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Pölz, Pölz, Andreas: Familie
Andreas: * 1803-09-088.9.1803 Neubistritz/Böhmen (Nová Bystřice/CZ), † 1876-02-1515.2.1876 Wien. Musiker, Komponist. Sohn eines Bäckers, dürfte seine Ausbildung in Wien erhalten haben, er soll Zeugnisse von C. Kreutzer, J. Drechsler, F. Volkert, J. Böhm und J. Friedlowsky besessen sowie für J. Wilde gearbeitet haben. Möglicherweise war er auch als Hofmeister in herrschaftlichen Häusern tätig (die Angabe, er sei ein Schulmeistersohn gewesen, stimmt dagegen sicher nicht). 1833–35 ist er als Musiker („geprüfter Compositeur und Generalbassist“ bzw. „Spielmann“) beim IR Nr. 19 (Kpm. A. Nemetz) nachweisbar und inserierte als solcher zahlreiche Kompositionen (als Manuskripte) in der Wiener Zeitung. Noch 1838–40 wohnte P. in der Alser Kaserne (Wien IX), insgesamt wird seine Militärdienstzeit mit elf Jahren angegeben. 1844 ist er als Musiklehrer und ab ca. 1847 als Musikdirektor greifbar, der seine Dienste für Musiken aller Art (vom Klavier bis hin zum großen Orchester) anbot („Wiener Central-Musik-Bestellungs-Anstalt“ u. ä., die spätestens ab 1851 konzessioniert war). Am 26.8.1852 heiratete er, bis dahin unverehelicht, die aus Mondsee stammende Anna Neuberger. Ab 1855 trat er bis Anfang der 1860er Jahre mit seinen Söhnen (zunächst die beiden älteren, spätestens ab Sommer 1857 auch E. P.) als „Musik- und Künstler-Familie P.“ oder nur „Familie P.“ in Wiener Vorstädten bzw. Vororten auf und unternahm mit ihnen auch Konzertreisen nach Mähren (1857 Brünn, 1858 Znaim), Böhmen, Nieder- und Oberösterreich (1855 [Bad] Ischl), Steiermark, Salzburg (1855 und 1859 Salzburg), Tirol, Bayern, Ungarn, Italien, Kärnten, Krain, Frankreich und England. Der vielseitige Musiker bot weiterhin Musikdienstleistungen aller Art an, 1861 bezeichnete er sich auch als Musikagent fürs In- und Ausland. Um 1862 lebte er als Musikmeister in St. Ulrich (Wien VII) und betrieb eine Art private MSch., in der Gesang, Klavier, Gitarre sowie alle Streich- und Blasinstrumente unterrichtet wurden („weil ich mehrere Lehrzimmer und mehrere Musikmeister hab“ [Wr. Ztg. 21.12.1862]). 1865 trat er als Leiter der Wiener Lockvögel in Erscheinung, die eine Musik- und Gesangssoirée in der Leopoldstadt (Wien II) gaben. 1867 leitete er das Hausorchester im Bierhaus „Zur Stadt Belgrad“ (Wien VIII), ca. 1868 war er auch Violinist am Rudolfsheimer Theater (Wien XV). Im Oktober 1866 eröffnete er eine Musik- und Tanzschule in Wien VII, die in den folgenden Jahren mehrmals das Lokal wechselte und in der Musik, Singen, Tanzen, Fechten und Sprachen unterrichtet wurde. 1873 suchte P. einen Kompagnon für sein Geschäft, er starb als „Pfründner“.
Werke
Volksschauspiel Die Lerchenfelder Kathl (UA 25.10.1868 Thaliatheater), Quodlibet Das Wr. Elisium (4 Abteilungen, je eine f. Männerchor, großes Orch., Blech-Harmonie und Militärmusik), Heroische Tongemälde f. Orch., Märsche f. Militärmusik (Wr. Walzer-Marsch nach Melodien von J. Lanner, Joh. Strauss [Vater] und Ph.? Fahrbach), Tanzmusik (Walzer, Polkas etc.) und Ouvertüren f. Kl., Orch., Harmoniemusik oder Türkische Musik, Lieder, Instrumentierungstabelle (1868).

Sein Stiefsohn?

Johann Nepomuk Obereder: * 30.6.1841 Josefstadt (Wien VIII), † nach 1857 (Ort?). Violinist. Er war ein unehelicher Sohn der Weißnäherin Josepha Obereder, im Taufbuch ist kein Vater eingetragen und auch keine spätere Legitimation vermerkt. Sein Taufpate war der (Militär-)Kapellmeister Johann Nepomuk Judex, was auf dessen Vaterschaft hindeuten könnte. Er könnte aber auch jener ältester „Sohn“ von And. P. gewesen sein, der sehr gut Violine spielte und der ab spätestens 1855 mit And. und Ant. P. als Familie P. Konzertauftritte und -reisen unternahm. Über seinen weiteren Lebensverlauf ist bislang (2021) nichts bekannt.

