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Nagl Nagl true (Nagel), Schwestern
Volkssängerinnen

Mizzi (Mitzi, eig. Maria Christine): * 25.2.1889 Wien, † 12.9.1958 Wien. Volkssängerin. Tochter des aus Erdberg (Wien III) stammenden Feuerburschen Johann Nagl (* 13.4.1860 Wien, † 8.1.1940 Wien) und dessen Frau Maria, geb. Mikeln (* 29.8.1865 Gutenstein/NÖ, † 29.2.1940 Wien). Begann ihre Karriere 1905 gemeinsam mit ihrer Schwester Maly als Duettistinnenpaar Geschwister Nagl, zunächst bei Benefizveranstaltungen, bald auch auf Bällen und Veranstaltungen diverser Vereine. Schon 1907 nahmen die beiden acht Lieder für Zonophone Records auf, von denen sich Echo der Liebe und Goldener Turigrund erhalten haben. Ab Jänner 1908 wirkten sie auch im Kabarett Fledermaus und ab September 1908 einige Zeit ausschließlich im Grinzinger Wintergarten (Wien I, Tegethoffstraße 1). Gemeinsam mit dem Strohmayer-Quartett waren die beiden auch regelmäßig in der Güldenen Waldschnepfe in Dornbach (Wien XVII) zu sehen. 1911 nahmen sie Gesangsunterricht und traten danach kaum mehr gemeinsam auf. Im November 1911 sang Mi. N. zwei Wochen lang mit Eugenie Senft in Pancsova/Ungarn (Pančevo/SRB) im Duett, bis diese dort nach dem Mord an ihrem Expartner am 17.11.1911 Suizid beging. Daneben wirkte Mi. N. auch solistisch, etwa 1912/13 nunmehr regelmäßig als „Star des Grinzinger Wintergartens“ (Illustrirtes Wr. Extrabl. 12.1.1912, 10), wo sie sich großer Beliebtheit erfreute („Wer kennt nicht Mi. N., das süße Wiener Mädel, dessen Vorträge allabendlich die Besucher entzücken?“ [Wr. Allgemeine Ztg. 29.11.1912, 3]). Im Wein-Etablissement Franz Wolf (Wien XVIII), wo man sie als „Wiener Liebling“ bewarb (Illustrirtes Wr. Extrabl. 2.6.1912, 20), interpretierte sie die neuesten Schlager. Nachdem sie auch in Operetteneinaktern aufgetreten war, etwa am 16.5.1912 in der UA von L. Prechtls Die Selige (T: F. Allmeder) im Kolosseum (Wien IX) zugunsten der Nichte Fr. Schuberts, wo sie die weibliche Hauptrolle übernommen hatte, oder am 10.2.1914 in der Opernparodie Die Meistersinger von Ottakring (M: Fritz Löwenrosen, T: Homunkulus), wagte sie Mitte 1915 den Sprung auf die Bühne des Carltheaters. Ihr erfolgreiches Debüt gab sie hier am 18.7. in der Operette Alt-Wien (M: Emil Stern nach Motiven von J. Lanner, T: Gustav Kadelburg und Julius Wilhelm) und wurde in der Folge bis 1917 in kleinen Rollen eingesetzt. Am 24.11.1918 heiratete sie in Wien den Industriellen Martin Julius Arthur Theodor Ritter v. Kink (* 16.7.1885 Purkersdorf/NÖ, † 2.4.1973 Wien) und zog sich von der Bühne zurück. Im Zuge der Eheschließung war sie kurz davor aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Aus der Ehe entstammten Tochter Maria (verh. Auersperg, * 31.10.1919 Wien, † 3.8.2008 Wien) und vermutlich auch die mit ihr begrabene Katharina (* ?, begr. 13.7.1962 Wien-Hütteldorf). Im Jänner 1923 trat Mi. N. im Etablissement am Petersplatz (Wien I) nach langer Zeit mit ihrer Schwester Maly wieder im Duett auf, spätere Auftritte sind (2025) nicht belegbar.


