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Höllering, Höllering, true Familie
Musiker und Theaterdirektoren

Georg: * 13.4.1871 Oberndorf/Böhmen (Horní Ves bei Třebeň/CZ), † 3.9.1930 Mariánské Lázně/CZ (Marienbad). Fagottist, Funktionär, Theaterdirektor. Sohn eines Schneiders, dessen Handwerk er zunächst erlernte. Daneben Violinunterricht, 1887–91 bei der Militärmusik, wo er weitere Instrumente lernte. Ab 1892 Fagottist in der Kurkapelle Franzensbad (Františkovy Lázně/CZ). 1894 wechselte H. ins Orchester des Stadttheaters von Baden bei Wien, wo er in der Folge sesshaft wurde und 1912 ein eigenes Haus erwerben konnte. 1904–06 war er Obmann der Bezirkskrankenkasse Baden, und 1905 kandidierte er erfolglos für die Deutschnationale Partei im IV. Wahlkörper für die Badener Gemeindevertretung. 1897–1905 erster Obmann des Badener Musikvereins, einem Zweigverein des Oesterreichisch-Ungarischen Musikerverbands, wo H. in den folgenden Jahren ein einflussreicher Funktionär sein sollte (ab 1911 Vizepräsident und Verwaltungsratsvizepräsident sowie Delegierter des Verbandes zum Pensionsinstitut für die Bühnen- und Orchesterangehörigen Oesterreichs). Bereits ab 1901 fungierte er (mit Unterbrechungen) mehrere Jahre als Leiter des Central-Stellenvermittlungsbureaus des genannten Musikerverbandes und war als solcher (mit O. Nedbal, H. M. Wallner) maßgeblich an der 1907 vollzogenen Gründung des Wiener Tonkünstlerorchesters (Wiener Symphoniker) beteiligt, welchem er in der Folge auch als Sekretär vorstand (1918 noch als Beamter bzw. Generalsekretär des Tonkünstlerorchesters bezeichnet). 1903/04 Bibliothekar am Badener Stadttheater, 1905 Inhaber eines eigenen, konzessionierten Theaterannoncenbüros, 1913–17 Direktor des Konzertbüros der GdM und 1917 Ausschussmitglied des Kriegsfürsorgeausschusses der Theater-, Orchester- und Kinounternehmungen. Am 12.10.1918 eröffnete H. dann mit C. Millöckers Bettelstudent (Mitwirkende u. a. K. Pfann, der auch inszenierte, und A. Guttmann; Kapellmeister J. Kátay) das Wiener Komödienhaus im ehemaligen Colosseum (Wien IX), in dem er in der Folge Operetten (u. a. UA von Das Sperrsechserl 1920 und von Der Hampelmann 1923, beide von R. Stolz) und Schauspiel pflegte; gleichzeitig leitete er auch das Volkstheater in Favoriten (Wien X), das Theater im Volksbildungshaus Margareten (Wien V) sowie das Theater in Berndorf/NÖ. Eine Übernahme des Badener Stadttheaters im Jahr 1921 scheiterte an den finanziellen Konditionen. 1920 übernahm H. das Theater in Marienbad von Jul. Laska, behielt jedoch weiterhin die Leitung des Komödienhauses, dem nach Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung das Metropoltheater (Wien II, Prater) sowie das Parisianatheater (Wien II, Venedig in Wien) angeschlossen wurden; Mitdirektoren waren Gustav Müller und Alfred Winter. Ab Sommer 1922 ersetzte Max Hellmann, bis dahin künstlerischer Leiter des Metropoltheaters, die beiden Letztgenannten und fungierte als Mitdirektor sowie künstlerischer Leiter des Komödienhauses. Nach einem Gastspiel in Mährisch Ostrau 1922 pachtete H. ab Herbst des Jahres in der Nachfolge Rudolf Beers (der ans Raimundtheater wechselte) die vereinigten deutschen Bühnen in Brünn, wobei sein Sohn Franz als Regisseur und Leiter des Schauspiels fungierte, während H. selbst die Operette leitete, K. Pfann als Operettenregisseur wirkte und J. Kátay als Opernchef tätig war. 1923 wurde ihm die Leitung des Theaters von Franzensbad auf die Dauer von sechs Jahren übertragen, in Mährisch Ostrau und Olmütz gab er regelmäßig Gastspiele. H. blieb bis 1925 Direktor in Brünn, wo seine Ära aufgrund seines Bankrotts bzw. mit einem Ausgleichsverfahren endete. Auch seine (und M. Hellmanns) Ära am Komödienhaus endete im Herbst 1925, nachdem das Theater bereits im Winter 1924/25 an Ferdinand Exl subverpachtet gewesen war. Danach versuchte H. Ende 1925 erfolglos noch an anderen Wiener Theatern Fuß zu fassen (Modernes Theater [Wien I, Johannesgasse; R. Blum], Robert-Stolz-Bühne [Wien I, Annagasse] und Kammerspiele [Wien I, Rotenturmstraße]). Mehr Erfolg hatte H. in Marienbad, wo er am dortigen Theater zuletzt als Mitdirektor bzw. künstlerischer Berater fungierte. Sein Engagement für das Musiker-Erholungsheim in Baden wurde noch 1952 in Erinnerung gerufen.


