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Kaiser, Musikschule
Private Musiklehranstalt in Wien. 1874 gegründet durch den ehemaligen Offizier, Musikpädagogen und Musikschriftsteller Karl K. (* 12.3.1837 Tacha/Böhmen [Tachov/CZ], † 30.11.1890 Wien; nicht zu verwechseln mit Karl [Dragutin] K.) in der Zieglergasse 29 (Wien VII). Sie zählte neben den MSch.n E. Horak und Lutwak-Patonay zu den führenden privaten Lehranstalten Wiens, wobei zunächst v. a. Kenntnisse vermittelt wurden, wie sie das bürgerliche Musikleben verlangte. 1881 wurde bereits Klavier, Violine, Harmonielehre, Musiktheorie sowie Italienisch unterrichtet, 1882 ein Lehrerbildungskurs (mit den Fächern Pädagogik, Didaktik etc.) eingeführt, 1883 kamen Cello, Chorgesang sowie allgemeine Literaturgeschichte hinzu. Ab 1885 konnte man eine Berufsausbildung absolvieren, seit 1889 bestand hier auch ein Pensionat für auswärtige Schüler. Ab Herbst 1887 leitete Karl K.s Sohn Rudolf (* 6.9.1867 Lemberg/Galizien [L’viv/UA], † 21.10.1914 Wien) die neue Zweigstelle in der Piaristengasse 40 (Wien VIII). Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Gesamtleitung. Der Lehrplan wurde unter seiner Leitung auf sämtliche Streich- und Blasinstrumente erweitert, Chor-, Solo- und Operngesang wurde ab Herbst 1892 ebenso unterrichtet wie Musiktheorie und -geschichte. Darüber hinaus wurden ab Herbst 1893 auch Vorbereitungskurse für die Staatsprüfung angeboten, ab Herbst 1897 wurde auch Orgelunterricht erteilt. Als bahnbrechend erwies sich die Einführung des sog. „Kapellmeisterkurses“ im Herbst 1898. Die Standorte der Zweigstelle wechselten (Feldgasse 1, Florianigasse 52, Skodagasse 9, zuletzt Skodagasse 24 [alle Wien VIII]), ab Herbst 1893 kam eine weitere Filiale in Wien I, Kärntnerstraße 19 (später Weihburggasse 14 bzw. Landstraßer Hauptstraße 25 [Wien III]) hinzu. 1912 verlegte man den Hauptstandort in die Halbgasse 9 (Wien VII). Die jährlichen Schülerzahlen betrugen ab etwa 1890 rund 350, unterrichtet von über 20 Lehrkräften. Nach dem Tod Rudolf K.s übernahm sein Bruder Ludwig (* 5.12.1876 Wien, † 20.2.1932 Wien), der sich einen Namen als Kapellmeister gemacht und seine musikalische Ausbildung selbst an der MSch. K. erhalten hatte, im November 1914 deren Leitung. An der MSch. sowohl finanziell als auch als Lehrkräfte beteiligt waren seine Geschwister Wilhelm (* 9.1.1882 Wien, † 1.4.1928 Wien, Musiktheorie), Guta (Auguste) Küttner-K. (* 11.8.1871 Wien, † 17.2.1926 Wien, Gesang), Marie Rautenkranz-K. (* 21.5.1869 Lemberg, begr. 18.6.1953 Wien, Klavier) sowie seine Schwägerin und spätere Frau Marianne K., geb. Thürler (* 4.3.1889 Innsbruck, begr. 19.5.1976 Wien, Klavier). Weitere Lehrkräfte waren u. a. V. Boschetti, M. Dietz, Ferd. Hellmesberger, K. Pruckner, M. Kupfer-Berger, A. Materna, G. Peters, F. v. Weingartner, H. v. Zois. 1921–1928 wurde die Schule im Rahmen einer GmbH (Geschäftsführer: Ludwig und Wilhelm K. und deren Schwager Heinrich Küttner) geführt. Die MSch. K. dürfte bis etwa 1933/34 bestanden haben, danach unterrichtete M. Rautenkranz-K. noch bis 1938 am Standort Halbgasse 9.
Literatur
Kosel 1902; Czeike 3 (1994) [K., Ludwig]; H. Wagner in Musikpädagogische Zeitschrift 11–12/4 (1914); R. Krenn in Sirius-Mappe 4/3/58 [1932]; Organisations-Statut der […] Privat-Musikschulen Kaiser in Wien 1893; MGÖ 3 (1995); Wr. Vorstadt-Presse 24.9.1881, 3; Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 23.9.1883, [8]; Neuigkeits-Welt-Bl. 10.7.1885, [8], 15.9.1889, [7], 26.2.1932, 5; Wr. Ztg. 10.9.1887, 11, 24.9.1921, 850; Neues Wr. Journal 1.11.1912, 18; NFP 17.9.1885, 12; Dt. Volksbl. 3.9.1893, 13; Fremden-Bl. 7.11.1914, 28; Taufbuch der Pfarre Doksy/CZ 1800–45, pag. 475 [Karl K.]; Sterbebuch der Pfarre Wien-Schottenfeld (Wien VII) 1890, fol. 66 [Karl K.]; Trauungsbuch der Pfarre Schottenfeld 1899, fol. 63 [Maria K.] u. 1912, fol. 107 [Rudolf K.]; www.friedhoefewien.at (8/2018); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Lehmann’s Adresskalender).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Kaiser, Musikschule‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 20/11/2018]