühen Tod seiner Frau zunächst allein kümmerte, später heiratete er erneut. Im August 1872 begann H. als Theaterreferent der neu gegründeten Tageszeitung Das Freie Blatt. Nach deren Einstellung im Juni 1873 wechselte er zum Neuen Wiener Tagblatt (Kürzel „l. h.“). Darüber hinaus verfasste H. volkstümliche Possen, bearbeitete französische Vaudevilles und schrieb Couplets sowie Liedtexte für Bühnenstars wie J. Gallmeyer, M. Geistinger, F. Schweighofer und A. Girardi, mit dem er eine langjährige intensive Freundschaft pflegte. Später folgten Operettenlibretti, oft in Zusammenarbeit mit einem Co-Autor (M. West, V. Léon, Benjamin Schier). Seine gemeinsam mit West geschriebenen Bücher zur Posse Die Näherin (M: C. Millöcker) 1880 und zu C. Zellers Operetten Der Vogelhändler 1891 und Der Obersteiger 1894 erlangten große Popularität. Trotz schwerer Krankheit ging H. bis zuletzt seiner Tätigkeit als Kritiker nach, seine letzte Rezension betraf die EA des Schauspiels Die Lügnerin von Alphonse Daudet am 17.2.1900 im Deutschen Volkstheater.
Werke
Operettenlibretti (gem. m. M. West Der Vagabund [M: C. Zeller, UA 30.10.1886 Carltheater], Bellmann [M: F. v. Suppè, UA 26.2.1887 Theater an der Wien], Der Vogelhändler [M: C. Zeller, UA 10.1.1891 Theater an der Wien], Der Obersteiger [M: C. Zeller, UA 5.1.1894 Theater an der Wien], Die Schwalben [M: Leo H., UA 12.2.1897 Theater an der Wien]); gem. m. B. Schier Der Schlosserkönig [M: E. Kremser, UA 12.1.1889 Theater an der Wien], Der Schnüffler [M: Leo H., 2.2.1895 Raimundtheater]; gem. m. V. Léon Das Modell [M: F. v. Suppè, fertiggestellt von J. Stern und Al. Zamara, UA 5.10.1895 Carltheater], Der Cognac-König [M: F. Wagner, UA 20.2.1897 Carltheater], Die Pariserin [M: F. v. Suppè, UA 27.1.1898 Carltheater]; Die Stiefmama [M: Leo H., UA 20.2.1900 Theater an der Wien], Gaudeamus [M: Leo H., UA 23.12.1902 Jantschtheater]); Possen (Die Näherin [M: C. Millöcker, Wien 1880], Die Schwestern [M: F. v. Suppè, Wien 1880], Gefundenes Geld [M: Julius Stern, Wien 1884]); Schwänke (Hausse und Baisse [Wien 1878], Der Zimmerherr [Wien 1890]); Couplets; Fortsetzungsroman Die Gezeichneten in Neues Wr. Tagbl. 1.6.1890–3.9.1890.
Literatur
ÖBL 2 (1959); Czeike 3 (1994); Eisenberg 1893; Kosch 1 (1953); Stieger III/2 (1980); Neues Wr. Abendbl. 2.3.1900, 3; Illustrirtes Wr. Extrabl. (Abend-Ausgabe) 2.3.1900, 3; Österr. Illustrierte Ztg. 11.3.1900, 3; Wr. Allgemeine Ztg. 29.4.1880, 14; Neues Wr. Journal 1.8.1919, 6, 6.4.1929, 6; www.operetten-lexikon.info (12/2021); Trauungsbuch der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV) 1869–74, fol. 63; www.genteam.at (12/2021); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Seine Söhne

