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Mandoline
Instrument aus der Familie der Lauten, in Österreich v. a. dem neapolitanischen Typ (ab ca. 1740) entsprechend: kürbisartig gewölbter Schallkörper, ein ovales Schallloch, vier Paare Metallsaiten in Quintenstimmung von hinterständigen Stellschraubvorrichtungen gespannt, Griffbrett mit Metallbünden, mit Plektron (meist tremolierend) gespielt, anfangs in Lautentabulatur, ab dem späteren 18. Jh. in gewöhnlicher Notenschrift notiert. Die entsprechende Mandola ist etwas größer und eine Oktav tiefer gestimmt. Im übrigen sind die Bezeichnungen recht uneinheitlich und inkonsequent gehandhabt worden (Mandora). Spezielle Kompositionen für M. setzen hier schon bald nach 1700 ein, beziehen sich also noch auf den älteren M.o milanese (in Quartstimmung): eine – inzwischen verlorene – M.-Tabulatur aus der Bibliothek der Lobkowitz in Raudnitz [Roudnice/CZ] mit Stücken von F. Conti und dem Wiener Hoftheorbisten der Jahre 1707–09 F. Sauli), in speziellen Arien in Wiener Oratorien und Opern zw. 1706/23, und noch in einer französischen Hs. der ÖNB (Mus.ms 1802) aus der Zeit um 1750, als das (neue) Instrument zum italienischen Nationalgut wurde. So wurde es in der 2. Hälfte des 18. Jh.s auch nördlich der Alpen gesehen, nicht nur von Dilettanten (vielleicht bevorzugt von adeligen Damen), sondern auch in Oper (z. B. W. A. Mozarts Serenade im Don Giovanni, 1787) und Kammermusik (Mozart, Lieder mit M.-Begleitung KV 349 u. 351; Konzert, zahlreiche Divertimenti, Quartette, Sonaten u. a. von einem Johann Hoffmann für ein 6-saitiges Instrument in der Nachfolge des Milanese-Typs; vier Sonatinen bzw. Variationenwerke für M. und Cembalo [1796] von L. v. Beethoven; Sonate von G. Druschetzky; Konzert [1799] u. Sonate [ca. 1810] von J. N. Hummel u. a.). Dann wurde es wieder weitgehend vergessen und erst gegen Ende des 19. Jh.s unter verschiedenen Vorzeichen neu entdeckt, z. B. von E. N. v. Rezniček (Donna Diana 1894), als Kolorit von G. Mahler (7. u. 8. Symphonie 1905/07), als sog. „Kurztoninstrument“ (die Tondauer ist nicht beliebig verlängerbar) durch Schönberg (u. a. Serenade op. 24, Moses und Aron), A. Webern u. a.

Erst danach wurde die M. vorübergehend auch in Österreich gewissermaßen volkstümlich: Neben Gitarre, Zither und Harmonika spielte die M. als relativ billiges und sehr praktikables Instrument in der österreichischen Arbeitermusikbewegung der 1920/30er Jahre eine ziemlich große Rolle: es entstanden – vielleicht nach einem gewissen Vorbild der Tamburizza-Kapellen – zahlreiche M.n-Orchester (1924 zusammengeschlossen im „Zentralverband der sozialistischen Arbeiter-M.orchester Österreichs“, der ab 1925 auch die Zs. Die neue Volksmusik herausgab). Für diese schrieb u. a. H. Gál eine Reihe von Originalwerken. 1924 gab J. Zuth die Zs. Die M. heraus (1925 vereinigt mit Musik im Haus).


Literatur
MGG 5 (1996); Riemann 1967; J. Zuth in ZfMw 14 (1931/32); A. Buchner in P. Mies/J. Schmidt-Görg (Hg.), Beethoven-Jb. 3 (1957/58), 1959; J. Tichota in Acta universitatis Carolinae – phil. et hist. 2 (1965); J. Tylor in Early music 9 (1981); EitnerQ 8 (1902) [Sauli].

Autor*innen
Rudolf Flotzinger
Letzte inhaltliche Änderung
22.3.2022
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Mandoline‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 22.3.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x00033f3c
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Wander Bertoni, Mandolinenspieler, Kunststeinplastik (1953). Gemeindebau ‚Steinitzhof‘ (Standort: Auhofstraße / Ecke Hietzinger Kai 7–9), 1130 Wien© Björn R. Tammen
© Björn R. Tammen
Walter Muhammed Malli, Mandoline als Hauszeichen (Mosaik, vor 1975; zerstört). Gemeindebau Ziegelhofstraße 32–34, Bauteil 1, 1220 Wien© Archiv der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)
© Archiv der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)

DOI
10.1553/0x00033f3c
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