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Heller, Heller, Josef Ehepaar
Josef (Joszi): * 1876-06-044.6.1876 Budapest, † 1932-10-044.10.1932 Wien. Komponist, Lautenist, Musikkritiker. Aufgewachsen als Sohn des Musikdirektors Anton H. in Budapest und Wien. Erhielt seine musikalische Ausbildung in Budapest, wo er als Lautenist und Sänger tätig war. In frühen Jahren war er als Kapellmeister im Ausland aktiv. In Wien studierte er 1903/04 Komposition bei R. Heuberger am Konservatorium der GdM. Möglicherweise erhielt er auch Unterricht von R. Fuchs. Es folgte ein Aufenthalt in Czernowitz, wo er am 24.9.1905 Emma Neuberger heiratete. Spätestens 1907 übersiedelten beide wieder nach Wien. 1909 widmete er K. Franz Joseph I. einen Marsch. 1910/11 mehrere Konzertauftritte als Lautenist gemeinsam mit seiner Frau als Sängerin, 1912/13 war er zu Gast auf diversen Wiener Bällen. Als Lautenvirtuose trat er ab 1919 regelmäßig in Wien auf. Sein Markenzeichen war eine Maske, die er bei seinen solistischen Darbietungen trug. 1924–30 gab er als Lautenist, gemeinsam mit seiner Frau, Konzerte (u. a. an den drei Stammhäusern der Wiener Volkshochschule). Das Duo war ebenfalls im Hörfunk (v. a. mit den Liedern J. H.s) zu hören. In dem Zeitraum arbeiteten sie mehrfach mit der Kapelle Silving-Greißler zusammen.1925 trat H. öfter mit der Vortragskünstlerin Milena Pawlowna im Wiener Kabarett Pavillon auf. H. war auch als Musikkritiker tätig: 1916–19 schrieb er für das Wiener Fremden-Blatt, 1921 für die Fremden-Presse und 1924–31 für Der Tag. Möglicherweise war er ab 1917 auch für die Mittags-Zeitung und ab 1920 für das Neue Wiener Tagblatt tätig. Seine Werke wurden zu Lebzeiten in Österreich, Ungarn und Deutschland aufgeführt, UA.en in Wien u. a. an der Volksoper, am Carltheater und im Wiener Komödienhaus. Seine kompositorische Tätigkeit (insbesondere seine Operetten) wurden in der zeitgenössischen Presse gewürdigt. Er verstarb nach langer Krankheit und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Ehrungen
1. Preis beim Wr. Komponistenwettbewerb 1927; mehrere Preise für seine Lieder von der Kleinen Volks-Ztg. 1929 und 1930 sowie von der Concordia 1932.
Werke
Opern (u. a. Die Skipetaren 1914), Operetten und Singspiele (u. a. Das Weibersdorf 1907, Der Schwimmlehrer 1910, Vogelperspektive 1915, Die hohe Pforte 1915, Frauenlist 1917, Der Liebling von London 1924), Lieder (u. a. Carmens Schwester 1930, Ständchen 1930, Der Traum von Wien 1932), Klavierstücke (u. a. Krönungs-Fackelmarsch 1909), Dramen (u. a. Gegen Gott …? 1919, Panoptikum 1930, Prozeß gegen Gott 1923), Komödie (Das Sofa von nebenan 1916).


Seine Frau

Emma (geb. Neuberger; Erika, Erica, Frima Erica Emmy, Frimcie): * 22.12.1881 oder 1882 [nicht 1896] Czernowitz/Bukowina (Černivci/UA), † 9.10.1942 KZ Klein Trostinetz bei Minsk (Maly Trostinec/BY). Sängerin, Pianistin, Komponistin. Erhielt Klavierunterricht am Verein zur Förderung der Tonkunst in der Bukowina. Ab 1898 erste öffentliche Aufführungen ihrer Kompositionen auf Bällen in Czernowitz. 1900 komponierte sie einen Festmarsch zum 70. Geburtstag von K. Franz Joseph I., 1900–03 studierte sie am Konservatorium der GdM (Klavier bei R. Epstein und A. Sturm, Gesang bei I. Ambros-Schlemmer). Weiteres erhielt sie Privatunterricht bei Th. Leschetizky. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und wirkte dort als Pianistin. 1905 arbeitete sie laut Presse gemeinsam mit ihrem Mann an einer Operette (möglicherweise ist damit J. H.s Das Weibersdorf, UA 1907 in Wien, gemeint; bislang (2021) wird E. H. keine Operette zugeschrieben). 1907–14 besuchte sie zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in Wien. Eine Briefkorrespondenz bestätigt ihre Bekanntschaft mit Arthur Schnitzler. Nach ihrer privaten Gesangsausbildung bei Alice Goldberg war sie 1915–19 als Sängerin an der Volksoper Wien engagiert, ab 1917 als Soubrette. In dieser Zeit gab sie als Sängerin – ab 1915 war sie unter dem Namen Erika H. tätig – Konzerte, darunter Wohltätigkeitsveranstaltungen. 1920 trat sie im Kabarett Simplicissimus (Simpl), 1921 im Theater Reklame auf. 1924–30 konzertierte sie als Sängerin in Begleitung ihres Mannes. 1931 wurde sie bei ihren Konzerten im Hörfunk u. a. von J. Richter (III) und J. Holzer am Klavier begleitet. Nach dem Tod ihres Mannes 1932 war sie noch bis 1938 regelmäßig als Sängerin zu hören (u. a. 1932 mit Friedrich Klapper, 1933 mit Rosalinde Kaplan und Julius Katay am Klavier). Nebenbei bot sie privaten Klavier- und Gesangsunterricht an. Wenige Tage nach ihrer Deportation am 5.10.1942 wurde sie im KZ Maly Trostinec ermordet.


