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Jörger von Tollet, Jörger von Tollet, true Familie
Oberösterreichische Adelsfamilie, ab dem 13. Jh. nachweisbar, 1577 in den Freiherrenstand, 1657 in den Grafenstand erhoben, 1772 erloschen; Stammsitz in St. Georgen und Tollet (Bezirk Grieskirchen/OÖ). Die J. zählten in der Frühneuzeit zu den bedeutendsten Familien des Landes und Anführern der Reformation in den österreichischen Ländern; ihre Besitzungen in Oberösterreich bzw. 1587–1620 in Hernals (heute Wien XVII) waren evangelische Zentren. Helmhard II. Freiherrr von J. (* 17.2.1572 Schloss Starhemberg/OÖ, † 1.1.1631 Linz) zählte zu den führenden Persönlichkeiten der Reformation und förderte mit seinem großen Vermögen die Errichtung von Schulen, protestantische Prediger und Kirchen; in seinen Diensten befand sich um 1609 der Musiker und Komponist J. Thesselius. H. II. J. war wissenschaftlich sehr interessiert und versuchte J. Kepler für die Linzer Landschaftsschule zu gewinnen. Da in deutlicher Opposition zu Kaiser Ferdinand II., wurde er 1622 verhaftet, zum Tod verurteilt (später begnadigt), seine Güter wurden konfisziert (letztere an die Kirche verteilt – Hernals z. B. an das Wiener Domkapitel). Ab ca. 1620 verschlechterte sich im Zuge der katholischen Erneuerung (Gegenreformation) die Situation der J., doch konvertierten einige zum katholischen Glauben und konnten im 17. und 18. Jh. beträchtliche Hofkarrieren machen. Hervorzuheben ist Johann Quintin J. (* 1624 [Ort ?], † 17.2.1705 Wien), der 1650 Kämmerer, 1681 wirklicher geheimer Rat, 1687 Statthalter von Österreich unter der Enns und 1688 Vließ-Ritter wurde. J. Q. zählte als Günstling Kaiser Leopolds I. zu den wichtigsten Personen der Hofpartei und soll (nach Wurzbach) 8 Bände an Memoiren hinterlassen haben, die in der ÖNB aufbewahrt würden (im Katalog der Handschriftensammlung jedoch nicht verzeichnet).
Literatur
ÖL 1995; NDB 10 (1974); MGÖ 1 (1995); Czeike 3 (1994); Wurzbach 10 (1863).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Jörger von Tollet, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]