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Lert Lert Ernst (eig. Löw), Brüder
Ernst Josef: * 1883-05-1212.5.1883 Wien, † 1955-01-3030.1.1955 Baltimore, MD/USA. Opernregisseur. Sohn eines Privatbeamten in Mödling. Seine Mutter Libussa, geb. Brüll (* 9.11.1858 Gewitsch/Mähren [Jevíčko/CZ], † 27.6.1920 Wien), Cousine von I. Brüll, wollte ursprünglich Opernsängerin werden. L. trat 1903 aus dem Judentum aus, und ließ sich 1904 römisch-katholisch taufen. Im Februar 1906 wandelte er den jüdischen Geburtsnamen Löw in Lert um, die Familie folgte später. Nach der Matura am Gymnasium Baden Studium der Philosophie und Germanistik an der Univ. Wien (Promotion 1908), dazu hörte er auch einige Vorlesungen aus Musikwissenschaft (bei G. Adler, M. Dietz und H. Grädener). Außerdem erhielt er privaten Gesangs- und Klavierunterricht. Nach längerer praktischer Tätigkeit an österreichischen Sommerbühnen 1909 Regievolontär am Burgtheater. 1909/10 Dramaturg und Regisseur der vereinigten Theater von Breslau (Wrocłav/PL). Danach ging er als Dramaturg und Oberspielleiter an das neue Stadttheater nach Freiburg im Breisgau/D. Ab 1910 setzte er sich mehrfach für die Errichtung eines Studiums der Theaterwissenschaft an einer deutschen Univ. ein. 1911 Mitinitiator der Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände, die sich in Berlin konstituierte. Ab 1912 Dramaturg und Oberspielleiter am Neuen Theater in Leipzig/D. 1914/15 Kriegsdienst. 1917 kam in Leipzig eine von ihm übersetzte Version von F. Smetanas Die Verkaufte Braut mit Erfolg zur Aufführung, auch W. A. Mozarts Don Giovanni zeigte man dort in L.s eigener Bearbeitung. 1919 ging er als Intendant ans Stadttheater Basel/CH, im September 1920 übernahm er die Direktion des Frankfurter Opernhauses, 1922 wurde er dessen Intendant. Bis 1923 brachte er zahlreiche UA.en auf die Bühne, u. a. von Paul Hindemiths Einakter Sancta Susanna am 26.3.1922. Danach ging L. an die Mailänder Scala unter A. Toscanini, wo er v. a. deutsche Opern inszenierte, und arbeitete als Gastregisseur an verschiedenen Opernhäusern (u. a. 1928 Salzburger Festspiele, Florenz, Turin/I, Venedig, Bologna/I, Barcelona, Paris, Buenos Aires, Cleveland/USA) sowie als Bearbeiter und Übersetzer von Libretti. 1925 reiste er als Impresario einer Mailänder Operntruppe durch Deutschland. 1929/30 und 1931/32 Regietätigkeit an der Metropolitan Opera in New York/USA, tourte danach als Regisseur von Freilichtopern durch die USA. 1933 lebte er in Basel, wo er einen Rundfunkvortrag über Spirituals hielt. 1933/34 erneut Oberregisseur der Mailänder Scala. Im Sommer 1934 leitete er ein Sommerseminar (Die Praxis der szenischen Interpretation von Mozarts Opern)des Mozarteums Salzburg. 1935/36–1938 Lehrtätigkeit am Curtis Institute of Music in Philadelphia/USA (Dozent für Dramaturgie und Leiter der Opernabteilung), danach ging er nach Baltimore, wo er ab 1942 am Peabody Conservatory Musikgeschichte lehrte und ab 1950 als Direktor des Peabody Institute fungierte. Daneben inszenierte er an einigen amerikanischen Opernhäusern. Seit 9.3.1912 verheiratet mit der Schauspielerin Emmy Eberhardt (eig. Emilia Gutzeit: * 20.10.1880 Mielenz/Westpreußen [Miłoradz/PL], † ?). Seit 1941 amerikanischer Staatsbürger.
