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Hirsch, Hirsch, Albert: Familie
Albert: * 1841-06-2929.6.1841 Wien, † 1928-01-10 10.1.1928 Wien. Schauspieler und Volkssänger. War zunächst Lehrer, arbeitete danach in Budapest erfolgreich als Schauspieler. Spätestens ab Oktober 1865 als Volkssänger in Wien belegbar, ging er danach nach Deutschland. Kam 1870 als Episodist an das Theater an der Wien, später an das Theater in der Josefstadt und das Theater unter den Tuchlauben. Aufgrund der geringen Gage verließ er das Theater und wurde als Volkssänger 1870 Mitglied der Gesellschaft von J. Schmer, 1872 jener von K. Drexler. Seine eigene Gesellschaft bestand zunächst nur aus Familienmitgliedern, später beschäftigte er auch andere Volkssänger (u. a. J. Armin, J. Müller, Eduard Völkl, Karl Noisser). Eines der Lokale, in denen er regelmäßig auftrat, war der „Goldene Widder“ in der Taborstraße (Wien II), der einen eigenen Konzertsaal besaß. H. wirkte als Direktor, Komiker, Regisseur und Hausdichter. Als Verfasser von Possen und Lebensbildern brachte er erstmals und höchst erfolgreich jüdisches Milieu auf die Brettlbühne. Ende der 1880er Jahre erhielt H. eine Singspielhallenkonzession. Unternahm mit seiner Truppe auch Gastspielreisen, u. a. nach Prag, wo er im Rahmen der Budapester Orpheum-Gesellschaft auftrat. Als Mitglied des Volkssängervereins setzte er sich regelmäßig für die Belange der Volkssänger ein. Nachdem er sich Ende 1905 vom Brettl zurückgezogen hatte, trat er im Juni 1914 wieder auf.

Seine Frau Minna (eig. Wilhelmine Caroline Friederike, geb. Hänlein): * 1843 München?/D, † 10.4.1913 Wien, Schauspielerin, Sängerin (Soubrette). Schauspielausbildung bei Marie Straßmann in München. Erstes Engagement in Ingolstadt/D, ab 1870 gemeinsam mit ihrem Mann in der Gesellschaft von J. Schmer, ab 1872 Liedersängerin in K. Drexlers Gesellschaft in Wien und später als Soubrette und Coupletsängerin Mitglied in der Gesellschaft ihres Mannes.


Literatur
Czeike 3 (1994); Eisenberg 1893; S. Wininger (Hg.), Große Jüdische National-Biographie 3 (1928); I. Singer (Hg.), The Jewish Encyclopedia 4 (1904); Hauenstein 1976; J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; Die Presse 30.12.1885, 10, 19.5.1886, 10, 3.10.1896, 6; Neues Fremden-Bl. 14.10.1865, 19; Prager Tagbl. 1.5.1900, 22, 30.5.1900, 3f; Montags-Ztg. 26.5.1902, [2]; Illustrirtes Wr. Extrabl. 22.3.1903, 4f; Illustrierte Kronen-Ztg. 27.11.1905, 13, 12.4.1913, 10, 11.1.1928, 5; Neues Wr. Tagbl. 23.6.1914, 13; NFP 17.3.1896, 6; http://www.jewishencyclopedia.com/articles/7723-hirsch-albert (5/2017); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Deren Kinder

Adolf (Pseud. Adolfi): * 15.2.1866 München, † 19.4.1931 Wien. Komponist, Unterhaltungskünstler. Privatschüler von A. Bruckner, studierte 1886/87 Klavier am Konservatorium der GdM. Den Plan, Operndirigent zu werden, musste er aufgrund eines schweren Augenleidens aufgeben, und er arbeitete in der Folge als Coupletsänger und später Kapellmeister in verschiedenen Singspielhallen, u. a. 1897 bei Karl Steidler und um 1904 in der Wiener Singspielhalle „Fideles Haus“. Darüber hinaus schuf er teils sehr populäre Wienerlieder und heitere Couplets, die er zumeist auch selbst textete und großteils im Selbstverlag Adolfi erscheinen ließ. Am 15.11.1900 heiratete er in Prag die Sängerin Marie Krčmař (* ? Prag?, † 15.3.1913 Wien), die unter dem Pseud. Mitzi Symer u. a. auch in der Gesellschaft von Albert H. tätig war. Ab etwa 1909 führte er mit ihr gemeinsam das Vergnügungslokal „Zum dummen Kerl“ (Wien I, Salvatorgasse 1), wo er als Klavierhumorist auftrat und sein Programm auf Zuruf des Publikums bestritt. Mit seiner zweiten Frau Franciska Johanna, geb. Siegert (* 9.10.1892 Wien, † 21.6.1964 Wien) führte er das Lokal fort, das er später in die Mariahilferstraße 89 (Wien VI) verlegte, hatte jedoch zunehmend mit finanziellen Problemen zu kämpfen.


