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Hesse, Hesse, true Familie
Orgelbauer

Johann Carl August (Carl sen.): * 6.8.1808 Paplitz/Brandenburg, † 18.7.1882 Budapest. Sohn des Paplitzer Zimmergesellen Johann Friedrich H. und seiner Frau Johanna Regina, geb. Koch. Den Orgelbau erlernte er in Triest, wo auch sein Opus 1 steht, eine Orgel für die anglikanische Kirche aus dem Jahr 1836. In den folgenden Jahren entstanden acht weitere Orgeln für Kirchen im adriatischen Raum. 1848 baute H. seine erste Orgel auf Wiener Boden; sie steht noch heute (2020) in der evangelischen Kirche in Gumpendorf (Wien VI). Wohnsitz und Fabrik befanden sich ab diesem Zeitpunkt für die folgenden Jahrzehnte in unmittelbarer Nähe dieser Kirche, Millergasse 19. H. heiratete am 5.11.1856 Maria Barbara Josefa Witek (* 27.1.1823), Tochter eines Schlossergesellen. Am 2.2.1854 war dem damals unverheirateten Paar der Sohn Carl jun. geboren worden, seine Legitimierung erfolgte mit der Trauung. Auf die Söhne Hans und Franz wird unten eingegangen; an weiteren Nachkommen sind zu nennen: Carolina (* 28.5.1859), Emmerich (* 21.10.1862), Adelheid (* 16.12.1863) und Julius Karl (* 13.3.1865). C. H. sen. verbrachte seinen Lebensabend in Ungarn, wo er im Alter von 74 Jahren in Budapest starb.

H. blieb der italienischen Orgelbautradition zeitlebens treu. Er ist als einer der bedeutendsten und produktivsten österreichischen Orgelbauer des 19. Jh.s anzusehen. Das in Familienbesitz befindliche Werkverzeichnis listet für die Jahre 1836–73 108 Neubauten auf, wobei die meisten Orgeln in Ungarn (40), Siebenbürgen (15), Wien (8) und Niederösterreich (6) gebaut wurden. Aufträge kamen aber auch aus Russland, der Türkei und Ägypten. H. baute darüber hinaus zahlreiche Physharmonikas und Harmonien (Harmonikainstrumente). Seine Söhne

Carl jun.: 2.2.1854 Wien, † 14.3.1935 Sopron/H. Er heiratete Anfang 1876 in Wien eine Tochter von P. Titz und wird bei dieser Gelegenheit bereits als „Chef der k. k. Hofharmoniumfabrik von Peter Titz“ bezeichnet, sein Trauzeuge war L. A. Zellner. Gemeinsam mit Letzterem entwickelte H. ein „Riesen-Harmonium“ mit 28 Registern, darunter zwei 32 Fuß, das auf der Deutschen Kunstindustrie-Ausstellung in München 1876 gezeigt wurde. Bereits ein Jahr später schied H. jedoch aus der Firma Titz aus, die sein Schwager Th. Kotykiewicz übernahm. H. gründete eine eigene Firma (Harmonium-Erzeuger) in Wien IV, die am 23.3.1877 ins Handelsregister eingetragen wurde. Er bezeichnete sich in Inseraten anschließend noch als „Nachfolger der Firma Peter Titz“ und produzierte noch 1878 am gleichen Standort wie Kotykiewicz in Wien V, hatte sein Geschäft jedoch in Wien I. 1881 war er bereits in Raab (Győr/H) tätig („Erste ung. Harmoniumfabrik u. Orgelbau-Anstalt“), zwei Jahre später wurde die Wiener Firma im Handelsregister gelöscht. H. soll später in Ödenburg tätig gewesen sein. Seine Werkstätte florierte zunächst, ab 1912 kam es jedoch zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und er musste Konkurs anmelden. Ab 1913 war er in Güns (Köszeg/H) ansässig, die schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg hatte negative Auswirkungen auf das Unternehmen. Bis 1930 arbeitete er mit einem Gesellen, 1933 meldete er im Alter von 79 Jahren das Gewerbe ab. Er zog sich nach Sopron zurück, wo er 1935 „in kümmerlichen Verhältnissen“ starb. C. H. jun. dürfte keine Orgelneubauten vorgenommen haben, sondern war als Reparateur und Hersteller von Harmonien tätig.

Hans (Johann Baptist): * 17.12.1856 Wien, † 20.1.1941 Wien. Der zweitgeborene Sohn von C. H. sen. scheint laut Auskunft der Adressenverzeichnisse ab 1880 bis ca. 1886 in Wien ein eigenes Unternehmen geführt zu haben. Danach verlegte er den Betrieb nach Kaminiece-Podolski in Russland. Die gut gehende Firma fiel 1914 den Kriegswirren zum Opfer.

Franz: * 16.3.1861 Wien, † nach 1896 (Ort?). F. H. widmete sich wie seine älteren Brüder dem Instrumentenbau. Laut Erwin H. betrieb er in Pest eine Klavierwerkstätte. 1891 erhielt er ein Privileg für ein „neuartiges Musikwerk für einzulegende Notenblätter“. Seine Hauptbeschäftigung soll im Stimmen und Reparieren von Klavieren und Harmoniums bestanden haben.


Ehrungen
Ausstellungsmedaille bei der Budapester Milleniumsausstellung 1896.
Literatur
Eberstaller 1955; J. Golos in Organa Austriaca 4 (1988); H. Heiling in SK 14 (1966/67); E. Hesse in Organa austriaca 1 (1976); Hopfner 1999; G. Lade, Orgeln in Wien 1990; J. Sehnal in Organa austriaca 4 (1988); K. Szigeti in Organa austriaca 4 (1988); K. Szigeti in Organa austriaca 3 (1982); Die Presse 11.5.1876, 11, 29.3.1877, 11, 19.1.1883, 7; Wr. Ztg. 22.4.1877, 13, 21.8.1891, Amtsbl., 275, 31.7.1892, Amtsbl., 158; Das Vaterland 17.1.1878, [4]; Der Floh 19.5.1878, 5; NFP 14.4.1881, 12; Pester Lloyd 15.11.1896, 9; Trauungsbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1856, fol. 103; Taufbuch der Pfarre Gumpendorf 1854, fol. 24, 1857, fol. 5, 1859, fol. 103, 1861, fol. 68, 1862, fol. 253, 1863, fol. 311, 1865, fol. 78; Trauungsbuch der Pfarre St. Karl (Wien IV) 1875–83, fol. 40; Archiv des Technischen Museums Wien (Teilnachlass Kotykiewicz).

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner/Christian Fastl, Art. „Hesse, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/09/2020]