Ehrungen
Ehrenmitglied des Badener Musikvereins 1905; kaiserlicher Rat 1918.


Sein Sohn

Franz: * 9.7.1896 Baden bei Wien/NÖ, 11.1.1968 München/D. Regisseur, Theaterdirektor, Journalist. Besuchte die Mittelschule und begann im Herbst 1914 ein Jusstudium an der Univ. Wien; 1915–18 Militärdienstleistung, 1921 Promotion zum Dr. jur. 1920 gründete F. H. mit Gr. Wiesenthal und Karl Etlinger die (kurzlebige) Künstlergruppe Der blaue Bienenkorb. Daneben unterstützte er seinen Vater: 1918–20 war er Dramaturg und Spielleiter am Komödienhaus, 1922/23 mit dem Vater in Brünn, wobei er für Lust- und Schauspiel zuständig war. 1923 wurde er Direktor des nach einem Brand neu errichteten Theaters in Teplitz-Schönau, nach dem Neuen Deutschen Theater in Prag das größte deutsche Theater in der Tschechoslowakei. Nach einer künstlerisch erfolgreichen Zeit (R. Wagner-, R. Strauss-, G. Verdi-Zyklus) übersiedelte H. 1926 nach Berlin, wo er als prononciert linker Journalist hervortrat. 1927 kam er zum Ullstein-Verlag, zunächst zu dessen Bühnenverlag, hatte dann 1929–31 die Chefredaktion der Berliner Zeitung am Mittag inne (Absetzung aus politischen Gründen), war 1932/33 Korrespondent in den USA und übernahm Anfang 1933 für kurze Zeit die Herausgeberschaft von zwei weiteren Printmedien Ullsteins. 1933 Emigration nach Prag und Gründung einer Emigrantenzeitung. Im Juni 1934 reiste H. nach New York/USA und von dort im April 1937 weiter nach Texas. In den USA arbeitete er als Journalist, 1942 wurde er Leiter des German Departement of the New York Office of War Information. Im selben Jahre wurde ihm aus „rassischen Gründen“ der Doktorgrad seitens der Univ. Wien aberkannt, wobei die Details dazu ungeklärt sind. 1953 kehrte er nach Deutschland zurück und trat noch in den Münchener Kammerspielen als Schauspieler auf. 1955 erhielt er den Doktorgrad wieder zurück.

Seine Schwester Anna (1895–1987) wurde Schauspielerin und später Schnittmeisterin beim Film, sein Bruder Georg (1897–1980) war Filmregisseur und Kinodirektor.


