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Pommer, Pommer, Josef: Familie
Josef: * 1845-02-077.2.1845 Mürzzuschlag/St, † 1918-11-2525.11.1918 Gröbming/St (Freitod). Gymnasiallehrer, Volksliedforscher, Politiker. Schulbesuch in Graz, Laibach, Cilli (Celje/SLO) und Marburg (Reifeprüfung 1864); private Studien in Klavier, Musiktheorie und Kompositionslehre. 1864–70 Studium an der Philosophischen Fakultät der Univ. Wien (Dr. phil. 27.7.1870), absolvierte 1873/74 die Lehramtsprüfung für philosophische Propädeutik, Mathematik und Physik (Unterklassen) sowie Deutsch. Anschließend Lehrer am Mariahilfer Communal-Real- und Obergymnasium (Wien VI) und am städtischen Pädagogium, 1907 pensioniert. P. war kultur-, partei- und medienpolitisch in führenden Positionen in der deutschnational antisemitischen Bewegung Wiens tätig, aus der heraus er seine weltanschaulich geprägten Ideen und Pläne zum Volkslied entwickelte. Mitglied der deutschradikalen Burschenschaft Silesia, ab 1880 Gründungsmitglied und Vereinsleitung des Deutschen Schulvereins. Aus antisemitischen Gründen Austritt und 1886 Mitgestaltung des antisemitischen Schulvereins für Deutsche, der P.s erste Jodler- und Juchezer-Sammlung als Agitationsmaterial vertrieb. Mitarbeit an Georg v. Schönerers Unverfälschten Deutschen Worten, am Deutschen Volksblatt (erstes antisemitisches Tagblatt Wiens), an der Ostdeutschen Rundschau und im Verein Deutsche Presse. 1895–97 deutschnationaler Wiener Gemeinderat, 1897–1907 Reichsratsabgeordneter der Deutschen Volkspartei (Wahlkreis Cilli). P. sammelte ohne technische Aufzeichnungshilfen zahlreiche Lieder, Jodler und Juchezer. Sein Schwerpunkt lag auf den österreichischen Alpen als Inbegriff einer als ‚echt‘ deutsch interpretierten Nationalkultur und insbesondere auf Jodlern und Juchezern in der Vorstellung einer ‚reinen‘ und deutschnational antisemitisch kodierten Verfasstheit. Mit seinem systematischen Melodienregister in 444 Jodler und Juchezer gilt er als Mitbegründer der systematischen Volksmusikforschung in Österreich. Seine programmatischen Ideen und Realisierungen eines organisierten, kollektiven Singens von als echt deutsch erachteten Volksliedern in Gesangsvereinen – auch Frauen wurden eingebunden – führten zu urbaner Präsenz des Volksliedes in Österreich, zunächst vornehmlich im bürgerlichen Milieu. P.s abgrenzende Begriffsfassung vom Volkslied richtete sich gegen „Lieder im Volkston“, Liedertafeln (Männergesang) und lokal-urbane sowie internationale Popularmusikformen.1889 gründete er den Deutschen Volksgesang-Verein in Wien (langjähriger Chormeister: K. Liebleitner), verfolgte den Ausbau eines Netzes an Zweigvereinen und rief 1904 einen eigenen Sängerbund Deutsches Volkslied ins Leben. Neben Sammel- und Vereinstätigkeit intensive Publikationstätigkeit für die musikalische Praxis. Veröffentlichung kostengünstiger Volksliedausgaben für Männerchor und gemischten Chor sowie von Liedersammlungen, Herausgabe der Flugschriften zur Kenntnis und Pflege des deutschen Volksliedes ab 1892 unter seiner Leitung, 1899 Gründung der Zeitschrift Das deutsche Volkslied. 1909 veröffentlichte er gem. m. H. Fraungruber das bis in die 1930er Jahre auflagenstarke Deutsche Schul-Liederbuch. Diesem lag ein kulturpolitisches Konzept der Volkserziehung zugrunde: das deutsche Volk sollte moralisch und nationalkulturell erneuert werden. Der „Rezeptionstheorie“ John Meiers stellte P. die „Produktionstheorie“ (das Volkslied wird vom Volk selbst geschaffen) gegenüber. Das 1904 von staatlicher Hand initiierte Unternehmen Das Volkslied in Österreich (Österreichisches Volksliedunternehmen) gestaltete er führend mit und setzte sich insbesondere für die Anliegen der deutschen Arbeitsausschüsse ein. P. beeinflusste maßgeblich die Österreichische Volkslied-, Volkstanz- und Jugendmusikbewegung. Sein Nachlass befindet sich im Österreichischen Volksliedwerk.
Gedenkstätten
J.‐P.‐Gasse (Wien 13, benannt seit 1934 nach J. Pommer); Dr.-J.-P.-Gasse (Mürzzuschlag); P.gasse (Graz IV); Gedenktafel am Rathaus von Mürzzuschlag.
Ehrungen
Reg.rat 1908; zahlreiche Vereinsehrungen.
Werke
