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Kreisler, Kreisler, Fritz Brüder
Fritz (eig. Friedrich Max): * 1875-02-022.2.1875 Wien, † 1962-01-2929.1.1962 New York/USA. Geiger und Komponist. Als Wunderkind auf der Geige ab dem Alter von vier Jahren zuerst von seinem Vater, dem Arzt Samuel K. (* 10.9.1845 Ternopil, † 19.8.1921 Kaltenleutgeben/NÖ [begr. Wien]), dann vom Konzertmeister des Wiener Ring-Theaters, J. Auber, unterrichtet. Bereits im Alter von sieben Jahren wurde er Schüler am Konservatorium der GdM (bei J. Hellmesberger d. J. [Hauptfach Violine] und R. Fuchs [Nebenfach Harmonielehre], Abschluss mit Diplom 1885). Seinen ersten Auftritt bei den Konzerten des Konservatoriums hatte er 1884. 1885–87 studierte er in Paris bei Joseph L. Massart (Violine) und Léo Delibes (Komposition). Seit seinem 12. Lebensjahr konzertierte K. und erlangte durch den „Wienerischen“ Ausdruck seines Spiels bald weltweite Berühmtheit. Schon mit 13 Jahren unternahm er mit M. Rosenthal eine Tournee in die USA (1889/90). Ein immer wieder kolportiertes Medizin- und/oder Kunstgeschichtestudium an der Univ. Wien, für das er seine Karriere als Geiger unterbrochen hätte, ist nicht nachweisbar. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde er 1896 vom Hofopernorchester abgelehnt, sodass er seine solistische Karriere u. a. in Wien mit den Wiener Philharmonikern (1898) und den Tonkünstlern (1909), mit den Berliner Philharmonikern (1899 und 1906), 1901–03 in Amerika und London (1902) weiter verfolgte. Dort brachte er 1910 Edward Elgars für ihn komponiertes Violinkonzert erfolgreich zur UA. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde K. im September 1914 an der Front in Russland verwundet, war deshalb untauglich, und ließ sich in New York nieder, wo er bis zum Eintritt Amerikas in den Krieg seine Karriere als Virtuose fortsetzte. Während des Kriegs und auch noch danach sendete er mehrmals Geldspenden für hilfsbedürftige Musiker nach Wien. 1915–25 lebte er in den USA, kehrte aber während seiner Europa-Aufenthalte immer wieder nach Wien zurück. Hier unterstützte er nach Kriegsende gemeinsam mit seiner Frau Harriet (gesch. Lies, * 6.10.1869 New York, † 29.5.1963 New York), die er 1902 in New York geheiratet hatte, Hilfsbedürftige großzügig finanziell. Seine Frau stiftete mit ihrer New Yorker Vienna Childrens Milk Relief ein Kinderheim, das im November 1920 in Grinzing (Wien XVII) eröffnet wurde. 1923 ließ sich das Ehepaar in Berlin nieder und K. unternahm von hier aus weltweite Konzerttourneen. Am 23.12.1932 fand am Theater an der Wien die UA seiner Operette Sissy mit Paula Wessely in der Titelrolle statt. K. wohnte ab Mitte Dezember den Proben sowie der UA bei. Am 27.4.1937 gab K. sein letztes Konzert in Wien im Großen Musikvereinssaal mit den Wiener Philharmonikern. 1938 wurde er französischer Staatsbürger, 1939 kehrte er nach New York zurück und erhielt im Mai 1943 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Am 6.3.1950 beendete er seine Karriere mit einem Rundfunkauftritt. K.s Kompositionen sind durchwegs romantisch, auch seine Bearbeitungen angeblich alter Meister, die jedoch ebenfalls Eigenkompositionen sind (was er erst 1935 zum Ärger einiger Kritiker zugab).
Gedenkstätten
Gedenktafel am Geburtshaus Große Schiffgasse 21 (Wien II); F. K.-Stiftung an der Wr. MAkad. 1929; Internationaler F. K. Wettbewerb für V. in Wien (seit 1979).
Ehrungen
1. Preis beim Concurs für Streich-, Blasinstrumente und Composition des Konservatoriums der GdM 1885; 1. Preis des Pariser Konservatoriums 1887; Goldmedaille der britischen Royal Philharmonic Society 1904; Prof.-Titel 1921; Ehrenbürger der Stadt New York 1925; Ehrenzeichen erster Klasse des deutschen Roten Kreuzes 1925 (gem. m. seiner Frau); Ehrendoktorat der Univ. Glasgow/GB 1929; Ehrenring der Stadt Wien 1935; Ehrenmitglied der MAkad. Wien 1953; Widmungsträger von E. Elgars Violinkonzert in h-Moll; Widmungsträger von F. Drdlas Duo concertante op. 200 f. V., Vc. und Kl.
Schriften
Four Weeks in the Trenches 1915.
Werke
Werke für V. (Caprice viennois, Schön Rosmarin 1910; Alter Refrain [Volkslieder aus Österreich], Liebesfreud/Liebesleid); Rondino nach einem Beethoven-Thema; Operetten (gem. m. Victor Jacobi Apple Blossoms [T: William Le Baron] 1919, Sissy [T: E. u. H. Marischka] 1932); Kammermusik (Streichquartett in a-Moll 1919); Lieder (Ein altes Lied); Bearbeitungen; zahlreiche Schallplattenaufnahmen.
