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Novák, Novák, true Vítězslav (eig. Viktor Augustin Rudolf)
* 1870 -12-055.12.1870 Kamnitz an der Leipa/Böhmen (Kamenice nad Lipou/CZ), † 1949 -07-1818.7.1949 Skutsch (Skuteč/CZ). Komponist und Musikpädagoge. Früh halbverwaist, absolvierte er 1889 das Gymnasium in Neuhaus (Jindřichův Hradec/CZ) und bekam dort seinen ersten musikalischen Unterricht (Violine, Klavier), war jedoch zuerst mehr an Literatur interessiert. Nachdem er 1889 mit seiner Mutter und zwei Geschwistern nach Prag übersiedelt war, studierte er an der Karlsuniv. Jus (2 Semester) und Philosophie (Abschluss 1893), gleichzeitig Komposition am Prager Konservatorium (1889–92). Sein spontanes Talent kam erst im 3. Jahrgang (1891/92) zur Entwicklung, als A. Dvořák sein Lehrer wurde. Bedeutenden Einfluss auf ihn hatten auch K. Bendl (Verteter Dvořáks während dessen Aufenthalts in Amerika) und der Klavierlehrer Josef Jiránek (ein Schüler von F. Smetana). Das Förderungsstipendium des Prager Konservatoriums (Apt-Stiftung) und ein Staatsstipendium sicherten N. am Beginn seiner Karriere die Existenz. Durch Empfehlung von J. Brahms wurden seine ersten Werke bei Simrock gedruckt. Seine ursprünglich romantische Stilorientierung hat sich anlässlich einer Reise durch Mähren und Slowakei stark geändert. Er sammelte nunmehr Volkslieder und verkehrte mit den wichtigsten Persönlichkeiten des Kulturlebens, besonders in der mährischen Region. Die Folkloreelemente wurden zu einem Bestandteil seiner persönlichen Musiksprache dieser Schaffensperiode, die in der Sonata eroica (1900) kulminierte.

Nach Überwindung einer kompositorischen Krise sind um 1910 seine wichtigsten Werke entstanden, u. a. die symphonischen Dichtungen V Tatrách (In der Hohen Tatra), O věčné touze (Von der ewigen Sehnsucht), Toman a lesní panna (Toman und die Waldfee), die Kantate Bouře (Der Sturm), der Liederzyklus Údolí nového království (Das Tal des neuen Königreichs), der Klavierzyklus Pan und das Streichquartett in G-Dur. N. war in mehreren Organisationen und Institutionen tätig, u. a. im Ausschuss des Vereins Umělecká beseda und als Kommissar für Staatsprüfungen; er war korrespondierendes bzw. ordentliches Mitglied der Tschechischen Akad. der Wissenschaften (1906 bzw. 1912). 1910 schloss er einen Vertrag mit der Universal Edition ab. Seit 1909 Prof. für Komposition am Prager Konservatorium, lehnte er 1912 das Angebot der Wiener MAkad. auf eine Professorenstelle ab. Der Erste Weltkrieg, die Veränderungen der gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik und der Antritt der neuen Generation riefen bei N. eine kompositorische Stagnation hervor, die auch Folge auf die ablehnende Kritik seiner Werke (besonders seitens Zdeněk Nejedlý, Ordinarius für Musikwissenschaft an der Karlsuniv.) zurückzuführen ist. Er blieb trotzdem eine anerkannte Autorität des tschechischen Musiklebens und war 1920/21, 1921/22 sowie 1927/28 Rektor des Prager Konservatoriums. 1920 initiierte er die Gründung des Spolek pro moderní hudbu (Verein für moderne Musik), war stellvertretender Vorsitzender des Klub českých skladatelů (Klub tschechischer Komponisten) und Ehrenmitglied weiterer Organisationen und Institutionen, auch im Ausland. Fünfmal erhielt er für seine Werke den Staatspreis; seine Auszeichnungen legte er jedoch 1938 als Reaktion auf das Münchener Abkommen zurück. 1939 wurde er pensioniert. Als Komponist drückte er seine Position gegenüber der politischen Situation im Protektorat Böhmen und Mähren in seinen Werken De profundis und Svatováclavský triptych (St. Wenzeslaus-Triptychon) bzw. Maisymphonie aus. Nach dem Krieg stand er kurze Zeit wieder an der Spitze des Musiklebens: Er wurde als erster Komponist mit dem Titel „Nationalkünstler“ ausgezeichnet.

Von großer Bedeutung war auch N.s pädagogische Tätigkeit: Die „N.-Schule“ umfasste eine Generation unterschiedlichster Komponisten, unter denen die Experimentatoren (A. Hába, Karel Hába) ebenso wie die Komponisten der an die nationale Tradition anknüpfenden Linie (Emil Axman, Ladislav Vycpálek, O. Jeremiáš, Ilja Hurník) zu nennen sind. Durch seine Schüler Ján Cikker, Eugen Suchoň, Dezider Kardoš und A. Moyzes war er auch als Lehrer der modernen slowakischen Musikergeneration anerkannt. 1979 wurde in Prag die Společnost Vítězslava Nováka (V. N. Ges.) gegründet, die jährlich u. a. die mit einem Symposion Dny V. Nováka (V. N. Tage) veranstaltet.