Ehrungen
Ehrengeschenk (10 Dukaten) von Kaiser Franz Joseph I. 1900.
Werke
Tänze (Czernowitzer Mercur Walzer 1899, Schmetterling Polka-Mazur 1898, Habsburg/Österr. Feldmarsch 1899, Erzherzog Eugen-Marsch 1901), Sonaten, Etüden.
Literatur
Marx/Haas 2001; I. Korotin (Hg.), biografiA 1 (2016); F. Jansa (Hg.), Dt. Tonkünstler in Wort und Bild 1911; ÖBL 2 (1959); Czeike 3 (1994); F-A 1926; H. Brückner/Ch. Rock, Judentum und Musik31938, 74 u. 134f; Th. Stengel/H. Gerigk, Lex. der Juden in der Musik 1940, 369 u. 485; Müller-Asow 1929; R. Rohr, Unser klingendes Erbe 1988, 224; H. Degener (Hg.), Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen 1935; DBE 1996, 242; E. Mann et al. (Hg.), Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schweiz Musiker in Wort und Bild 1909/10; B. Jahn, Die deutschsprachige Presse 1 (2005); Bukowinaer Post 10.5.1898, 3, 24.12.1899, 5, 7.5.1901, 2; Frauen-Werke 1899, Nr. 11, 4; Bukowinaer Nachrichten 28.6.1889, 3; Bukowinaer Rundschau 2.10.1900, 3, 30.8.1905, 3, 27.6.1906, 3; Czernowitzer Tagbl. 1.8.1903, 4, 17.8.1904, 4, 27.8.1904, 4, 5.1.1905, 4; Czernowitzer Allgemeine Ztg. 26.9.1905, 4; Die Zeit 7.6.1907, 6; NFP 28.10.1907, 7, 14.3.1911, 10, 14.2.1912, 11, 23.5.1912, 14, 16.5.1914, 11, 16.5.1914, 11, 4.3.1915, 15, 18.12.1917, 21, 17.6.1932, 8, 6.10.1932, 5; Die Neue Ztg. 15.12.1910, 5; Neues Wr. Tagbl. 18.10.1910, 10, 5.11.1911, 12, 15.11.1911, 16, 23.5.1912, 14, 15.6.1912, 10, 13.11.1913, 17, 11.2.1914, 18, 24.5.1923, 10; Dt. Volksbl. 12.10.1915, 18, 22.5.1918, 6; Fremden-Bl. 4.3.1915, 12, 2.5.1915, 14, 15.3.1916, 10, 21.6.1916, 9, 28.2.1917, 11, 6.5.1917, 11, 12.11.1917, 4, 15.12.1917, 8; Wr. Allgemeine Ztg. 8.11.1917, 4; Die Stunde 14.6.1923, 6, 5.4.1925, 7, 26.5.1925, 7, 29.5.1926, 6, 30.5.1926, 12, 1.6.1926, 6, 5.1.1927, 4, 7.10.1932, 6; Der Morgen 28.2.1916, 7, 13.1.1936, 9; Der Tag 26.5.1923, 7, 12.12.1924, 7, 4.4.1925, 8, 15.12.1928, 10, 30.1.1931, 9, 6.10.1932, 6, 18.12.1937, 8, 5.2.1938, 8, 5.3.1938, 8; Reichspost 5.2.1912, 5, 21.1.1913, 8, 15.12.1924, 4, 23.9.1925, 8, 10.1.1927, 6; Die Bühne 1926, Nr. 83, 21; Grazer Tagbl. 27.10.1922, 5; Neues Wr. Journal 2.3.1907, 8, 7.9.1907, 9, 27.2.1909, 10, 4.3.1915, 11, 7.7.1917, 9, 7.9.1919, 15, 1.5.1920, 9, 13.9.1921, 3, 8.11.1921, 13, 23.12.1921, 11; Illustrierte Kronen Ztg. 26.5.1923, 9, 17.7.1932, 6; Wr. Montags-Presse 6.12.1920, 5; Wr. Fremden-Presse 12.9.1921, 5; Neues 8-Uhr-Bl. 23.5.1923, 7; Der Floh 25.9.1910, 7; https://yvng.yadvashem.org (1/2021); www.doew.at (1/2021); www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00005091 (1/2021); www.memento.wien/person/7755/ (1/2021); www.familia-austria.at (1/2021); www.vhs.at (1/2021); www.dla-marbach.de (1/2021); www.geni.com (2/2021); https://www.ikg-wien.at/friedhofsdatenbank/ (4/2021); https://czernowitz.geneasearch.net (4/2021); eigene Recherchen (www.anno.ac.at, Archiv der Volksoper Wien, Jahresberichte des Konservatoriums der GdM, Lehmann-Adressbuch 1932–33).

Autor(en)
Karoline Hochstöger
Empfohlene Zitierweise
Karoline Hochstöger, Art. „Heller, Ehepaar‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 8.10.2021]