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Ritzinger Ritzinger true (verh. Wienrich), Josefine
* 1878-05-2121.5.1878 Wien, † 1963-12-066.12.1963 Wien. Sängerin (Sopran). Die Tochter eines Handelsmanns erhielt ab 1893 ihre Gesangsausbildung am Konservatorium der GdM (zunächst Vorbildung bei Jos. Gänsbacher, Ausbildung 1895/96 bei F. Mancio, danach wieder bei Gänsbacher). Am 5.1.1897 trat sie aus, im darauffolgenden Semester wieder ein und studierte fortan Operngesang bei I. Schlemmer-Ambros. Wegen Erkrankung o. ä. war keine Prüfung möglich. 1898/99 setzte sie das Studium fort, verließ das Konservatorium am 27.4.1899 jedoch erneut, ohne eine Abschlussprüfung gemacht zu haben. Später Schülerin von M. Ulanowsky, mit dem sie ihre Gesangspartien einstudierte. Im April 1904 wirkte sie bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Palais des Prinzen Alois Liechtenstein mit, wo sie u. a. im komischen einaktigen Singspiel Die Tante schläft (M: Henri Caspers, s. Abb.) auftrat. Nach einem erfolgreichen Vorsingen an der Volksoper Wien im Jänner 1907 wurde sie ab Herbst als jugendlich-dramatische Sängerin engagiert. Bis zum Frühjahr 1912 blieb sie Mitglied dieses Hauses, zu ihren Rollen zählten Agathe in C. M. v. Webers Der Freischütz, Pamina in W. A. Mozarts Die Zauberflöte, Elsa in R. Wagners Lohengrin, Gretchen in Charles Gounods Margarethe (Faust), Micaëla in Georges Bizets Carmen oder Rosalinde in J. Strauss’ Sohn Die Fledermaus, die sie 1911 auch bei einem Gastspiel bei den Kölner Festspielen sang. Im März 1912 gastierte R. am Grazer Opernhaus als Blanchefleur in W. Kienzls Der Kuhreigen. An der Volksoper, wo die Oper am 23.11.1911 uraufgeführt worden war, war sie die Zweitbesetzung von M. Jeritza gewesen. In Graz lobte man R.s „schöne, üppige Stimme mit ihrer vornehmen Kultur und diese Künstlerpersönlichkeit voll Charme“ (Grazer Volksbl. [Abend-Ausgabe] 16.3.1912, 2). Im Juni 1912 gastierte sie mit einem Wiener Operettenensemble am Londoner Coliseum. Ihren einzigen Auftritt an der Hofoper hatte R. am 10.9.1912 als Einspringerin für die erkrankte Elsa Bland als Elisabeth in R. Wagners Tannhäuser. Mit dem Engagement als Erste Operettensängerin ans Johann Strauß-Theater ab der Saison 1913/14 erfolgte ihr endgültiger Wechsel ins Operettenfach. Dazu kamen Auftritte als Konzertsängerin sowohl in Wien als auch außerhalb (darunter Bad Ischl, Abbazia [Opatija/HR], Laibach), u. a. mit dem Wiener Tonkünstlerorchester. Ende 1913 kolportierte man ihr Ausscheiden aus dem Johann Strauß-Theater mit Saisonende 1913/14, sie erhielt jedoch für die nachfolgende Saison zunächst einen sechsmonatigen Urlaub. Mit Kriegsausbruch wurde R.s Vertrag mit dem Johann Strauß-Theater gelöst und nach der Wiedereröffnung im November engagierte man sie nicht wieder. Ab Dezember 1914 absolvierte sie ein sechsmonatiges Gastspiel als Operettensängerin am Dresdner Central-Theater, worauf sie ein Engagement erhielt. Hier heiratete sie am 1.3.1917 den Bankdirektor und bis 1931 administrativen Leiter bzw. Geschäftsführer des Dresdner Central-Theaters, Felix Wienrich (* ca. 1869 [Ort?], begr. 6.9.1937 Wien). Am 7.4.1921 beendete R. ihre Bühnenkarriere und zog sich ins Privatleben zurück. Nachdem ihr Ehemann Anfang 1931 seine Positionen bei der Bank für Bauten und der Central-Theater-Betriebsges.m.b.H. in Dresden aufgegeben hatte, übersiedelte das Ehepaar nach Wien.
Ehrungen
Ehrenzeichen des Roten Kreuzes II. Klasse 1915.
Werke
Plattenaufnahmen.
Literatur
W. R. Lachmann/A. Schwarze, Mythos Central-Theater 22024; K-R 1997; Der Humorist 21.2.1907, 2, 10.6.1914, 2, 10.1.1915, 5; Sport & Salon 9.4.1904, [6], 29.6.1907, 11; Neues Wr. Journal 10.4.1904, 7, 4.12.1912, 11, 9.6.1914, 10, 4.11.1915, 11, 29.5.1919, 12; Neues Wr. Tagbl. 23.6.1911, 14, 31.12.1912, 16; Grazer Volksbl. (Abend-Ausgabe) 16.3.1912, 2; Wr. Salonbl. 4.7.1908, 16; Dt. Volksbl. 11.9.1912, 9; Neuigkeits-Welt-Bl. 14.1.1915, 25; Sächsische Staatsztg. 21.12.1914, 12, 6.12.1920, [5]; Dresdner Nachrichten 7.9.1937, 4; Taufbuch der Pfarre Mariahilf (Wien VI) 1876–79 fol. 211; www.friedhoefewien.at (6/2025); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.deutsche-digitale-bibliothek.de; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
29.7.2025
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Ritzinger (verh. Wienrich), Josefine“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 29.7.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001df59
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Szenenfoto aus Die Tante schläft (J. Ritzinger stehend 1. von links, Sport & Salon 9.4.1904, 5)© ANNO/ÖNB
Foto als Vindobona (Wr. Hausfrauen-Ztg. 31.5.1908, [337]) © ANNO/ÖNB
Wr. Bilder 28.9.1913, 13© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001df59
GND
Ritzinger (verh. Wienrich), Josefine: 104256471X
OBV
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