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Sänger- und Musikantentreffen
Eine Veranstaltung, bei der sich Sänger und Musikanten der Stilrichtung Volksmusik zwanglos und ohne Gage, also primär zur eigenen Freude, in geselligem Rahmen zum Singen und Musizieren zusammenfinden, wobei ein interessiertes Publikum durchaus teilnehmen kann. S. u. M., in Tirol, Salzburg und Bayern auch „Huangart“, „Hoagart“, „Hoagascht“ u. ä. (= Heimgarten, Treffpunkt der Nachbarschaft) genannt, sind ein Phänomen, das sich in der österreichischen und bayerischen Volksmusikpflege etwa seit der Mitte des 20. Jh.s entwickelt hat. Während das älteste derartige Treffen, das 1948 begonnene Stanglwirtstreffen in Going/T der Initiative einer Wirtin und ihrem Engagement für Geselligkeit und „heimatliche Werte“ in der Nachkriegszeit zu danken ist, ist die Motivation vieler Treffen der 1970/80er Jahre die Abkehr von erstarrten Formen, die die Volksmusikvermittlung im Vereinsleben, in Bildungsinstitutionen und in den Medien durch die oftmals rein konzertante Aufführungspraxis angenommen hat. Man begegnet dieser Erstarrung nun mit Veranstaltungsformen, die der Volksmusik ihren „Sitz im Leben“ zurückgewinnen sollen. Der mündlich überlieferte Ausspruch des Wiener Gestaltanalytikers Franz Eibner: „Das Wirtshaus ist die Hochschule der Volksmusik“ (1972), der zum „geflügelten Wort“ wird, sowie die Erfahrungen aus zahlreichen volksmusikalischen Feldforschungen und Begegnungen mit Gewährsleuten sind ausschlaggebend für viele diesbezügliche Projekte: Steirischer Geigentag, Musikantenstammtische in Tirol, Wien, Niederösterreich und der Steiermark ab ca. 1980. Schon 1971 wird das Bischofshofener Amselsingen, ursprünglich ein Volksmusikwettbewerb (Wettbewerbe), in ein S. u. M. umgewandelt. Auch der 1925 von R. Zoder gegründete „Pfeifertag“, der Jahrtag der Schwegelpfeifer im Salzkammergut, wird in dieser Zeit mehr und mehr zu einem S. u. M. Inzwischen gibt es Musikantenstammtische an vielen Orten Österreichs und Bayerns. Während der Terminus S. u. M. heute auch für sehr viele de facto konzertmäßig ablaufende Volksmusikveranstaltungen verwendet wird, um dem Publikum Nähe und Unmittelbarkeit zu suggerieren, entstehen laufend neue, viel besuchte Volksmusik-Veranstaltungstypen wie Musikantenwallfahrt, Musikantenschießen, „Wieder Aufspielen beim Wirt“ u. a. in Verbindung ländlicher Festkultur mit der Mobilität der gegenwärtigen Freizeitgesellschaft.
Literatur
Beiträge v. P. Brandstätter u. W. Deutsch in G. Anker, 100. Jubiläums-Sängertreffen beim Stanglwirt 1999; B. Breit, Das Wirtshaus ist die Hochschule der Volksmusik 1990 [Film]; G. Haid in W. Deutsch (Hg.), [Kgr.-Ber.] Tradition und Innovation. Vorträge des 14. Seminars für Volksmusikforschung. Wien 1985, 1987; G. Haid in W. Deutsch/W. Schepping (Hg.), Musik im Brauch der Gegenwart 1988; G. Haid et al. in Wissenschaftlicher Film 42 (April 1991); G. Haid in Das Leben zum Klingen bringen, hg. v. Steirischen Volksliedwerk 1998; R. Pietsch in H. Schnur (Hg.), Ländliche Kulturformen – ein Phänomen der Stadt 1994.

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Sänger- und Musikantentreffen‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]