Hugo Anton Maria: * 15.8.1872 Wien, † 24.8.1936 Berlin. Schauspieler, Schriftsteller, Sammler. Besuchte das Akademische Gymnasium (Wien I) und danach eine Handelsschule. Begann 1890 zunächst eine Karriere als Schauspieler (jugendlicher Held und Liebhaber) in Steyr, ein Gastspiel führte ihn Anfang 1891 nach Esseg (Osijek/HR), die Saison 1891/92 spielte er in Elbing (Elbląg/PL), im Mai 1892 ging er ans Innsbrucker Stadttheater. Wenig später spielte er im Deutschen Sommertheater in Prag. 1896/97 Engagement am Lessing-Theater in Berlin, 1899/1900 wechselte er ans Jantsch-Theater nach Wien. 1901 veröffentlichte er in Dresden/D seinen ersten Roman, Tagebuch eines Abenteurers. 1911 bearbeitete er die beliebte Alt-Wiener Posse Die Näherin seines Vaters für das Lustspieltheater, die Titelrolle spielte H. Niese. Ab spätestens 1917 schrieb H. H. auch Drehbücher für Stummfilme, nach Kriegsende gründete er die H. H.-Film-Gesellschaft mit Sitz in Wien IV, Seisgasse 8. Zuletzt verlegte er sich auf das Sammeln von Theatralia, indem er die von seinem Vater begonnene umfangreiche Sammlung fortsetzte und erweiterte. Einige biographische Artikel über berühmte Schauspieler (u. a. A. Girardi, Helene Odilon, J. Gallmeyer), die er v. a. im Neuen Wiener Journal publizierte, beruhen darauf. 1925 überließ H. H. den Bestand der ÖNB („Slg. H. H.“), fuhr danach mit dem Sammeln fort und verkaufte diesen neuen Bestand wiederum an die ÖNB.


Werke
Romane; Bühnenstücke (Die Leichtsinnigen, Neubearbeitung von Die Näherin seines Vaters Lu. H.); Filmdrehbücher.
Schriften
Artikel für das Neue Wr. Journal und die NFP.
Literatur
Neues Wr. Journal 2.1.1896, 4, 15.10.1899, 7, 28.8.1936, 10; Reichspost 13.6.1925, 6; Die Presse 27.4.1889, 10, 1.3.1891, 15; Neue Kino-Rundschau 30.11.1918, 34; Wr. Theaterztg. 1.12.1890, 8, 10.5.1892, 6; Neues Wr. Tagbl. 2.12.1891, 7, 29.5.1901, 9, 12.10.1904, 12; Prager Abendbl. 19.5.1892, 4; Innsbrucker Nachrichten 19.10.1894, 7; Geburtsbuch der Pfarre St. Augustin (Wien I) 1872–78, fol. 10; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Bühnen-Jb.er).

Leo Anton (Pseud. Karl Herger): * 27.1.1874 Wien, † 16.5.1903 Wien [Freitod]. Kapellmeister und Komponist. Ab 1887 (ab 1888/89 als Stiftling) Ausbildung am Konservatorium der GdM, zunächst Klaviervorbildung bei Wilhelm Rauch und ab 1889/90 Klavierausbildung bei A. Door. Daneben 1888–90 Harmonielehre, danach Kontrapunkt bei A. Bruckner sowie 1890–92 Komposition bei J. N. Fuchs. 1892 erhielt er das Reifezeugnis aus Klavier. Bruckner hielt viel von ihm („Mein lieber Leo machte mir große Freude“, schrieb er an Lu. H.) und H. verehrte ihn („Ihr, Sie am Meisten verehrender Schüler“, schrieb er an Bruckner am 22.12.1892), an dessen Begräbnis er am 14.10.1896 teilnahm. 1892/93 war er als Chordirektor am Hamburger Carl Schultze-Theater tätig, 1893/94 Zweiter Kapellmeister in Gera/D, 1894 Theaterkapellmeister in Hamburg/D, im Frühjahr 1895 in Breslau (Wrocław/PL), ab Mai 1895 bis zur Saison 1899/1900 Dirigent für Volksstück und Posse am Wiener Carltheater. Mit der Musik zu Der Schnüffler, einer Posse seines Vaters, trat H. im Februar 1895 in Wien erstmals erfolgreich als Bühnenkomponist an die Öffentlichkeit. Zwei Nummern daraus wurden wenig später im Verlag M. Krämer’s Nachf[olger] veröffentlicht. Darüber hinaus ergänzte er C. Millöckers Musik zur Posse Die Näherin für die neue Version seines Bruders Hugo um Tänze und Couplets, die jedoch erst 1911 am Lustspieltheater uraufgeführt wurde. Befreundet mit O. Mahler, der ihm einen Brief seines Bruders Gustav an ihn schenkte.


