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Ostleitner Ostleitner true (geb. Gathmann), Christina Elena
* 1947-06-1515.6.1947 Caracas, † 2021-05-088.5.2021 Mistelbach/NÖ. Musiksoziologin. Erster Klavierunterricht in Venezuela ab dem sechsten Lebensjahr. Im Alter von sieben Jahren kam sie nach Wien, wo sie bei ihren Großeltern mütterlicherseits, später bei ihrer Mutter aufwuchs. Ab 1960 studierte O. Klavier an der Wiener MAkad. bei Marianne Lauda, Renate Kramer-Preisenhammer (Vorbereitung) und Konzertfach bei H. Graf (der ihr Interesse für Komponistinnen weckte) sowie ein Jahr lang Komposition bei A. Uhl. Nach der Matura studierte sie Soziologie an der Universität Wien (Spezialisierung auf Sozialpsychologie und Sozialpsychiatrie, Abschluss 1974) und wirkte am Institut für Soziologie als wissenschaftliche Assistentin. Ab 1975 war sie an der MUniv. am Institut für Musiksoziologie und musikpädagogische Forschung als Lehrbeauftragte tätig, der damalige Institutsleiter K. Blaukopf unterstützte ihr Forschungsinteresse zu „Frauen und Musik“. 1983 Vertragsassistentin, ab 1985 Hochschulassistentin, zwei Jahre später Assistenzprofessorin. In dieser Funktion hielt O. die Lehrveranstaltung „Frau und Musik“ – damals ein Novum – ab. 1991–2003 war sie Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen an der Univ. Wien; 2002 ao. Univ.-Prof, 2011 im Ruhestand. Neben ihrer Lehrtätigkeit in Wien unterrichtete O. zwischenzeitlich auch am Salzburger Mozarteum. Parallel zu ihrem pädagogischen Wirken war sie ab 1985 in Gremien der Stadt Wien sowie für Johanna Dohnal in den Bereichen Kultur und Frauenforschung beratend tätig und wirkte im Frauenprojekte-Beirat der Stadt Wien mit. 1995 wurde O. nach langjähriger Vorstandstätigkeit Vizepräsidentin des Österreichischen Lateinamerika-Instituts. 1996/97 war sie die erste Präsidentin der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG) sowie erste Vizepräsidentin des 1. Frauen-Kammerorchesters von Österreich und 1997 maßgeblich an der Öffnung der Wiener Philharmoniker für Frauen als vollwertige Mitglieder beteiligt. 1999 gründete O. in Strasshof/NÖ den Vier-Viertel-Verlag (mittlerweile geschlossen), der Publikationen zu den Themen Musik, Frauen, Lateinamerika und darüber hinaus auch eine Literatur-Reihe, die Musikschriftenreihe Frauentöne sowie die CD-Reihen Frauentöne (Werke von Komponistinnen) und Crescendo Collection („akustische Visitenkarten“ für junge Musiker*innen) veröffentlichte. 2002–05 war O. Jurymitglied sowie -sprecherin des Österreichischen Frauenkunstpreises im Wiener Parlament, 2004 Mitglied im Kulturbeirat der Stadt Graz und 2008 Gutachterin für die Education, Audiovisual & Culture Executive Agency (EACEA). Zudem wirkte O. im wissenschaftlichen Beirat des Lehrganges für Höhere Lateinamerika-Studien. Forschungsschwerpunkte: Frau und Musik, Musik in Lateinamerika, Exilforschung, Musikpädagogik, funktionelle Musik, rechtliche Rahmenbedingungen des Musizierens. O.s musikbezogene Frauenforschung gilt nicht nur im deutschsprachigen Raum als bahnbrechend und war für das Institut für Musiksoziologie an der MUniv. Wien richtungsweisend. Ihr wissenschaftliches Arbeiten war vom interdisziplinären Dialog und einem kulturwissenschaftlichen Zugang sowie dem Bestreben, Toleranz und Chancengleichheit für Musikerinnen zu schaffen, geprägt. In Europa, Asien und Amerika war sie eine gefragte Vortragende, nicht zuletzt durch die Organisation von international beachteten Symposien über C. Schumann (1996), D. Pejačević (2001), Wilhelmine von Bayreuth (2009) sowie Komponistinnen und Musikerinnen um W. A. Mozart (2005) und J. Haydn (2009). O. setzte sich stets für die Förderung des wissenschaftlichen und Musik ausübenden Nachwuchses ein und hinterließ ein umfangreiches Privatarchiv. 1972–81 war sie mit dem Ökonomen und Politiker Herbert O. verheiratet, der gemeinsame Sohn Alexander (* 1974) ist als politischer Referent tätig.
Ehrungen
Österr. Ehrenkreuz f. Wissenschaft und Kunst 2005 (Laudator: Clemens Hellsberg); Liese-Prokop-Frauenpreis 2009; Ehrenmitglied der International Alliance für Women in Music (IAWM).
Schriften
Einstellungen von Internisten zu psychischen Störungen, Dipl.arb. Wien 1975; Musiksoziographie in Österreich. Bibliographische Beiträge zu einem Forschungsprojekt 1980; (Hg.) Massenmedien, Musikpolitik und Musikerziehung, Wien 1987; (gem. m. U. Simek) Ist die Musik männlich? Die Darstellung der Frau in den österreichischen Musikerziehungs-Lehrbüchern 1990; (gem. m. I. Bontinck/D. Mark/A. Smudits) Komponisten – Report. Zur sozialen Lage der Komponisten und Komponistinnen in Österreich 1993; (Hg. gem. m. U. Simek) Carole Dawn Reinhart. Aspekte einer Karriere 1993; Zur Situation des Orchesternachwuchses in Österreich. Eine qualitative Studie, Diss. Wien 1995; (Hg.) „Ich fahre in mein liebes Wien“ Bericht über das Internationale Symposium zum 100. Todestag von Clara Schumann 1996; „Dora, sie, die Lieder, sie, die Töne hat“. Die kroatische Komponistin Dora Pejačević (1885–1923), Kassel 2001; Sociological aspects of the situation of women in music in Austria, Paris 2002; (Hg. gem. m. Ch. Glanz) Alejo Carpentier (1904–1980). Jahrhundertgestalt der Moderne in Literatur, Kunst, Musik und Politik 2004; (Hg. gem. m. G. Dorffner) „Ein unerschöpflicher Reichthum an Ideen …“ – Komponistinnen zur Zeit Mozarts 2006; zahlreiche Fachbeiträge und Artikel u. a. zur beruflichen Situation Musikschaffender, zu Musikpädagogik und lateinamerikanischer Musik.
Literatur
M. Krucsay in Biografien bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen 2018; M. Krucsay, Gedenken an Elena Ostleitner (1947–2021): Der laute Nachklang einer leisen Rebellin, Nachruf für die ÖGMW (Mai 2021); C. Hellsberg, Philharmonische Begegnungen 2015, 270–275; www.mdw.ac.at/1644/ (5/2021); www.mdw.ac.at/ims/?Pageld=1629 (5/2021); www.mdw.ac.at/ims/ (5/2021); https://de.wikipedia.org/ (9/2021).

Autor(en)
Bettina Graf
Empfohlene Zitierweise
Bettina Graf, Art. „Ostleitner (geb. Gathmann), Christina Elena‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22.10.2021]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

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