Literatur
R. M. Brandl in StMw 30 (1979); Czeike 4 (1995); H. Buhrs (Hg.), [Kat.] Fledermaus-Kabarett. 1907 bis 1913, 2007; Der Humorist 20.7.1915, 2, 1.8.1915, 5; Die Zeit (Abendbl.) 19.11.1911, 3; Illustrirtes Wr. Extrabl. 12.1.1912, 10, 2.6.1912, 20; Illustrirte Kronen-Ztg. 19.11.1911, 5; Wr. Allgemeine Ztg. 26.11.1912, 2; Neues Wr. Journal 8.2.1914, 21; Neues Wr. Tagbl. 7.1.1914, 7, 16.7.1915, 13; Allgemeine Sport-Ztg. 27.8.1905, 1107; Taufbuch der Pfarre Lichtental (Wien IX) 1889–90, fol. 45; www.geschichtewiki.wien.gv.at (10/2025); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.familysearch.org; www.friedhoefewien.at).


Maly (Mali, eig. Amalie Josefine, gesch.? Gülcher, verh. Wolfsecker): * 2.3.1893 Wien, † 20.12.1977 Wien. Volkssängerin. Wie viele Volkssänger:innen konnte N. nicht Notenlesen. Sie trat erstmals im Alter von neun Jahren mit dem Vortrag einiger G’stanzln im Brigitta-Saal (Wien XX) auf und sang danach gemeinsam mit ihrer Schwester als Duettistinnenpaar Geschwister Nagl. Im Mai 1906 wurde der damals 13-Jährigen vom Bezirksgericht Josefstadt ein viermonatiger Auftritt als „jüngste Soubrette Wiens“ in der Weinschank Franz Wolf (Wien XVIII) verboten. Um weitere polizeiliche Auftrittsverbote zu umgehen, traten die Schwestern als „Gäste“ auf, u. a. sehr erfolgreich 1908/09 im Kabarett Fledermaus. Besonders begeistert erwies sich Peter Altenberg von M. N., die er als „Kunstwerkchen, ein allerliebstes“ bezeichnete. „Sie ist eigentlich das allerbeste, was es an ‚Wiener Sängerin‘ gibt.“ (Wiener allgemeine Ztg. 6.3.1908, 2). Gemeinsam mit dem Strohmayer-Quartett trat sie mit ihrer Schwester regelmäßig in der Güldenen Waldschnepfe in Dornbach (Wien XVII) auf. Nachdem beide Gesangsunterricht genommen hatten, trat sie nach 1911 – mit einer Ausnahme im Jänner 1923 im Etablissement Petersplatz – nur noch als Solistin auf. Am 12.11.1915 heiratete sie in Pressburg den Rittmeister Konrad Hugo Gülcher-Kucsera (* 11.11.1877 Biala/Galizien [Bielsko-Biała/PL], † 10.6.1956 Wien). 1918 trat sie wie ihre Schwester aus der römisch-katholischen Kirche aus, Tochter Thea Wilfriede (verh. Kopecky, * 24.12.1919 Wien, begr. 21.8.1948 Wien) wurde nach evangelischem Ritus A. B. getauft. Bis 1922 scheint sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen zu haben. Danach spezialisierte sie sich besonders auf Jodler und erzielte damit bald große Erfolge, etwa mit dem Erzherzog-Johann-Jodler, den sie auch auf Schallplatte aufnahm. „Amalia Nagl, die sich durch ihre berühmten Jodler zu einer überragenden Bedeutung emporgesungen hat, die vor Jahrzehnten nur die Kiesel Marie und die L. Montag erlangt haben“ (Reichspost 13.5.1924, 5). Ab 1922 machte sie Plattenaufnahmen für Polydor, ab 1937 für Columbia und nach dem Zweiten Weltkrieg für Philipps, die zum Teil auch auf Radio Wien gespielt wurden. Im Lauf der Jahre sang Ma. N. über etwa 50 Titel ein, die für die nachkommenden Wienerliedsängerinnen zum Vorbild wurden. Am 5.3.1933 feierte sie bereits ihre 25-jährige Berufstätigkeit im Rahmen einer Festakademie, an der zahlreiche renommierte Vertreter:innen des Wienerliedes, darunter F. Allmeder, E. Arnold, E. Pfleger, Ch. Gaudriot, O. Geitner, K. Föderl, E. Eysler und R. H. Dietrich, teilnahmen. Zu jener Zeit betrieb sie gemeinsam mit ihrem zweiten Mann F. Wolfsecker, den sie am 21.5.1931 (nicht 1924) geheiratet hatte, ein Weinlokal in Ottakring, das bis 1930 von M. Starecek geführt worden war. Ihr Mann schrieb auch mehrere Lieder für sie. Während des Zweiten Weltkriegs zog sich Ma. N. weitgehend ins Privatleben zurück. Ab 1943 trat sie in einschlägigen Veranstaltungen (Alt Wiener Abend, Ma. N. mit den Deutschmeistern, Ein Abend bei F. Schier, Großer Empfang bei K. Föderl) auch im Wiener Konzerthaus auf. Bekannte Wienerliedkomponisten schrieben Lieder für sie, etwa R. Kronegger, F. P. Fiebrich, K. Föderl oder R. Domanig-Roll. Ma. N.s Kunst bestand u. a. darin, sich die Titel durch ihre spezielle Interpretation zu eigen zu machen. Mit ihrem dunklen Timbre gelang es ihr, „einen sentimentalen Text schmissig zu singen, und ein reaktionäres Lied fast revolutionär vorzutragen“ (Pataki, Die Königin des Wienerliedes, 7). Eine immer wieder kolportierte Verwandtschaft zur Familie Nagel bzw. I. Nagel ist unwahrscheinlich.


