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Paderewski, Paderewski, true Ignacy Jan
* 1860-11-066.11.1860 Kuryłówka/PL, † 1941-06-2929.6.1941 New York/USA. Pianist, Komponist, Pädagoge, Politiker. 1878–83 Studien am Warschauer Musikinstitut, wo er auch anschließend als Klavierlehrer beschäftigt wurde. 1882 wurden in Berlin bei Bote und Bock seine ersten Klavierwerke publiziert. Zu dieser Zeit wollte sich P. v. a. der Komposition widmen. Erst nach einem gelungenen Krakauer Soloabend (3.10.1884), der einen Ertrag in der Höhe von 428 fl. brachte, konnte P. es sich leisten, für ein Jahr nach Wien zu gehen und bei Th. Leschetizky zu studieren. 1887/88 kehrte P. noch einmal nach Wien zurück und setzte seine Studien bei Leschetizky fort. Ihm widmete er auch sein Klavierkonzert, das am 20.1.1889 im Bösendorfersaal von Leschetizkys damaliger Frau Annette Essipoff uraufgeführt wurde. P. fühlte sich in Wien sehr wohl, was er auch später in seinen Memoiren zum Ausdruck brachte. Hier gab P. einige Konzerte und genoss das gesellschaftliche Leben. Dank Leschetizky durfte er im Wiener Tonkünstler-Verein J. Brahms kennen lernen, der seine pianistischen Fähigkeiten hoch schätzte. 1888 ging P. nach Paris. Mit einem Auftritt im Erard Saal begann seine über 50 Jahre dauernde fulminante pianistische Karriere in Europa, in den Vereinigten Staaten, später auch in Südafrika, Australien und Neuseeland. In den ersten Jahren des 20. Jh.s wurde P. als Politiker aktiv. In Galizien, wo er seinen Wohnsitz hatte und oft als Pianist auftrat, konnte er auch seine patriotischen Gefühle unter Beweis stellen, indem er 1910 in Krakau das Denkmal zum Gedenken des Sieges in der Schlacht bei Tannenberg/D (1410) spendete und im selben Jahr in Lemberg an offiziellen Feiern zum 100. Geburtstag F. Chopins teilnahm. Als feuriger, politisch begabter Redner konnte er bei diesen Gelegenheiten allgemeine Begeisterung erwecken. Die Fortsetzung der politischen Aktivitäten, v. a. in Fragen der Unabhängigkeit Polens, auch während des Ersten Weltkrieges, verstärkte seine Autorität in einem solchen Ausmaß, dass er 1919 als polnischer Ministerpräsident und Außenminister, im Namen seines Landes, den Vertrag von Versailles unterschrieb. 1922 wurde P. wieder als Solist, später auch als Pädagoge, tätig. Zu seinen Schüler gehörten u. a. Witold Małcużyński und Henryk Sztompka. 1937 übernahm er die Redaktion der Gesamtausgabe von Chopins Werken.
Ehrungen
zahlreiche Ehrendoktorate (u. a. Lemberg [L’viv/UA], Krakau, Oxford/GB, Columbia/USA, Cambridge) und Orden (England, Frankreich, Polen, USA).
Werke
Oper Manru (1893–1901); Symphonie h-Moll, Klavierkonzert a-Moll op. 17, zahlreiche Klavierwerke, Lieder und Kammermusik.
Schriften
Pamiętniki 1961 [Memoiren].
Literatur
B. Weber, P. 1992; M. M. Drozdowski, I. J. P. 1979; NGroveD 18 (2001); MGG 10 (1962); Encyklopedia Muzyczna PWM n-Pa 2002.

Autor(en)
Piotr Szalsza
Empfohlene Zitierweise
Piotr Szalsza, Art. „Paderewski, Ignacy Jan‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]