Ehrungen
Eisernes Kreuz 1914.
Schriften
Die Trauerspiele Karl Theodor Breithaupts. Ein Beitrag zur Stoff- und Motivengeschichte des Dramas im achtzehnten Jahrhundert, Diss. Wien 1908; Mozart auf dem Theater 1918; Otto Lohse als Opernleiter 1918; Das geistige Eigentum des Regisseurs in Die Scene 1/6 (1911/12); Eine Theater-Univ. in Czernowitzer Tagbl. 12.3.1913; Die Hamletdarstellungen Chodowieckis in Zs. für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft 11 (1914); Ein Institut für Theaterwissenschaft in Akademische Rundschau 4/11–12 (1915/16); Zur Grundfrage der Operndichtung in Allgemeine Musikztg. 43 (1916), 415; Alte und neue Bühnenbildkunst in Zs. für Bücherfreunde 9 (1917/1918); Stilbemerkungen zum „Fernen Klang“ in Anbruch II, 1–2 (1920); Opernregie in Dt. Kunstschau 1/3 (1924); Opernübersetzungen (F. Smetana, Prodaná nevěsta [Die verkaufte Braut] 1917, Umberto Giordano, La cena delle beffe [Das Mahl der Spötter] 1924, Arrigo Boito, Nero 1925; Riccardo Zandonai, I cavalieri di Ekebù [Die Kavaliere von Ekeby] 1929, Hugo Weisgall, The Tenor [Tenor] 1957).
Werke
Lieder; Musikdrama Der Mönch von St. Gallen.
Literatur
MGG 10 (2003); Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; Kosch 2 (1960); Riemann 1975; Ulrich 1997; E. Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lex. der Juden in der Musik u. seine mörderischen Folgen 1999; Neues Wr. Journal 16.4.1909, 8, 16.8.1910, 11, 15.5.1929, 7, 23.6.1929, 14, 28.7.1934, 12; Grazer Tagbl. 16.11.1910, 15; NFP 27.3.1911, 10; Oesterr. Volks-Ztg. 6.12.1914, 10, 20.7.1917, 6; Prager Tagbl. 19.6.1915, 6, 3.10.1917, 6; Oesterr. Morgenztg. u. Handelsbl. 6.10.1916, 7; Signale für die musikalische Welt 18.7.1917, 523, 3.10.1917, 675; Die Stunde 16.7.1933, 6, 18.10.1933, 6; Der Tag 22.3.1934, 9; Radio Wien 3.11.1933, 49; Der Wr. Tag 20.6.1931, 4, 18.7.1931, 9; Neues Wr. Tagbl. 3.2.1930, 9, 20.2.1930, 9, 27.12.1930, 9; Salzburger Volksbl. 18.10.1929, 6; https://www.lexm.uni-hamburg.de (2/2020); http://saebi.isgv.de (2/2020); https://frankfurter-personenlexikon.de (2/2020); https://www.familysearch.org (2/2020); www.genteam.at (2/2020); www.demos.ac.at (2/2020).


