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Käßmayer Käßmayer Georg: (Keßmayer, Keeßmayr), Familie
Johann Georg: * 1773-09-022.9.1773 Neustift (Wien VII), † 1840-02-055.2.1840 Neubau (Wien VII). Posaunist. Sohn des Schuhmachers Johann K., war zunächst (ca. 1795/96) als Schneider tätig. Spätestens ab 1814 war er Posaunist an den beiden Hoftheatern. Nach dem Tod der ersten Frau (Heirat vor 1795), Theresia Hensch (* ca. 1766 [Ort?], † 20.6.1814 Spittelberg [Wien VII]; ihre Schwester Eleonora war ab 1780 mit dem Musiker Jakob Moser [* 1.7.1740 Gnadendorf/NÖ, † 18.5.1810 St. Spittelberg] verheiratet, dessen Beerdigungskosten K. zahlte), heiratete er 1815 in zweiter Ehe Elisabeth Stachl (* 9.2.1794 Dornbach/NÖ [Wien XVII], † 16.2.1841 Windmühle [Wien VI]); Trauzeugen waren hierbei F. Koberwein und der Dornbacher Schullehrer Joseph Pfrimmer. 1831 wird G. K. als k. k. Hofmusikus genannt, er stirbt als pensioniertes Orchestermitglied des k. k. Hofoperntheaters. Mit Fl. Placho muss er in freundschaftlichem Kontakt gestanden sein.

Sein Bruder

Franz Seraph: 27.8.1779 Neustift, † 19.9.1832 Neubau. Musiker. Wohnhaft in St. Ulrich (Wien VII), heiratete er 1814 die Spitzenklöpplerin Anna Gubinger (* ca. 1792 [Ort?], † 30.1.1850 Wien).

Georgs Sohn

Moritz: * 20.3.1831 Mariahilf (Wien VI), † 9.11.1884 Wien. Violinist, Dirigent, Komponist. Studierte am Konservatorium der GdM Violine (1843/44 bei G. Hellmesberger d. Ä., ab 1844 bei Jos. Böhm) und ab 1845 Kontrapunkt sowie Kompositionslehre bei G. v. Preyer; Studienabschluss vermutlich 1848, möglicherweise auch Schüler S. Sechters. 1850 folgte er F. Laub als Soloviolinist im Orchester des Theaters an der Wien nach, 1856 wurde er Mitglied der Wiener Philharmoniker (1877–84 Komitee-Mitglied). Ab 1859 ist K. im Wiener Konzertleben als Kammermusiker greifbar (jedenfalls mit J. Hellmesberger d. Ä., laut Nachrufen soll er auch mit L. Jansa, J. Joachim, F. Laub und O. Bull gespielt haben), bereits sechs Jahre zuvor erschien bei Glöggl ein Johann Baptist Teichmann gewidmetes Streichquartett in G-Dur. Ab 1861 Exspektant und ab 1873 Mitglied der Hofmusikkapelle, wirkte 1870–84 in der Nachfolge von M. Strebinger neben A. F. Doppler als (2.) Ballettmusik-Dirigent an der Wiener Hofoper (Nachfolger: J. Hellmesberger d. J.). 1871–73 unterrichtete K. am Neuen Musik-Institut, Ru. Wagner war sein (Privat?-)Schüler. 1877 bewarb er sich erfolglos um die Stelle des Vizehofkapellmeisters, die H. Richter bekam. An seinen Begräbnisfeierlichkeiten nahmen viele Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens teil. K.s Stärke lag im Musikalisch-Humoristischen, das von seinen Zeitgenossen geschätzt wurde. Sein einziges musikdramatisches Werk, die komische Oper Das Landhaus in Meudon, wurde zwar bereits 1866 von M. Salvi für eine Aufführung an der Hofoper angenommen, die Wiener EA erfolgte jedoch erst fast zwei Jahre nach der UA in Prag (1867) und war die letzte Premiere in der alten Hofoper (Kärntnertortheater). 1867 wollte F. Strampfer die Oper am Theater an der Wien zur Wiener EA bringen.