Werke
Wienerlieder (Wienerwald, Wia si der Weana ’n Himmel vorstellt, Wann’s die Geigen hamlich streicheln, Steigt das Tröpferl nei in’s Köpferl, Dirndl am Kirtag), zahlreiche weitere Lieder; Juxmarsch Praterleben. Ein Teil seiner Werke wurde in der NS-Zeit vernichtet.
Literatur
S. Schedtler (Hg.), Wienerlied und Weana Tanz 2004; Lang 1974 u. 1986; R. Sieczynski, Wienerlied, Wiener Wein, Wiener Sprache 1947; Hauenstein 1976; J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; F. Scheder, Anton Bruckner Chronologie 1996; Pazdirek 8 (1904–10); Illustrierte Kronen-Ztg. 23.12.1910, 11, 21.4.1931, 3; Neues Wr. Tagbl. 17.3.1913, 14, 12.4.1913, 13, 20.4.1931, 5; Arbeiter-Ztg. 30.8.1897, 3; Freiheit!, 11.4.1929, 2; Die Bombe 3.10.1909, 6; Fremden-Bl. 4.4.1918, 8; Prager Tagbl. 13.10.1889, 21; www.genteam.at (5/2017); Geburtsbuch der IKG Wien X 1901 Juni–Dezember, RZ 1756 [Tochter Helene H.]; Trauungsbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1919–20, fol. 93; Taufbuch der Pfarre Altottakring 1892, fol. 574; Mitt. WStLA (Meldearchiv; TBB); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at).


Anna: * 28.10.1870 Wien, † 10.3.1928 Wien. Sängerin. Nach der Ausbildung bei ihrem Vater begann sie als Sängerin in der Gesellschaft ihrer Eltern. A. Girardi wollte sie angeblich an das Theater an der Wien engagieren, was ihr Vater verhindert haben soll. Seit 16.5.1893 verheiratet mit dem Volkssänger Karl Kassina (* 9.9.1863 Wien, † 1.3.1909 Wien), der Mitglied der Gesellschaft des Vaters war und mit dem sie als sog. Duettistenpaar auch gemeinsam auftrat. Später gründete sie mit ihm eine eigene Gesellschaft, die einige Zeit in Neufellners Orpheum (Lerchenfelder Gürtel, Wien XVI) spielte. Spätestens Anfang 1914 übernahm sie von ihrem Bruder Adolf das Lokal in der Salvatorgasse und führte es als Salvatorkeller. Zuletzt führte sie einen Frisiersalon in Wien IV.


Literatur
J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; Illustrierte Kronen-Ztg. 17.8.1925, 3, 4.2.1927, 12, 12.3.1930, 9; Neues Wr. Journal 9.12.1898, 2; Prager Tagbl. 26.10.1899, 10, 2.5.1900, 13; Neues Wr. Tagbl. 25.2.1914, 15, 5.3.1914, 31; www.genteam.at (5/2017); Geburtsbuch der IKG K 1885–86, RZ 4255.


Rosa: * 20.10.1874 Wien, † 5.7.1959 Wien, Sängerin (Soubrette). Übernahm die Soubrette-Partien in der Gesellschaft der Eltern. Dürfte sich nach ihrer Heirat mit einem Fleischhauer namens Neumann ins Privatleben zurückgezogen haben.


Literatur
J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; Illustrierte Kronen-Ztg. 4.2.1927, 12; Geburtsbuch der IKG Wien K 1885–86, RZ 4256.


Steffi (eig. Stefanie): * 24.8.1880 Wien, † 4.9.1942 KZ Klein Trostinetz bei Minsk/Deutsches Reich (Maly Trostinez/BY). Harmoniumspielerin. Wurde am 31.8.1942 aus dem Haus ihrer Familie in der Scholzgasse 9 (Wien II) nach Maly Trostinez deportiert. Möglicherweise identisch mit einer als Pepi bezeichneten Schwester, die in den 1920er Jahren als Kinomusikerin tätig war.


Literatur
J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; Illustrierte Kronen-Ztg. 4.2.1927, 12; www.doew.at (5/2017); www.genteam.at (5/2017).


Magdalena (Madeleine, später Magda, verh. Seemann): * 17.8.1883 Wien, † 19.9.1929 Wien. Sängerin (Soubrette). Schülerin des Kapellmeisters Max Solling. Begann als Sängerin in der Gesellschaft ihrer Eltern, sang später im Lokal ihres Schwagers K. Kassina und wechselte im Herbst 1903 auf die Operettenbühne, zunächst am Znaimer Stadttheater. Ab 1904 unter dem Namen Magda Schneider-Hirsch Engagement am Breslauer Stadttheater. Später am Theater des Westens in Berlin. Im Herbst 1909 ging sie ans Wiener Ronachertheater von G. Steiner, im Juni 1909 Gastspiel in Baden. 1910 wechselte sie als Soubrette ans Wiener „Max und Moritz“ und sang ab Juni 1911 im Etablissement Gartenbau. Danach am Klagenfurter Stadttheater. Ab Herbst 1912 wieder in Wien, wo sie in verschiedenen Vergnügungsetablissements auftrat, u. a. im Apollo und im Lokal ihres Bruders Alfred.


Literatur
J. Koller, Das Wiener Volkssängertum 1931; Illustrirtes Wr. Extrabl. 23.9.1903, 7, 5.11.1903, 8; Neues Wr. Tagbl. 30.5.1904, 12, 11.9.1909, 11, 8.11.1910, 13, 4.6.1911, 25, 21.1.1912, 11, 6.4.1912, 16, 12.9.1912, 28, 1.10.1912, 19; Znaimer Tagbl. 3.10.1903, 3; Neuigkeits Welt-Bl. 13.11.1903, [12], 10.6.1910, 10; Geburtsbuch der IKG Wien I, J 1883–84, RZ 1341.

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Hirsch, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/07/2020]