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Kotek, Kotek, true Georg
* 1889-03-044.3.1889 Wien, † 1977-11-022.11.1977 Purkersdorf/NÖ. Jurist, Volksliedpfleger und Sammler. Seit früher Kindheit Sommerfrische der Familie in Tragöß/St, wo er Bräuche, Tänze (Volkstanz) und überlieferte Musik kennenlernte und erste Aufzeichnungen anfertigte. Er studierte ab 1907 Rechts- und Staatswissenschaften an der Univ. Wien (Promotion 1918). 1916–46 Jurist und Abteilungsleiter in den Städtischen Elektrizitätswerken der Gemeinde Wien. 1912/13 Militärdienst in der k. u. k. Armee. Als Oberleutnant der Reserve 1917 im Auftrag der Musikhistorischen Zentrale Berufung ins k. u. k. Kriegspressequartier zur Sammlung von Soldatenliedern u. a. Ab 1907 Mitglied des Akademischen Gesangvereines, ab 1909 im Wiener MGV und im Deutschen Volksgesangverein in Wien (dort 1924–77 Vorstand). Unter seiner Leitung wirkte der Volksgesangverein u. a. bei wichtigen Ereignissen mit (10. Deutsches Sängerbundfest in Wien 1928). 1924–49 Mitherausgeber von dessen Zeitschrift Das deutsche Volkslied. Große Bekanntheit erlangte K. über das neue Medium Radio als Gestalter, Sänger und Sprecher bei RAVAG-Volksliederabenden (ab November 1924) und 1934–38 (gem. mit A. Reischek) als Organisator von 14 „bäuerlichen“ RAVAG-Volksliedersingen. Die rund 270 Tonaufnahmen dieser ländlichen Singwettbewerbe wurden 2014 zum Unesco-Dokumentenerbe „Memory of the World“ erhoben. Beratende Tätigkeiten und (Ehren-)Mitgliedschaften in vielen Sängerbünden/Gesangsvereinen (z. B. ab 1925 Leitungsmitglied des Niederösterreichischen/Ostmärkischen Sängerbundes), in volkskundlichen Vereinen (z. B. Verein für Volkskunde Wien) und volksbildnerischen Institutionen wie der Wiener Urania. Leidenschaftlicher Sammler von Volksmusikinstrumenten, Volkskunst, Büchern, Handschriften und Flugblättern. 1924 wurde er zum Hauptausschussmitglied und zum Schatzmeister des Hauptausschusses des Österreichischen Volksliedunternehmens bestellt und war für die folgende pflegende Ausrichtung mitverantwortlich. 1951 wurde er vom Bundesministerium für Unterricht wieder in den Hauptausschuss des jetzigen Österreichischen Volksliedwerkes bestellt. K. passte sich stets der aktuellen politischen Lage und den damit verbundenen Karriereaussichten an: familiär geprägter Deutschnationaler, 1919–34 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), 1934 unterstützendes Mitglied der Wiener Heimwehr, 1938 suchte er um die NSDAP-Mitgliedschaft an, die ihm 1944 erteilt wurde. Obwohl im engeren Sinne nicht wissenschaftlich tätig, erlangte er internationalen Stellenwert als Volksmusikforscher und -experte. Ab seinem 70. Geburtstag erhielt er zahlreiche Ehrungen, so thematisierte die Wiener Festwochen-Ausstellung 1973 „G. K. und sein Wirken“. Seine musikalischen Hauptaugenmerke galten dem Jodler und dem Volkslied. Sein Wirken prägte das öffentliche Bild vom „echten traditionellen Volksgesang“.
Gedenkstätten
Gedenktafel am Wohnhaus in der Kirchengasse 41 (Wien VII) 1981; Dr. K.-Steig (Hochschwab/St) 1959; K.weg (Wien XIX) 1982.
Ehrungen
Prof.-Titel 1935; W. v. d. Vogelweide-Medaille des Österreichischen Sängerbundes 1954; Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien 1959; Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1959; Großes Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich 1963; Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1964; Ehrenplakette ORF 1965; Raimund Zoder-Medaille 1966; Michael-Haberlandt-Medaille 1974; Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 1975.
Schriften
Jodler und Jodlerlied in den österr. Bergen in Allgemeiner Dt. Sängerschaftskalender 1927; Der mehrstimmige Jodler in Niederösterreich in Der neue Pflug 2/2 (1927); Rundfunk und Volkslied in Das dt. Volkslied 30 (1928); 20 Jodler aus Österreich 1935; Österreichische Volkslieder auf Schallplatten in Schriften für den Volksbildner 31 (1936); Die Volksliedersingen der Ravag im Wiener Rundfunk in Das dt. Volkslied 40 (1938); 50 Jahre Deutscher Volksgesang=Verein in Wien in Das dt. Volkslied 42 (1940); Volkslieder und Jodler um Schneeberg und Semmering 1943; gem. m. F. Muck, Unsere Spielmusik: Echte Volks-Spielweisen und -Tänze 1–4, 1943; Volkslied und Volksmusik in der Wr. Urania in 50 Jahre Wiener Urania 1947; gem. m. R. Zoder, Ein österr. Volksliederbuch (Stimme der Heimat – Im Heimgarten – Stille Stunden) 1948–1950; Volkslied und Volksmusik. Wesen und Begriff des Volksliedes in A. Mais, Österr. Volkskunde für jedermann 1952; Eine lebendige Volksliedlandschaft in Niederösterreich: Das Schneeberggebiet in JbÖVw 2 (1953); Volkslieder aus dem Waldviertel in JbÖVw 3 (1954); Das Bäuerliche Volksliedsingen der Ravag in Payerbach 1935 in JbÖVw 6 (1957); Volkslieder und Jodler von Schulkindern in Rosegger's Waldschule in Alpl in Steiermark gesungen 1959; Über die Jodler und Juchezer in den österr. Alpen in Jb. des Österr. Alpenvereins 1960; Der Wr. Dudler als eigenständige Form des Jodlers in JbÖVw 21 (1972).
Literatur
JbÖVw 3 (1954), 158; K. M. Klier in JbÖVw 9 (1960); JbÖVw 14 (1965), 160; F. Schunko in JbÖVw 22 (1973); JbÖVw 23 (1974), 70; L. Schmidt in JbÖVw 27 (1978); L. Schmidt in JbÖVw 30 (1981); O. Rathkolb in O. Rathkolb et al., Forschungsprojektendbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ 2013 (https://wien.gv.at/); Riemann 1972; Czeike 3 (1994); ÖL 1995; F-A 1 (1974); Slg. Moißl; H. Jeglitsch in Der fröhliche Kreis 57/4 (2007); Vorlass des Volksgesangvereins Wien, ÖN 13, AÖV/ÖNB; Nachlass ÖN 14, Ko, DOK im AÖV/ÖNB.

Autor(en)
Erna Ströbitzer
Empfohlene Zitierweise
Erna Ströbitzer, Art. „Kotek, Georg‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/11/2019]


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