Gedenkstätten
Grab ehrenhalber am Wr. Zentralfriedhof.
Ehrungen
Hut des lieben Augustin; Silbernes Verdienstzeichen der Stadt Wien.
Werke
CD M. N. und ihre Lieder 1997.
Tondokumente
TD: Ma. N. und ihre Lieder, Preiser Records 1991; A Stückerl Alt Wien. Ma. N. – die frühen Aufnahmen (1922–1927), Vindobona Records 2007.
Literatur
R. M. Brandl in StMw 30 (1979); Hauenstein 1979; Czeike 4 (1995); H. Buhrs (Hg.), [Kat.] Fledermaus-Kabarett. 1907 bis 1913, 2007; H. Pataki, Die Königin des Wienerliedes: Nagl-Mally, Typoskript, ÖNB, Literaturarchiv Wien; Das kleine Volksbl. 26.2.1933, 5; Neues Wr. Tagbl. 27.5.1906, 9, 28.2.1933, 5, 7.3.1933, 7; Wiener allgemeine Ztg. 6.3.1908, 2; Reichspost 26.2.1933, 5; Illustrierte Kronen-Ztg. 3.3.1933, 11; Kleine Volks-Ztg. 7.3.1933, 3; Taufbuch der Pfarre Lichtental 1893–94, fol. 36; Taufbuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1919, RZ 998; Trauungsbuch der Pfarre Lichtental 1882–87, fol. 340; www.musik-austria.at (10/2025); www.geschichtewiki.wien.gv.at (10/2025); www.discogs.com (10/2025); www.de.wikipedia.org (10/2025); www.friedhoefewien.at (10/2025); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.myheritage.at).

Autor*innen
MK
Letzte inhaltliche Änderung
27.11.2025
Empfohlene Zitierweise
MK, Art. „Nagl (Nagel), Schwestern“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 27.11.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dace
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Mizzi Nagl (Der Humorist 1.8.1915, 5)
			© ANNO/ÖNB

				Maly Nagl und ihre Firmpatin (Illustriertes Wr. Extrabl. 24.5.1905, 5)
			© ANNO/ÖNB

				Maly Nagl (Illustrierte Kronen-Ztg. 29.5.1906, 6)
			© ANNO/ÖNB

				Maly Nagl (Illustrierte Kronen-Ztg. 3.3.1933, 6)
			© ANNO/ÖNB




DOI
10.1553/0x0001dace
GND
Nagl (Nagel), Schwestern: 1038266394
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Nagl Mizzi: 1038266661
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Nagl Maly: 1038266394
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Nagl F. Wolfsecker: 141665793
OBV
Weiterführende Literatur

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