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Karlweis Karlweis true (Karlweiß, geb. Weiß), Oskar (Oscar) Karl Leopold
* 1894-06-1010.6.1894 Hinterbrühl/NÖ, † 1956-01-2424.1.1956 New York/USA (begr. Friedhof Matzleinsdorf, Wien V). Schauspieler, Sänger. Sohn des aus dem Judentum ausgetretenen und zum evangelischen Glauben konvertierten Beamten und Autors Carl K. (eig. Karl Weiß, * 23.11.1850 Wien, † 27.10.1901 Wien). Seine Schwester war die Schriftstellerin Martha (Marta) Barbara K. (gesch. Stross, verh. Wassermann, * 27.4.1889 Wien, † 2.11.1965 Muzzano/CH). K. wuchs in Wien auf und besuchte das Theresianum. Ein kolportieres Jusstudium an der Univ. Wien ist nicht belegbar. Er erhielt Schauspielunterricht bei Alfred Schreiber und war ab 1913 in der „Literarischen Amateurbühne“ aktiv. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Leutnant der Reserve beim Landwehr-Feldhaubeitzenregiment Nr. 13 startete K. im Herbst 1919 eine Karriere als Schauspieler am Wiener Stadttheater unter J. Jarno. Hier debütierte er am 4.10.1919 in Artur Schnitzlers Schauspiel Freiwild. 1920–23 ging K. nach München, wo er zwei Jahre am Volks- und danach am Staatstheater engagiert war. Ab Herbst 1923 war er wieder in Wien tätig. An verschiedenen Bühnen trat er nicht nur in Sprechstücken v. a. als junger Liebhaber auf, sondern übernahm in Operetten und Revuen auch Gesangsrollen und spielte im Kabarett. Im Herbst 1927 ging K. nach Berlin und reüssierte in mehreren Operetten, u. a. 1929 unter M. Reinhardt in J. Strauß’ Die Fledermaus als erster männlicher Darsteller des Prinzen Orlofsky (eigentlich eine Hosenrolle) sowie bei der UA von R. Benatzkys Meine Schwester und ich 1930. 1927–30 außerdem zahlreiche Schallplattenaufnahmen für Electrola, Grammophon, Ultraphon und Kristall. Nachdem K. bereits in zwei Stummfilmen kleine Rollen übernommen hatte (1926 Filmdebüt in Die Försterchristl), betätigte er sich ab 1930 äußerst erfolgreich als (Ton-)Filmschauspieler. Daneben auch Gastspiele in Wien, wohin er 1933 wieder zurückkehrte. K. drehte weitere zwei Filme und spielte an mehreren Wiener Theatern. 1932/33 und 1936–38 entstanden in Wien für Columbia einige Aufnahmen mit Schlagern sowie Titeln, die er bereits auf der Bühne bzw. im Film interpretiert hatte. 1938 emigrierte (Exil) er mit K. Farkas über die Schweiz und die Tschechoslowakei nach Paris, wo die beiden auch gemeinsam auftraten. 1940 floh er gemeinsam mit Friedrich Torberg über Spanien und Portugal in die USA, ab 19.10.1940 lebte er in New York City, Hier trat hier zunächst mit H. Leopoldi, K. Farkas und P. Hörbiger in deutschsprachigen Vorstellungen für Emigranten auf, später spielte er erfolgreich auch in englischer Sprache am Broadway. Ab 1948 für Gastspiele in Wien und Graz wieder in Österreich, 1950 Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen in F. Raimunds Der Verschwender. K. übernahm darüber hinaus Rollen in US-amerikanischen TV-Serien und einigen Spielfilmen und übersetzte englische sowie französische Theaterstücke.
Ehrungen
Kriegsauszeichnungen 1917.
Werke
zahlreiche Schallplatten, u. a. auf Columbia: Nadine und Das Lied von der Familie aus E. Straus’ Ein entzückender Mensch (1932), Signorina, ich liebe dich und Wenn ich mal eine Dummheit mach’ aus dem Film Hochzeitsreise zu Dritt (1932/33); gem. m. dem Orchester H. Sandauer: Oho! Schon wieder und Abgeseh’n davon (1936); Warum schlägt heut’ rascher mein Herz und Es kommt im Leben häufig vor aus H. Langs Die Hofloge (1936); Oder nicht?, Auf dem Dach vom Autobus, Am Abend im Kaffee und Verzeih, daß ich dich lieb’ aus M. Krasznay-Krausz’ Verzeih, daß ich dich liebe (1937); Anno dazumal, Mademoiselle und Individualitäten aus R. Benatzkys Pariserinnen (1937); gem. m. dem Orchester des Theaters an der Wien unter A. Paulik: Ein bißchen Liebe gegebenenfalls und Majestät privat aus R. Benatzkys Majestät privat (1937); gem. m. P. Hörbiger: Auf der Lahmgrub’n und auf der Wieden auf RCA.
Literatur
M. Weihermüller, Discographie der Dt. Kleinkunst 1 (1991); J. Ch. Trilse-Finkelstein/K. Hammer, Lex. Theater International 1995; Kosch 2 (1960); H. A. Frenzel/H. J. Moser (Hg.), Kürschners biographisches Theater-Hb. 1956; Glenzdorfs internationales Film-Lex. 2 (1961); Dt. Bühnen-Jb. 65 (1957); Ackerl-Weissensteiner 1992; ÖL 1995; Orpheus im Exil 1995; Czeike 3 (1994); Who’s Who in Austria 1954; Paul Emödi (Hg.), „Wer ist wer“. Lex. österreichischer Zeitgenossen 1937; H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex. 1983; Ulrich 1997; Der neue Tag 4.4.1919, 8; Neues Wr. Tagbl. 12.2.1913, 20, 5.4.1919, 12; Die Stunde 7.11.1923, 6, 5.12.1925, 8, 17.7.1926, 7; NFP 17.5.1922, 10; Wr. Ztg. 22.11.1917, 2; Die Bühne 6.11.1924, 7f; Taufbuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1889, RZ 187 www.wikipedia.org (10/2012); www.familysearch.org; Geburtenbuchduplikat der evangelischen Kirche Mödling 1894, RZ 38; eigene Recherchen (u. a. www.anno.onb.ac.at; Archiv Univ. Wien, Nationale der Studierenden der Juridischen Fakultät; Tagblattarchiv Wienbibliothek).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
14.3.2024
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Karlweis (Karlweiß, geb. Weiß), Oskar (Oscar) Karl Leopold“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 14.3.2024, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x002d3def
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Die Stunde 7.11.1923, 6© ANNO/ÖNB
Karlweis mit seiner damaligen Verlobten Fernande Mumb, 9.10.1930© Bildarchiv Austria, ÖNB
Tonfilm Theater Tanz 6/1 (1938), 5

DOI
10.1553/0x002d3def
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