Andreas’ Sohn

Anton von Padua: * 5.10.1844 Josefstadt, † nach 1866 (Ort?). Pianist. Unehelicher Sohn seines Vaters mit J. Obereder. Erster Unterricht vermutlich vom Vater, spätestens ab 1855 Auftritte und Konzertreisen im Familienverband. 1862 trat er als Salonpianist in Wien auf, ab 1863 studierte er am Konservatorium der GdM Klavier (1863–66, bei J. Dachs) und Generalbass (1863/64). Ca. 1866 war er Klavierlehrer an einem Knabenerziehungsinstitut in Ödenburg, danach verliert sich seine Spur.

Antons Halbbruder

Eduard Anton: * 12.10.1851 [nicht 1857] Wien, † 29.1.1908 Steyr/OÖ [nicht März 1908 Linz]. Kapellmeister und Komponist. Vorehelicher Sohn von And. P. und Anna Neuberger. Vom Vater gefördert, trat er im Familienverband spätestens ab Sommer 1857 öffentlich auf (Wiener Vorstadtlokale und -bühnen). Mit sechs Jahren hatte er bereits den Beinamen „Kleiner Kapellmeister“ und konnte im Alter von zehn Jahren Klavier, Physharmonika, Violoncello und Trommel spielen. E. P., der schon in Kinderjahren komponierte, studierte am Konservatorium der GdM 1866/67, (als Stiftling) 1868–70 (jeweils bei K. Schlesinger) und 1873/74 (bei H. Röver) Violoncello sowie 1869/70 im Nebenfach auch Klavierbegleitung (bei W. Schenner), wobei er seine Studien nie abschloss. Nach eigenen Angaben war er auch Schüler von A. Bruckner. Während der Studienzeit Tätigkeit als Cellist in Wiener Kirchen und in Singspielhallen. Anschließend schlug er eine Laufbahn als Theaterkapellmeister ein, seine Engagements führten ihn nach Pressburg (1874/75), Würzburg/D und (Bad) Kissingen/D (1875/76), Oldenburg?/D (1876/77), Stralsund/D (1877/78), Essen/D (1878/79), Gotha/D (Sommer 1878, 1879), Leitmeritz (1879/80), Hamburg/D (1880/81 Wilhelm-Theater, 1893/94 Carl-Schultze-Theater), Graz (1881/82), Aussig an der Elbe (1882), Teplitz (1882–84), Amsterdam (1884), New York/USA (Thaliatheater 1884–86 und 1887/88; Amberg-Theater 1889–91 [neben K. Stix]; Irving Place Theatre 1897/98), Mödling (Sommer 1886), Budapest (1886/87 [neben H. M. Wallner]), (Bad) Ischl (Sommer 1887), Innsbruck (1891/92), Magdeburg/D (1892/93), Karlsbad (Sommer 1893), Danzig (Gdańsk/PL; 1894/95), Wiener Neustadt (1898/99), Ödenburg und Pressburg (1899–1903), Czernowitz (1900, mit dem Neuen Wiener-Budapester Theater-Varieté), Ingolstadt/D (1903/04), Prag (Deutsches Volkstheater Sommer 1904, 1905 [neben A. Schreiber], 1907), Meran (1904–06), Esseg (Osijek/HR; 1906/07), Schwechat (1907), Steyr (1907/08). Mit J. Ferenczys Operettentruppe unternahm er von Hamburg aus 1893/94 auch eine Amerika-Gastspielreise. Seine letzte Theatervorstellung dirigierte er schwer erkrankt nur wenige Tage vor seinem Tod. Am 7. oder 11.8.1885 heiratete P. in New York C. Engländer (Ziviltrauung). Die gemeinsame Tochter Anna Aloisia P. (Pseud. Anna Eng; * 6.9.1886 Wien, † 1939 [Ort?]/CZ) wurde Malerin und heiratete am 6.12.1919 in Wien den Trickfilmzeichner und Karikaturisten Peter Anton Engelmann (Pseud. Peter Eng; 1892–1939). P. und seine Frau dürften sich Ende der 1890er Jahre getrennt haben, er scheint daraufhin eine neue Beziehung eingegangen zu sein. Bei seinem Tod werden eine junge Witwe und zwei kleine Kinder in Budapest als Hinterbliebene genannt.