Ehrungen
Ehrenmitglied des Institut de France, der Académie des Beaux Arts 1920, der Glasbena Matica Laibach 1928, der Regia Accademia di Santa Cecilia Roma 1933, der Königlichen MAkad. in Stockholm 1938, des Vereins Beseda brněnská, der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1947; Dr. h. c. der Komenský Univ. Pressburg 1928; St. Sava-Orden III. Stufe; Verdienstorden III. Stufe; Nationalkünstler der Tschechoslowakischen Republik 1945.
Werke
Werke f. Kl. bzw. Org.: Vzpomínky [Erinnerungen] op. 6, 1894; Eklogen op. 11 [J. Brahms gewidmet], 1896; 3 tschechische Tänze op. 15, 1896; Sonata eroica op. 24, 1900; Písně zimních nocí [Lieder der Winternächte] op. 30, 1902/03; Pan op. 43, 1910; Exotikon op. 45, 1908–11; 6 Sonatinen op. 54, 1919; Zyklus Mládí [Die Jugend] op. 55, 1920; Svatováclavský triptych [St. Wenzeslaus-Triptychon] op. 70 f. Org., 1941; Kammermusik: Sonate f. V. u. Kl., 1891; Sonate f. Vc. u. Kl. op. 68, 1941; Klaviertrio g-Moll op. 1 (ursprünglich op. 3), 1892; Klavierquartett c-Moll op. 7, 1894; Streichquartett Nr. 1 G-Dur op. 22, 1899; Trio quasi una ballata op. 27, 1902; Streichquartett Nr. 2 D-Dur op. 35, 1905; Streichquartett Nr. 3 op. 66, 1938; Orchesterwerke: Ouvertüre Korsár [Der Korsar], 1892; Serenade F-Dur f. kleines Orch. op. 9, 1894; Klavierkonzert e-Moll, 1895; Ouvertüre Maryša op. 18, 1898; Ouvertüre Godiva op. 41, 1907; symphonische Dichtung V Tatrách [In der Hohen Tatra] op. 26, 1902 (rev. 1907); Slovácká suita [Mährisch-slowakische Suite] op. 32, 1903; symphonische Dichtung O věčné touze [Von einer ewigen Sehnsucht] op. 33, 1904; Serenade D-Dur f. kleines Orch. op. 36, 1905; symphonische Dichtung Toman a lesní panna [Toman und die Waldfee] op. 40, 1907; Kantate Bouře [Der Sturm] f. Orch., Soli u. Chor op. 42, 1910; Svatební košile [Die Geisterbraut] op. 48, 1913; Podzimní symfonie [Herbstsymphonie] op. 62 f. Chor u. großes Orch., 1934; Jihočeská suita [Suite aus Südböhmen, Südtschechische Suite] op. 64, 1937; De profundis f. Orch. u. Org. op. 67, 1941; Májová symfonie [Maisymphonie] op. 73 f. Soli, Chor u. Orch., 1943; Lieder mit Kl. bzw. Orch.: Zyklen Cigánské melodie [Zigeunerlieder] op. 14, 1897 (auch instrumentiert); Písničky na slova lidové poezie moravské [Lieder nach mährischer Poesie] op. 16, 1897; mehrere Lieder nach Volkstexten u. Bearb. von Volksliedern: Melancholie op. 25, 1901; Údolí nového království [Der Tal des neuen Königreichs] op. 31 (auch instrumentiert); Melancholické písně o lásce [Melancholische Liebeslieder] (mit Orch.), 1906; Erotikon op. 46, 1912; Opern: Zvíkovský rarášek [Das Klingenberger Teufelchen, Der Kobold aus Zvikov] op. 49, nach Ladilsav Stroupežnický, 1913/14; Karlštejn [Karlstein], Libretto nach Jaroslav Vrchlický v. Otokar Fischer, 1914–16; Lucerna [Die Laterne], Libretto nach Alois Jirásek v. Hanuš Jelínek; Dědův odkaz [Des Großvaters Vermächtnis], Libretto nach Adolf Heyduk v. Antonín Klášterský, 1923–25 (rev. 1942/43); Bühnenmusik u. a.
Schriften
O sobě a o jiných [Über mich und die anderen] 1946 (1. Teil), 21970 (1. und 2. Teil); Zss.artikel und Polemiken. Nachlass im Nationalmuseum Prag u. im Tschechischen Museum der Musik.
Literatur
Československý hudební slovník osob a institucí [Tschechoslowakisches Musiklex. von Personen und Institutionen] 2 (1965); Riemann 1929; NGroveD 18 (2001); MGG 9 (1961); ÖBL 7 (1978); A. Srba (Hg.), Studie a vzpomínky [Studien und Erinnerungen] 1932 (erw. Ausg. 1940); V. Lébl, V. N. Život a dílo [Leben und Werk] 1964; K. Padrta, V. N. Studie a vzpomínky k 100. výročí narození [Studien und Erinnerungen zum 100. Geburtstag] 1972; M. Schnierer, V. N. – Mitbegründer der tschechischen Musik des 20. Jh.s 1989; M. Schnierer, V. N. Tematický a bibliografický katalog [Thematisches und bibliographisches Verzeichnis] 1999.

Autor(en)
Vlasta Reittererová
Empfohlene Zitierweise
Vlasta Reittererová, Art. „Novák, Vítězslav (eig. Viktor Augustin Rudolf)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]