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Horenstein, Horenstein, true Jascha (Jakob)
* 1898-05-066.5.1898 Kiew/Russland (heute UA), † 1973-04-022.4.1973 London. Dirigent. H. übersiedelte 1905 mit seinen Eltern und den 15 Geschwistern nach Königsberg (Kaliningrad/RUS) und erhielt seinen ersten Geigenunterricht bei Max Brode. 1911 ging die Familie nach Wien, wo H. bis 1919 von Adolf Busch sowie Karl Berla unterrichtet wurde. Daneben studierte er ab 1915 an der MAkad. Musiktheorie bei J. Marx, Pauke bei H. Schnellar und Komposition bei F. Schreker. An der Univ. Wien studierte er 1919 ein Semester Philosophie, folgte dann F. Schreker 1920 an die HSch. für Musik nach Berlin und besuchte dessen Kompositionsklasse. Erst um 1919 begann H. zu dirigieren und 1922 erfolgte sein Debüt in Wien, bei dem er u. a. G. Mahlers 1. Sinfonie aufführte. In Berlin wurde er Assistent von W. Furtwängler und dirigierte wiederholt die Berliner Philharmoniker (1925–28), daneben leitete er diverse Chöre. 1929 wurde H. erst Kapellmeister, dann Musikdirektor der Oper in Düsseldorf/D, wo er auch zahlreiche zeitgenössische Opern aufführte, darunter Werke von E. Krenek, K. Weill, H. Pfitzner oder Manfred Gurlitts Die Soldaten (UA). Er setzte sich besonders stark für A. Bergs Wozzeck ein, den er 1930 in Bergs Anwesenheit aufführte und dessen Pariser EA er 1950 leitete. Nebenbei komponierte H. verschiedene Werke, die häufig im Rahmen von IGNM-Veranstaltungen aufgeführt wurden, jedoch nur wenig Erfolg hatten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 musste H. Düsseldorf verlassen und ging nach Paris, nahm aber weiterhin weltweit Engagements an. Anfang 1939 emigrierte er nach New York/USA (Exil) und lehrte hier ab 1940 an der New School for Social Research. Er dirigierte hier diverse Orchester (u. a. das New York Philharmonic Orchestra) und leitete zahlreiche amerikanische EA.en, u. a. von F. Busoni und L. Janáček. Ab 1947 lebte H. in England und trat wieder in ganz Europa auf, ab den 1950er Jahren auch in Deutschland. Als Dirigent des London Symphony Orchestra erlebte er große Erfolge, vor allem mit Aufführungen der Werke A. Bruckners und G. Mahlers. In Wien konzertierte er wieder verstärkt in den 1960er Jahren, vor allem im Musikverein mit den Wiener Symphonikern. In den letzten Lebensjahren lebte er in Lausanne/CH. Seine Schwester Augustine H. war mit L. Sirota verheiratet.
Ehrungen
Deutscher Kritikerpreis 1958.
Werke
Wenige Kammermusikkompositionen (großteils verschollen); zahlreiche Schallplattenaufnahmen ab den späten 1920er Jahren, u. a. von G. Mahler, A. Bruckner, J. Brahms. Vollständige Diskographie bei D. Barker, The Horenstein Legacy 1995.
Literatur
MGG 9 (2003); NGroveD 11 (2001); Encyclopaedia Judaica 9 (2007); NZfM 89 (1922), 239; Arbeiter Ztg. 9.10.1926, 9; Neues Wr. Journal 27.2.1927, 29, 29.7.1931, 5; Wiener Morgenztg. 10.3.1927, 4; https://holocaustmusic.ort.org (8/2021); www.demos.ac.at (8/2021); https://de.wikipedia.org (8/2021); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Horenstein, Jascha (Jakob)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 8.10.2021]