Gedenkstätten
Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof.
Ehrungen
Goldene Medaille f. Kunst und Wissenschaft.
Werke
Oper Das Landhaus in Meudon (T: S. H. v. Mosenthal; UA 24.4.1867 Prag, Landestheater; Wiener EA 18.2.1869, Hofoper), 2 Messen in B-Dur, kleinere Kirchenmusik, Symphonie in c-Moll, Konzertouvertüre, Nocturne f. großes Orch., Drei Stücke f. Orch., Suite f. Streichorch., 3 Streichquartette, Bearbeitungen („humoristisch und contrapunktisch“) von Volksliedern f. Streichquartett oder für Kl. zu vier Händen, Balletteinlagen, mehrstimmige Gesänge (humoristische Männerquartette [u. a. Der Freischütz, Sinfonie in F-moll f. komisches Quartett und Kl.], aufgeführt u. a. vom Udel-Quartett), Lieder, Klavierstücke.
Literatur
MGG 7 (1958); ÖBL 3 (1965); F. Pfleger, Moritz Käßmayer [1934]; Ch. Merlin, Die Wr. Philharmoniker 2 (2017); Th. Antonicek in StMw 29 (1978); C. F. Pohl, Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium 1871, 144; W. Beetz, Das Wr. Opernhaus 1949, 114; [Fs.] Wr. Philharmoniker 1842–1942, 1942, 117; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810 bis 1836. Das Kärntnertortheater als Hofoper 2007; M. Jahn, Die Wr. Hofoper v. 1848 bis 1870, 2002; R. Steurer, Das Repertoire der Wr. Hofmusikkapelle im 19. Jh. 1998, 655; Stieger II/2 (1977); Wr. Ztg. 24.9.1832, 881, 10.2.1840, 264, 20.2.1841, 385, 13.4.1841, 449, 20.2.1850, 549, 2.2.1859, 496f, 10.11.1884, 2; Neue Wr. Musik-Ztg. 21.4.1853, 66; Fremden-Bl. 13.12.1859, 7, 3.7.1867, 5, 14.2.1869, 4, 18.2.1869, 8; Der Zwischen-Akt 28.11.1866, 3; Prager Abendbl. 20.4.1867, 2, 24.4.1867, 4; Neues Fremden-Bl. 28.4.1867, 18, 15.10.1867, 6; Die Debatte 1.5.1867, 2, 19.2.1869, 5; Bll. f. Musik, Theater und Kunst 10.5.1867, 150; Die Gartenlaube f. Österreich 12.8.1867, 14; Morgen-Post 15.9.1867, 3, 18.10.1867, 3, 10.11.1884, 2; NFP 4.11.1868, 11, 10.11.1884, 2f; AmZ 12.7.1871, 444; Die Presse 10.11.1884, 2f, 12.11.1884, 9; Neues Wr. Tagbl. 10.11.1884, 2, 12.11.1884, 3; Wr. Allgemeine Ztg. 10.11.1884, 2, 12.11.1884, 4; Tauf-, Trauungs- und Sterbebuch der Pfarre Gnadendorf 1723–93, Taufen, pag. 58; Taufbuch 1770–73 der Pfarre St. Ulrich (Wien VII), fol. 394v, 1777–82, fol. 216v, 1792–99, fol. 244, 323; Trauungsbuch 1776–80 der Pfarre St. Ulrich, fol. 389v, 1814–18, fol. 32; Taufbuch 1827–32 der Pfarre Mariahilf (Wien VI), fol. 311; Sterbebuch 1807–13 der Pfarre St. Ulrich, fol. 264, 1814–20, fol. 32, 1832–33, RZ 547, 1840–41, RZ 54; Taufbuch 1784–1823 der Pfarre Dornbach (Wien XVII), fol. 32; Trauungsbuch 1784–1843 der Pfarre Dornbach, fol. 46; Sterbebuch 1840–46 der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 45; Sterbebuch 1878–87 der Pfarre St. Karl (Wien IV), fol. 159; WStLA (V 4731/1810, 825/1814, 5279/1837; TBP 1850; G. Gugitz, Auszüge aus dem TBP 18. Jh. [Archivbehelf]); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM 1843–47; Kataloge der ÖNB und der WStLB).

Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
18.2.2021
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Käßmayer (Keßmayer, Keeßmayr), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 18.2.2021, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003c3a43
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x003c3a43
GND
Käßmayer Moritz: 130205591
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