Literatur
A. Biancolli, F. K. 1998; A. Craig Bell, F. K. Remembered 1992; L. P. Lochner, F. K. 1951; MGG 10 (2003) u. 7 (1958); Lang 1986; Suppan 1994; Riemann 1959 u. 1972; NGroveD 13 (2001); Czeike 3 (1994); F-A 1 (1974); Die Bühne 2/14 (1925), 41; Neues Wr. Journal 25.2.1909, 8, 26.6.1921, 3, 14.10.1921, 12; 28.3.1924, 9; Dt. Volksbl. 3.5.1900, 8; NFP 25.1.1898, 6, 21.8.1919, 7, 11.12.1919, 7, 21.8.1921, 15, 1.2.1925, 34f, 29.11.1925, 12, 25.10.1925, 10, 16.12.1932, 19; Neues Wr. Tagbl. 11.8.1919, 7, 21.11.1919, 5, 1.7.1920, 4f, 22.11.1923, 7; Teplitz-Schönauer Anzeiger 23.11.1901, 7f; Der Tag 13.10.1929, 11, 29.4.1937, 9; Musikalisches Wochenbl. 3.1.1907, 9; Grazer Tagbl. 8.5.1929, 5; Geburtsbuch der IKG Wien 1874–77, RZ 840; https://de.findagrave.com (8/2020); Mitt. Archiv Univ. Wien (8/2020); eigene Recherchen (Jahresberichte der Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at; www.genteam.at).


Hugo: * 1.1.1884 Wien, † 10.9.1929 Baden bei Wien. Cellist. In Wien Schüler von S. Auber, danach Ausbildung am Leipziger Konservatorium. Konzertreisen als Solist führten ihn danach u. a. in die USA, nach London und Berlin. Dazu kamen Auftritte als Kammermusiker innerhalb und außerhalb Wiens in unterschiedlichen Besetzungen, u. a. 1909/10 als Wiener klassisches Trio mit O. Dachs (Kl.) und Rudolf Malcher (V.), später mit Julius Deutsch und Malcher, 1913/14 im Wiener Tonkünstlerquartett (R. Malcher [V. 1], Francis Aranyi [V. 2] und Leo Siegele [Va.]), 1917/18 mit Margarete Löwit und Georg Steiner als Wiener Triovereinigung und 1921–26 im Fitzner-Quartett. Außerdem spielte er in verschiedenen Klaviertrio-Besetzungen, u. a. mit den Pianisten K. Lafite, F. Basch-Mahler, P. Wittgenstein. Seit der Gründung 1907 durch O. Nedbal Solocellist des Wiener Tonkünstlerorchesters, mit Nedbal konzertierte er vor dem Ersten Weltkrieg einige Sommer auch im Kurorchester Baden bei Wien sowie ab 1917 in jenem von Franzensbad [Františkovy Lázne/CZ]. Bei einem seiner überaus seltenen Solokonzerte am 20.11.1917 im kleinen Musikvereinssaal in Wien spielte er gemeinsam mit J. Marx dessen Suite für Cello und Klavier. F. Drdla komponierte um 1925 sein Duo concertante, op. 200 für die Brüder K. 1929 ließ sich H. K. in Baden bei Wien nieder. Seit 1905 verheiratet mit Helene, geb. Heber (* 18.7.1884 Wien), am 18.7.1908 wurde Sohn Kurt geboren. Gemeinsam mit seiner Frau leitete er das auf Betreiben seiner Schwägerin Harriet finanzierte Kinderheim in Grinzing (Wien XIX). Nach seinem Tod rief H.s Bruder Fritz auf Anregung seiner Frau Harriet Ende 1929 eine Gedächtnis-Stiftung an der Wiener MAkad. zur Unterstützung bedürftiger und begabter Studierender ins Leben.


Gedenkstätten
H.-K-Gedächtnis-Stiftung an der MAkad. Wien durch Fritz K. 1929.
Werke
Plattenaufnahmen; Hrsg. v. O. Nedbal, Romantisches Stück f. Vc. und Kl., op. 18, 1910; Bearb. v. F. Kreislers La Gitana f. Vc. und Kl. 1926.
Literatur
Badener Ztg. 18.5.1912, 4, 11.9.1929, 2, 24.2.1937, 3; Neues Wr. Journal 11.9.1929, 9; Dt. Volksbl. 3.5.1900, 8, 9.12.1907, 7; Neues Wr. Tagbl. 8.10.1905, 11, 21.4.1917, 9, 24.12.1930, 10; Cur- und Fremden-Liste des Curortes Baden bei Wien 14.5.1908, 6; Arbeiter-Ztg. 27.2.1909, 8; Das Vaterland 25.12.1908, 8; NFP 15.1.1910, 11, 8.11.1913, 10, 31.12.1922, 11, 11.9.1929, 26; Die Stunde 21.7.1925, 6, 28.9.1933, 6; Oesterreichische Volks-Ztg. 24.11.1917, 8; Neues 8-Uhr-Bl. 26.1.1918, 3; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.genteam.at); Mitt. Archiv MUniv. Wien (5/2019).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Kreisler, Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2021]