(Auswahl): Hg. bzw. Bearb.: Liederbuch für die Deutschen in Österreich 1884/51905; Zwei alte Studentenlieder aus dem 17. Jh. o. J.; Jodler und Juchezer, 3 Slgn. 1889/1893/1902; 252 Jodler und Juchezer 1892/1893; 444 Jodler und Juchezer aus Steiermark und dem steirisch-österr. Grenzgebiete 1902; Dt. und. deutschösterr. Volkslieder f. Männerchor, 21 H.e 1889–1903; gem. m. Augusta Bender: Fränkische Volkslieder aus der Slg. des Freiherrn von Ditfurth 1895; gem. m. A. Bender: Oberschefflenzer Volkslieder und volkstümliche Gesänge 1902; Turracher-Lieder 1908; gem. m. H. Fraungruber: Deutsches Schul-Liederbuch, 4 H.e 1909 (bis 1936 mehrere Auflagen); Blattl-Lieder. Nach Wort und Weise verfasst von dem Tiroler Bauerndichter Christian Blattl 1910; Wirkliche dt. Volkslieder in Einzelausgaben 1912.
Schriften
(Auswahl): Ueber die politischen Bedürfnisse und Pflichten der Deutschen in Oesterreich 1885; gem. m. A. Göllerich Die Pflege des dt. Volksliedes – eine Ehrenpflicht der Deutschnationalen, Innsbruck,  (Gert). 429ff..Ammann Graz,  1-7,  Prag,  Kassel, in Aderhold in: Werner (Michael).  Litschauer/Walburga Kube Salzburg, 1971/72 55.Internationale Stiftung Mozarteum  Linz,  14/1 und 14/2,  völlig neu bearbeitete Auflage/ Berlin, in Stammler in: Wolfgang (Kurt).  Ruh Wien, in Grasberger in: Renate (Erich Wolfgang Anton Bruckner Dokumente und Studien).  PartschJournal of Musicological Research. Aufl. 2-3 133–145. Atzenbrugg,  Stuttgart, in Hermand in: Jost (Reinhold).  Grimm Prag,  Wien, 58 Musical Quarterly. Aufl. 349–364. 43, 281.39 Singende Kirche. Aufl. 127–132. New York,  (Murray). Current Musicology. Aufl. 37-38 75–88.Dineen28 Musikforschung. Aufl. 153–156. 15,  Berlin, in Müller in: Gerhard (Gerhard Theologische Realenzyklopädie).  770–778KrauseWien Innsbruck,  Tutzing,  (Hubert). 335ff..Unverricht Graz,  in 3. Jahresbericht des Schulvereines für Deutsche 1889; Flugschriften zur Kenntnis und Pflege des dt. Volksliedes, hg. v. Dt. Volksgesang-Verein in Wien 1892–1924 (zum Großteil bearb. v. J. Pommer); Wegweiser durch die Literatur des Dt. Volksliedes 1896; Das dt. Volkslied. Zs. für seine Kenntnis und Pflege 1899ff, darin zahlreiche Artikel, wie z. B. Was wir wollen in 1 (1899); Über das älplerische Volkslied, und wie man es findet in Zs. des dt. und österr. Alpenvereins 27 (1896); Das Bewusst-Kunstmäßige in der Volksmusik Innsbruck,  (Gert). 429ff..Ammann Graz,  1-7,  Prag,  Kassel, in Aderhold in: Werner (Michael).  Litschauer/Walburga Kube Salzburg, 1971/72 55.Internationale Stiftung Mozarteum  Linz,  14/1 und 14/2,  völlig neu bearbeitete Auflage/ Berlin, in Stammler in: Wolfgang (Kurt).  Ruh Wien, in Grasberger in: Renate (Erich Wolfgang Anton Bruckner Dokumente und Studien).  PartschJournal of Musicological Research. Aufl. 2-3 133–145. Atzenbrugg,  Stuttgart, in Hermand in: Jost (Reinhold).  Grimm Prag,  Wien, 58 Musical Quarterly. Aufl. 349–364. 43, 281.39 Singende Kirche. Aufl. 127–132. New York,  (Murray). Current Musicology. Aufl. 37-38 75–88.Dineen28 Musikforschung. Aufl. 153–156. 15,  Berlin, in Müller in: Gerhard (Gerhard Theologische Realenzyklopädie).  770–778KrauseWien Innsbruck,  Tutzing,  (Hubert). 335ff..Unverricht Graz,  in Kalender des Dt. Schulvereins auf das Jahr 1902, Jg.16 [1902]; Das Volkslied in Österreich. Anleitung zur Slg. und Aufzeichnung. Fragebogen [1906]; Die Wahrheit in Sachen des österr. Volksliedunternehmens 1912; Das Wesen des Volksliedes Innsbruck,  (Gert). 429ff..Ammann Graz,  1-7,  Prag,  Kassel, in Aderhold in: Werner (Michael).  Litschauer/Walburga Kube Salzburg, 1971/72 55.Internationale Stiftung Mozarteum  Linz,  14/1 und 14/2,  völlig neu bearbeitete Auflage/ Berlin, in Stammler in: Wolfgang (Kurt).  Ruh Wien, in Grasberger in: Renate (Erich Wolfgang Anton Bruckner Dokumente und Studien).  PartschJournal of Musicological Research. Aufl. 2-3 133–145. Atzenbrugg,  Stuttgart, in Hermand in: Jost (Reinhold).  Grimm Prag,  Wien, 58 Musical Quarterly. Aufl. 349–364. 43, 281.39 Singende Kirche. Aufl. 127–132. New York,  (Murray). Current Musicology. Aufl. 37-38 75–88.Dineen28 Musikforschung. Aufl. 153–156. 15,  Berlin, in Müller in: Gerhard (Gerhard Theologische Realenzyklopädie).  770–778KrauseWien Innsbruck,  Tutzing,  (Hubert). 335ff..Unverricht Graz,  in Mein Österreich, mein Heimatland. Illustrierte Volks- und Vaterlandskunde des Österr. Kaiserstaates 1914.


