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Paul-Sacher-Stiftung
Die in Basel/CH angesiedelte Stiftung ist eine der bedeutendsten Archiveinrichtungen für die Musik des 20. Jh.s. Der Dirigent und Kunstmäzen Paul Sacher (1906–99) hat nach der Begründung des Baseler Kammerorchesters 1926 etwa 200 Werke in Auftrag gegeben und diese zumeist selbst aufgeführt. Mit der Etablierung einer nach ihm benannten Stiftung machte Sacher 1973 seine inzwischen entstandene umfangreiche Privatsammlung mit Autographen, Briefen und weiteren Dokumenten der Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus hat er sich jahrzehntelang als Förderer von Musikerziehung und -forschung engagiert: seit 1933 mit der Gründung der Schola cantorum basiliensis, zwischen 1954/69 mit der Leitung der Baseler MAkad. Die Stiftung diente zunächst der Bewahrung der musikalischen Bibliothek Sachers. Mit der einige Zeit später vorgenommenen systematischen Erweiterung der Bestände wandelte sich die Aufgabe der Stiftung allmählich, die heute ein internationales Forschungszentrum für die Musik des 20. und 21. Jh.s mit einem Bestand von rund 80 Vor- und Nachlässen bzw. Sammlungen bedeutender Komponisten und Interpreten ist. Neben der optimalen Konservierung und Erschließung ihrer Quellenbestände ermöglicht und fördert die Stiftung die wissenschaftliche Erforschung des Archivguts durch Bereitstellung des Bestandes, eigene Forschungsprojekte, Ausstellungen und Publikationen. Die Bestände spiegeln v. a. Sachers Tätigkeit als Dirigent und Mäzen der zeitgenössischen Musik wieder: Neben den vertretenen englischen (etwa Benjamin Britten, Michael Tippett), französischen (Pierre Boulez, Henri Dutilleux u. a.), deutschen (Kurt Huber, Rudolf Kelterborn, Aribert Reimann, Dieter Schnebel), schweizerischen (Arthur Honegger, Frank Martin, Conrad Beck, Willy Burkhard etc.), italienischen (so Luciano Berio, Bruno Maderna, Goffredo Petrassi) und russischen (z. B. Igor Strawinsky, Alexander Tcherepnin) Komponisten findet sich auch ein deutlicher Sammelschwerpunkt auf österreichischen Künstlern. Er umfasst Einzelwerke und Gesamtnachlässe von R. Haubenstock-Ramati, H. Jalowetz, Hildegard Jone, E. Krenek, L. Zenk und den A. Schönberg-Schülern L. Stein, Peter Gradenwitz und A. Webern. Die Autographe Weberns, die durch die Nachforschungen von Hans Moldenhauer zusammengetragen wurden, bilden eine der wertvollsten Quellenmaterialsammlungen der Stiftung. Der Bestand wird auch weiterhin durch Neuerwerbungen erweitert; so konnten der Stiftung in den letzten Jahren die Nach- bzw. Vorlässe von Witold Lutosławski, Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann und H. W. Henze eingegliedert werden. Darüber hinaus hat Sacher auch Handschriften aus dem 17. und 18. Jh. gesammelt, die ebenfalls (etwa mit Autographen von J. S. Bach oder J. Haydn) im Archiv vertreten sind.
Literatur
Veröffentlichungen der P. S. St. (bisher 8 Bde. 1990–2002); J. Erni/H. Kuhn, Neue Musik in Basel. P. S. und sein Mäzenatentum 1987; T. Seebass/E. Lichtenhahn (Hg.), Musikhandschriften aus der Sammlung P. S. 1976; M. Rostropovitch (Hg.), Dank an P. S. 1976; Ch. Geelhaar et al. (Hg.), Strawinsky: Sein Nachlaß, sein Bild 1984; H. J. Jans (Hg.), Komponisten des 20. Jh.s in der P. S. St. 1986; P. S. St. (Hg.), P. S.: Auftragswerke – Widmungskompositionen – UA.en 1916–1990, 1995; G. Boehm et al. (Hg.), [Kat.] Canto d’amore: Klassizistische Moderne in Musik und bildender Kunst 1914–1935, 1996; F. Meyer (Hg.), Settling New Scores – Music Manuscripts from the P. S. Foundation 1998.

Autor(en)
Matthias Schmidt
Empfohlene Zitierweise
Matthias Schmidt, Art. „Paul-Sacher-Stiftung‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2005]