Werke
Operneinakter Gina, die Zigeunerin (T: Mara v. Berks, UA 18.3.1900 Prag); Singspiel Das Wunderkind (T: Theodor Taube, 1895 für das Theater in der Josefstadt angenommen, nicht aufgeführt); Operetten (Die Schwalben [T: M. West, Lu. H., UA 12.2.1897 Theater an der Wien], Die Stiefmama [T: Lu. H., UA 20.2.1900 Theater an der Wien], Gaudeamus [T: Anton Herger, UA 23.12.1902 Lustspieltheater]), Possen (Der Schnüffler [T: Lu. H., UA 9.2.1895 Raimundtheater], Die moderne Krankheit [T: A. Fröden, UA 14.12.1895 Raimundtheater], Die Goldtante [T: C. Costa, UA 6.11.1897 Theater an der Wien]; gem. m. J. Einödshofer Eine tolle Nacht [T: Julius Freund, Wilhelm Mannstädt, Wr. Fassung bearb. v. L. Krenn u. C. Lindau, UA 15.2.1896 Carltheater], Bearbeitung Die Näherin [T: Lu. u. H. H., M: C. Millöcker UA 27.1.1911 Lustspieltheater]); Couplets (Die schöne Meisterin [T: G. Werner], Das Mutterauge wacht [T: J. Hornig]); Lieder; Klavierstücke (Skizze, s. Abb., Intermezzo, Scherzo, Eine tolle Nacht).
Literatur
ÖBL 2 (1959); Czeike 3 (1994); Kosch 1953; R. Holzer, Die Wiener Vorstadtbühnen 1951; Eisenberg 1893.

Dessen Cousine und Frau

Berta (eig. Bertha Adelaide, geb. Sand; H.-Sand): * 13.4.1879 Aschberg/NÖ, † 7.4.1918 Wien [begr. St. Christophen/NÖ]. Sängerin (Sopran?), Pädagogin. Die Tochter von B. Ehnn erhielt ihren Gesangsunterricht bei R. Papier, einer Freundin ihrer Mutter, und arbeitete später als deren Assistentin. Sie war in und außerhalb Wiens als Konzertsängerin aktiv und erteilte ab spätestens 1913 in Wien IV privaten Gesangsunterricht. Vermutlich aus ihren Schülerinnen rekrutierte sie einen Damenchor, der etwa im Dezember 1916 in der Hofgardekirche (Wien III) Carl Altenhofers Messe für dreistimmigen Damenchor, op. 138 im Rahmen eines Hochamtes interpretierte. Nach dem frühen Tod ihres Mannes (verheiratet seit 4.6.1901) bemühte sie sich um die Verbreitung seiner Operetten.


Werke
Gedichte in niederösterreichischer Mundart.
Literatur
Illustriertes Familienbl. 28/1 (1913/14), 14; Neues Wr. Tagbl. 7.12.1916, 15, 8.4.1918, 11; Neues Wr. Abendbl. 30.7.1910, 4; NFP 18.3.1915 (Abendbl), [1], 24.9.1917, 6, 9.4.1918, 7; Neues Wr. Journal 7.12.1916, 13, 27.5.1917, 15; Taufbuch der Pfarre St. Christophen 1872–1935, fol. 73; Trauungsbuch der Pfarre St. Augustin 1899–1905, fol. 83; Sterbebuch der Pfarre St. Christophen 1902–38, fol. 53; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
20.4.2022
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Held, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 20.4.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d105
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Ludwig Held (Österr. Illustrierte Ztg. 11.3.1900, 3) © ANNO/ÖNB
Ludwig Held (Illustrirtes Wr. Extrabl. [Abend-Ausgabe] 2.3.1900, 3) © ANNO/ÖNB
Ludwig und Leo Held, Karikatur zur Operette Die Schwalben („Der Floh“ 21.2.1897, 6) © ANNO/ÖNB
Leo Held, Skizze (An der Schönen Blauen Donau H. 23 [1894], 552/1)© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001d105
GND
Held, Ludwig: 116682434
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Held, Hugo: 130174106
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Held, Leo: 116682396
OBV
Weiterführende Literatur

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