Sein jüngster Sohn

Helmuth: * 3.5.1883 Wien, † 12.2.1967 Bregenz. Evangelischer Geistlicher, Volksliedsammler und -forscher. Wirkte 1917–61 als Pfarrer in Bregenz und war 1952–56 Superintendent von Vorarlberg. Als Chordirigent leitete er den Singkreis Bregenz. Er bemühte sich, die Tätigkeit seines Vaters fortzusetzen und gab mehrere Volksliedsammlungen und -bearbeitungen heraus (auch aus dem Nachlass seines Vaters).


Werke
14 Weihnachtslieder aus dem Volke ausgewählt und. für. gemischten Chor gesetzt 1922; Volkslieder und Jodler aus Vorarlberg 1924; Weihnacht im dt. Volkslied 1926; Dt. Schul-Liederbuch 1932 (gem. m. H. Fraungruber); Lieder des dt. Alpenvolkes 1925–27. – (Hg.) 25 Volkslieder aus Franken ausgewählt v. J. P. 1924; Aus des Volkes Seele. Lieder der Singgemeinschaften am dt. Volkslied 1926–66 (NA 1995ff).
Schriften
Kriegspredigten im Felde und Daheim 1917.
Literatur
W. Deutsch in Österr. Zs. f. Volkskunde 49/98 (1995); E. K. Blümml et al., Die Volksliedbewegung in Deutschösterreich 1910; MGG 10 (1962) u. 13 (2005); K. M. Klier in Das dt. Volkslied 28 (1926); K. Kronfuß in Das dt. Volkslied 21 (1919); I. Mochar-Kircher, Das „echte dt.“ Volkslied. J. P. (1845–1918) – Politik und nationale Kultur 2004; I. Mochar-Kircher in JbÖVw 53/54 (2004/2005), 64 (2015); W. Deutsch/E. M. Hois (Hg.), Das Volkslied in Österr. 2004; ÖBL 8 (1983); H. Dvorak, Biographisches Lex. der Dt. Burschenschaft Bd. I/4 (2000); DBEM 2003; Riemann 1975; NGroveD 20 (2001); StMl 1962–66 u. 22009; F-A 1936; O. Rathkolb in O. Rathkolb et al., Forschungsprojektbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ 2013 (online); www.vorarlberg.at (10/2004).

Autor(en)
Iris Mochar-Kircher
Gerlinde Haid †
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Iris Mochar-Kircher/Gerlinde Haid †/Christian Fastl, Art. „Pommer, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 17/03/2021]

MEDIEN
Josef Pommer (Radio Wien 24.11.1933, 4)
HÖRBEISPIELE

Josef Pommer singt den Ruf des Stiererbauern und den Mehlsuppendudler am 14.5.1906 im Phonogrammarchiv der ÖAW, aufgenommen von Sigmund Exner
© 2004 Österreichische Akademie der Wissenschaften

Josef Pommer und Karl Kronfuß singen den Pischendorfer Jodler und den Jodler aus der Bärnschitzen am 21.12.1906 im Phonogrammarchiv der ÖAW, aufgenommen von Fritz Hauser
© 2004 Österreichische Akademie der Wissenschaften

GND
Pommer, Josef
Weiterführende Literatur (OBV)
GND
Pommer, Helmuth
Weiterführende Literatur (OBV)

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