Ehrungen
Silberne Tapferkeitsmedaille 1916.
Werke
Übersetzer amerikanischer und frz. Theaterstücke; Filmdrehbücher; Filmkritiken; 2 Romane.
Literatur
LdM 2000; E. Höllering, Georg und Franz H. und die sudetendt.en Bühnen 1998; U. Fischer in Dreigroschenheft 29 (2022), H. 2; F. Trümpi, Musik als Arbeit 2024; K. Wessely, Theater der Identität 2011; J. Berndt, Die Restitution des Ullstein-Verlags (1945–52) 2020, 49f; Badener Ztg. 11.9.1897, 3, 11.5.1904, 4, 13.5.1905, 4, 17.5.1905, 5, 7.3.1906, 5, 2.5.1906, 6, 27.11.1912, 5, 1.7.1916, 2, 12.6.1918, 2, 9.10.1918, 2, 19.3.1921, 3, 6.9.1930, 4, 15.3.1952, 1; Neuigkeits-Welt-Bl. 27.4.1905, [13], 5.9.1930, 6; Marburger Ztg. 14.10.1905, 5; NFP 16.6.1907, 15, 14.4.1909, 12, 21.6.1929, 11; Wr. Ztg. 28.9.1907, Amtsbl., 363, 18.6.1908, 24; Signale f. die musikalische Welt 12.11.1913, 1710; Fremden-Bl. 17.12.1915, 10, 18.2.1917, 12, 31.3.1918, 17, 6.10.1918, 10; Neues Wr. Tagbl. 29.12.1916, 16, 9.1.1917, 7, 20.9.1920, 6, 21.9.1920, 7, 21.1.1921, 6, 9.3.1922, 7, 12.4.1922, 7; Der Humorist 20.4.1918, 3, 12.8.1922, 2, 11.12.1922, 2, 8.3.1923, 3; Dt. Volksbl. 29.5.1918, 7; Neues 8 Uhr-Bl. 13.9.1918, 3, 21.12.1925, 6; Illustrirtes Wr. Extrabl. 26.9.1918, 7, 18.3.1922, 5; Die Zeit 14.10.1918, 4; [Linzer] Tages-Post 10.4.1920, 8; Der Morgen 27.9.1920, 3; Neues Wr. Journal 9.3.1922, 8, 9.1.1925, 5, 21.1.1925, 5, 22.2.1925, 26, 8.6.1926, 10, 4.9.1930, 5, 5.9.1930, 6; Der Montag 20.3.1922, 6, 27.3.1922, 2, 31.7.1922, 2; Deutschösterr. Tages-Ztg. 27.1.1923, 8; Prager Tagbl. 23.6.1923, 2, 22.2.1925, 8, 23.6.1931, 6; Der Tag 24.8.1923, 7; Kikeriki 18.11.1923, 6; Illustrierte Kronen-Ztg. 9.8.1925, 19, 18.11.1925, 12; Die Stunde 5.11.1925, 8, 5.9.1930, 7; Wr. Allgemeine Ztg. 6.11.1925, 6, 5.9.1930, 5; 6-Uhr-Bl. 23.11.1925, 4; Pilsner Tagbl. 9.1.1927, 2; Die Weltbühne 5.1.1932, 1–6; Neues Österreich 20.6.1948, 3f; Taufbuch 1848–79 der Pfarre Třebeň, fol. 35; Taufbuch 1894–96 der Pfarre Baden-St. Stephan, fol. 260; www.de.wikipedia.org/wiki/Franz_Hoellering (6/2024); www.de.wikipedia.org/wiki/George_Hoellering (6/2024); www.de.wikipedia.org/wiki/Anna_Hoellering (6/2024); https://gedenkbuch.univie.ac.at (6/2024); eigene Recherchen (Dt. Bühnen-Jahrbücher; www.familysearch.org [6/2024]).

Autor*innen
Christian Fastl
Fritz Trümpi
Letzte inhaltliche Änderung
5.9.2024
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Fritz Trümpi, Art. „Höllering, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 5.9.2024, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_H/Hoellering_Familie.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


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Höllering, Georg: 120645793
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Höllering, Franz: 116927267
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