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Landauer, Landauer, true Walter
* 1909-09-044.9.1909 Wien, † 1983-08-033.8.1983 London. Pianist. Der Sohn des Musikers und Kapellmeisters Isidor L. (* 30.4.1879 Wien, † ?) studierte 1927/28 an der Wiener MAkad. bei P. Weingarten (Reifeprüfung 1928) und schloss bis 1931 ein Studium bei Weingarten an der Fachhochschule an (Diplomprüfung 1932). Daneben 1928 zunächst Mitglied der Kapelle von L. Geiger, mit der er auch auf Radio Wien zu hören war, danach in der Jazzkapelle Ch. Gaudriot, verbunden mit regelmäßigen Rundfunkauftritten bis Mai 1929. Außerdem Mitglied der Kapelle von F. Fox und in Silvings Radio Jazzband. Ab etwa 1928 Zusammenarbeit mit dem polnischen Pianisten Maryan Rawicz (eig. Ringelheim, * 24.9.1898 Tarnow/Galizien [Tarnów/PL], † 30.1.1970 London), erster Rundfunkauftritt am 5.2.1929. Die beiden spielten an zwei Klavieren (s. Abb.), wobei Rawicz zunächst für die Arrangements zuständig war, in denen er populäre Werke der amerikanischen und europäischen Unterhaltungsmusik und der Klassik bearbeitete sowie jazzige Eigenkompositionen präsentierte. Bald folgten regelmäßige Konzerte (etwa am 28.2.1930 im großen Musikvereinssaal), Rundfunkauftritte sowie Schallplattenaufnahmen. Darüber hinaus gab L. im mittleren Saal (heute Mozartsaal) des Wiener Konzerthauses in den Jahren 1931 und 1932 jeweils einen Klavierabend, der klassisches und jazziges Repertoire enthielt. September 1931 – Mai 1932 Engagement in der wiedereröffneten Tanzbar Oase (Wien I, Dorotheergasse) neben Charles Bakers (v., sax., voc.), Charly Suk (v., voc.) und dem Klavierhumoristen Leo Sar, verbunden mit Rundfunkübertragungen. Hier spielte L. auch Vibraphon, Klarinette und Ukulele. Auf Radio Wien fungierte L. mitunter auch als Klavierbegleiter, u. a. 1932 von H. Grünhut. Im April 1933 als Mitglied des Quintetts Mario Dubini (u. a. mit H. Elin am zweiten Klavier) Auftritt auf Radio Wien. Im Sommer 1933 unterrichtete er „Improvisation moderner populärer Musik“ im Rahmen der Dirigenten- und Musikkurse am Salzburger Mozarteum. Zuletzt spielte das Duo Rawicz-L. am 17.4.1936 auf Radio Wien, danach folgten sie einer Einladung des britischen Thronfolgers nach Großbritannien. Ursprünglich nur als Zwischenstation in Richtung USA geplant, blieben sie in England (Exil), wo das Duo in Kabaretts, Varietés und Revuen auftrat, dazu kamen Rundfunkauftritte. Zwischendurch dürften sie nach Wien zurückgekehrt sein, am 26.12.1937 spielten die beiden erneut auf Radio Wien. Während der Internierung als sog. „enemy aliens“ im Zuge des Zweiten Weltkriegs auf der Isle of Man, die im Mai 1940 begann, traten sie auch in dem von P. Herz gegründeten Stacheldrahtkabarett auf. Später Zusammenarbeit mit R. Tauber, mit dem sie zusammen auf Tournee gingen und im Rundfunk auftraten. Das Duo Rawicz-L. erlangte bald große Popularität, nahm viele Schallplatten auf und trat regelmäßig im Rundfunk, 1961 auch im britischen Fernsehen auf. Nach dem Tod von Rawicz setzte L. seine Karriere als Solist fort. In erster Ehe ab 1942 mit Janet Charlotte Shipley verheiratet, in zweiter Ehe ab 1957 mit der Schauspielerin Doreen Duke (eig. Dora Doreen Cox, * 12.4.1925 Pontypridd, Wales/GB, † 6.5.1998 Eastbourne/GB). Mit beiden Ehefrauen hatte er jeweils zwei Kinder.
Werke
Jazz für Klavier f. 4 Hände 1933; Jazz für Kinder 1933; Filmmusik (Die große Liebe 1931, Mysterium des Geschlechts 1933, u. a. neben Nikolaus Brodszky Csibi, der Fratz 1934); Schlager (Verzeih’ mir [T: ?], Fräulein, darf ich bitten? [T: P. Herz]).
Literatur
K. Ploog, … Als die Noten laufen lernten … Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945 1 (2015); Wien im Lied und Tanz 1/3 [1933], 19; R. Busby, British music hall 1976; J. Raab Hansen, NS-verfolgte Musiker in England 1996, 437; Die Weltpresse 22.7.1949, 3; Wr. Ztg. 11.9.1931, 4; The New York Times 5.8.1983 (www.nytimes.com); NFP Abendbl. 14.12.1933, 1; Radio Wien 18.12.1931, 47, 22.1.1932, 36, 19.2.1932, 42, 30.9.1932, 34, 7.4.1933, 26, 24.12.1937, 14; Signale für die musikalische Welt 22.2.1933, 138; Mein Film 383 (1933), 10; Geburtsbuch der IKG Wien Jänner–November 1909, RZ 1683; Geburtsbuch der IKG Wien 1878–80, RZ 2811; www.jewishlivesproject.com (6/2020); https://www.bigredbook.info (6/2020); https://www.imdb.com (6/2020); https://konzerthaus.at/datenbanksuche (4/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.genteam.at).
Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
23.10.2020
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Landauer, Walter‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 23.10.2020, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003bef37
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Duo Rawicz/Landauer (Radio Wien 23.5.1930, 14)© ANNO/ÖNB
Radio Wien 15.1.1932, 27© ANNO/ÖNB
Radio Wien 20.1.1933, [6]© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x003bef37
GND
Landauer, Walter: 135833787
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