Johann Richard (eig. Friedrich): 19.9.1885 Wien, † 25.4.1980 Mountain View, CA/USA. Dirigent. Erhielt schon früh Geigenunterricht, erlernte jedoch den Schneiderberuf. Daneben verdiente er Geld als Geiger in einem Mödlinger Biergarten. 1903/04 Schüler der MSch. Storch in Wien. In den Wintersemestern 1903/04 und 1905/06 besuchte er als außerordentlicher Hörer einige Lehrveranstaltungen aus Musikwissenschaft (bei G. Adler, H. Grädener, R. Weinwurm und M. Dietz). Bei seinem Austritt aus dem Judentum 1904 bezeichnete er sich als Musiker, im Juni 1905 ließ er sich römisch-katholisch taufen (sein Taufpate R. Heuberger dürfte ihm auch Privatunterricht erteilt haben), die Umwandlung seines Nachnamens folgte im Juni 1908. Als Dirigent autodidakt, sprang er für einen erkrankten Kapellmeister des Orchesters, in dem er als Geiger tätig war, ein. 1909 übernahm er gemeinsam mit Friedrich Schmidt die Klavierbegleitung eines Ronacher-Abends im Theater Mödling. 1910 Korrepetitor am Stadttheater Düsseldorf/D, danach Chorleiter und Operettenkapellmeister in Mülhausen im Elsass [Mulhouse/F] und Aachen/D. Ab 1912 2. Kpm. für die Oper in Darmstadt/D. 1912 lernte er bei einem Besuch seiner Eltern seine spätere Ehefrau V. Baum (Eheschließung 1916) kennen, die seinen beiden jüngeren Schwestern Harfenunterricht erteilte. Er verschaffte ihr ein Engagement ans Hessische Landestheater in Darmstadt. 1914 führte er am Berliner Theater des Westens mit einem eigens zusammengestellten Ensemble R. Wagners Ring des Nibelungen auf, den er nicht nur dirigierte, sondern auch als Regisseur verantwortete. 1916–18 Engagement in Kiel/D, 1918–23 am Staatstheater Hannover/D, wo er 1922 aufgrund von Differenzen mit dem Intendanten für fünf Monate beurlaubt wurde. In diese Zeit fällt u. a. die UA von E. Wellesz’ Oper Prinzessin Girnara (14.5.1921). Außerdem machte sich L. um eine Renaissance von Opern G. F. Händels verdient. 1923 wurde L. als Nachfolger E. Kleibers, der an die Berliner Staatsoper wechselte, Generalmusikdirektor am Nationaltheater in Mannheim/D. Hier brachte er u. a. am 9.3.1924 E. Wellesz Oper Alkestis und dessen Ballett Diana zur UA. 1928 am Breslauer Stadttheater, danach ab 1929 Erster Kapellmeister an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Im Sommer 1932 folgte L. gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Wolfgang (1917–2009) und Peter (1921–2012) seiner Frau in die USA. Ende 1932 kehrte er noch einmal nach Europa zurück, um Gastdirigate in Paris, Oslo und Berlin wahrzunehmen. Im April 1933 reiste er offiziell aus Deutschland aus und ließ sich in Santa Monica, CA/USA nieder (Exil). Bis 1934 kam er noch als Gastdirigent nach Europa. 1936 ständiger Dirigent und ab 1940 auch künstlerischer Leiter des Pasadena Symphony Orchestra. In Pasadena (heute Los Angeles/CA), wo die Familie seit 1942 lebte, gründete er eine Abend-MSch. und machte sich um das öffentliche Musikleben verdient. Ab Herbst 1944 hatte er auch einen Lehrauftrag an der Univ. of Southern California inne und bildete ab Sommer 1948 als Leiter der Music Academy in Santa Barbara, CA/USA, die er mit Lo. Lehmann gegründet hatte, Dirigenten aus. Seit dem Sommer 1956 gab er außerdem Sommerworkshops für Dirigenten in Asilomar, CA und seit 1958 auch in Orkney Springs, Virginia.

Otto: * 14.1.1896 Wien, † ?. Jazzmusiker. Trat als solcher unter dem Namen Otto Lehnert auf.


Literatur
N. Nottelmann, Die Karrieren der Vicki Baum 2007; MGG 10 (2003); Riemann 1975; Kosch 2 (1960); E. Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lex. der Juden in der Musik u. seine mörderischen Folgen 1999; Badener Ztg. 31.7.1909, 8; Signale für die musikalische Welt 16.8.1922, 918, 9.1.1924, 39, 16.1.1929, 76, 13.2.1929, 213, 4.1.1933, 18, 1.2.1933, 91; Neues Wr. Journal 21.9.1923, 10; Der Tag 1.3.1924, 8; Prager Tagbl. 7.10.1928; Taufbuch der Pfarre St. Karl-Bartholomäus (Wien IV) 1903–07, fol. 124; https://www.lexm.uni-hamburg.de (2/2020); www.demos.ac.at/ (2/2020); www.genteam.at (2/2020).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Lert (eig. Löw), Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23.10.2020]
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Lert Ernst
Weiterführende Literatur (OBV)
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