Werke
Bühnenwerke (Silberpappel und Korkstoppel oder: Die Statuten der Ehe UA Graz 26.11.1881 [geplant am Carltheater]; Klein Däumling UA? Teplitz 22.7.1883; Festspiel UA? Mödling 1886; Herrn Nigerls Reise nach Paris 1889; Die Eifersüchtigen UA? 29.7.1904 Prag; Die Rastelbinderfamilie UA Meran 1905; Die Wunderblume = Christnachtszauber UA 18.12.1907 Teplitz), Prelude f. Orch., Tanzmusik (Walzer, Quadrille, Polkas etc.).
Literatur
Kosch 3 (1992); O. Flüggen, Biographisches Bühnen-Lex. der dt. Theater In Arbeit 1892; U. S. Schneider in Mitt.en aus dem Brenner-Archiv In Arbeit Nr. 30 (2011); Stieger II/2 (1977); C. F. Pohl, Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium In Arbeit 1871, 175; Ulrich 1997; Wr. Ztg. 14.2.1833, 152, 15.6.1833, 552, 31.8.1833, 806, 3.5.1834, 409, 18.4.1835, 453, 8.8.1835, 905, 14.11.1835, 1269, 23.6.1838, 893, 25.4.1840, 779, 22.8.1840, 1615, 3.10.1840, 1878, 13.2.1847, Intelligenzbl., 201, 27.2.1853, 509, 28.8.1861, 3088, 24.11.1861, 4312, 23.3.1862, Beilage (Wr. Tagesbericht), 412, 21.3.1862, Beilage (Wr. Tagesbericht), 464, 21.12.1862, Beilage (Wr. Tagesbericht), 1772, 8.3.1863, 721, 31.1.1864, 348, 8.5.1864, 453, 1.6.1864, 709, 26.2.1865, 620, 6.5.1865, 467, 2.9.1866, 610, 3.10.1866, 19, 24.3.1867, 916, 24.11.1868, 696; Allgemeine Theaterztg. und Originalbl. 2.11.1833, 884; Neue Salzburger Ztg. 2.7.1855, 4; Ischler Fremden-Bl. 9.7.1855, 4; Ischler Fremden-Salon 12.7.1855, 2f; Fremden-Bl. 31.8.1855, 8, 8.8.1856, 8, 17.8.1856, 7, 24.8.1856, 7, 21.12.1856, 6, 19.8.1858, 7, 16.4.1859, 7, 22.1.1861, 11, 23.3.1861, 15, 23.11.1861, 8, 6.3.1862, 8, 15.10.1865, 13, 2.8.1867, 8, 28.8.1867, Abendbl., 14; Neuigkeiten 30.4.1857, 4, 5.5.1857, 3; Hans Jörgel von Gumpoldskirchen 5.10.1857, 9f; Znaimer Wochenbl. 21.3.1858, 4; Die Presse 30.1.1859, 8, 23.10.1868, Beilage, 1; Salzburger Ztg. 21.5.1859, 4; Morgen-Post 7.2.1858, 4, 31.1.1859, 3, 18.6.1860, 4, 27.11.1881, 5, 12.6.1886, 8; Oedenburger Lokal-Bl. 2.5.1866, 138; Figaro 2.11.1867, 8, 2.5.1868, 7, 23.5.1868, 11, 20.6.1868, 7, 27.6.1868, 14, 25.7.1868, 7, 3.10.1868, 12, 17.10.1868, 7, 31.10.1868, 11; Neues Wr. Tagbl. 9.1.1868, 8, 7.6.1887, 6; Das Freie Bl. 22.2.1873, 8; Neues Fremden-Bl. 1.2.1874, 3f; Grazer Volksbl. 26.11.1881, 8, 29.11.1881, 6, 21.11.1885, 8; Leitmeritzer Ztg. 13.5.1882, 459; Teplitz-Schönauer Anzeiger 21.7.1883, 4, 23.4.1884, 3, 2.2.1898, 6, 21.12.1907, 10, 14.3.1908, 7; Innsbrucker Nachrichten 23.4.1892, 6; Bukowinaer Post 15.4.1900, 10; Der Humorist 10.12.1902, 3; Prager Tagbl. 24.7.1904, 8, 27.7.1904, 5, 23.4.1905, 17, 25.8.1905, 13, 30.8.1905, 7, 23.5.1907, 7, 14.3.1908, 8, 25.3.1908, 14; Montagsbl. aus Böhmen 1.8.1904, 6; Der neue Bezirksbote für den politischen Bezirk Bruck an der Leitha 29.9.1907, 4; [Linzer] Tages-Post 3.1.1908, 10, 25.1.1908, 8, 31.1.1908, 3; Taufbuch 1790–1814 der Pfarre Neubistritz, fol. 139v; Taufbuch 1841 der Pfarre Maria Treu (Wien VIII), fol. 61; Taufbuch 1844 der Pfarre Maria Treu, fol. 99; Taufbuch 1850–51 der Alservorstadtpfarre (Wien VIII), fol. 400; Trauungsbuch 1850–53 der Alservorstadtpfarre, fol. 206; Sterbebuch 1876 des Alservorstadtkrankenhauses (Wien), fol. 21; Taufbuch 1886 der Pfarre St. Leopold (Wien II), fol. 215; Sterbebuch-Duplikat 1908 der Pfarre Steyr; RZ 16; Trauungsbuch 1915–20 der Pfarre Mariahilf (Wien VI), fol. 284; eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Dt. Bühnen-Jahrbücher und -Almanache 1875–1909; Kataloge der ÖNB-Musikslg.; NÖ Landesarchiv; www.anno.onb.ac.at; www.familysearch.org [5/2021]).

Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
4.2.2022
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Pölz, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 4.2.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003ceb4f
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x003ceb4f
GND
Pölz, Andreas: 1250423376
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Pölz, Johann Nepomuk Obereder: 1250423619
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Pölz, Anton: 1250423929
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Pölz, Eduard: 1250424259
OBV
Weiterführende Literatur

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