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Sailer Sailer true (Sailler), Fr. Stephanus (Andreas)
get. 27.5.1741 Winden am See/Bl, † 1814 -01-1515.1.1814 Wien. Organist, Regens chori und Komponist. Sohn von Philipp und Ursula S. Am 21.11.1761 wurde er bei den Barmherzigen Brüdern in Wien eingekleidet, legte dort 1762 die Profess ab und wird dabei als Organist bezeichnet. Bald danach ging er nach Graz, wo er vom 22.10.1767 bis zum 8.9.1772 als Regens chori im Konvent unter Prior V. Kneer tätig war (ab 1.11.1772 folgte ihm Fr. A. Miksch in dieser Eigenschaft). 1780–83 war er Prior der Ordensresidenz in Triest und 1784–1810 in Görz (Gorizia/I). Hier wird er auch als Arzt geführt, was bedeutet, dass er die zweijährige Nach-Noviziats-Ausbildung in Medizin (Chirurgie etc.) im Spital in Feldsberg (Valtice/CZ) absolviert hatte. 1810 verließ er Görz, da er eine Weiterexistenz des Klosters aufgrund der Wirren der Franzosenkriege nicht mehr für möglich hielt. Während seines Priorates wird es als „wackerer Kämpfer“ für die Erhaltung des Görzer Hauses bezeichnet. Von Görz ist er 1810 vermutlich über Prag (im Notenbestand des dortigen Konvents finden sich 43 Kompositionen italienischer Provenienz die „v. a. S. aus der Mailänder Provinz brachte“) nach Wien zurückgekehrt. Er dürfte der Neffe von Haydns Schwiegermutter, Maria Elisabeth Keller, geb. Sailler, gewesen sein.

1780 wurde anlässlich der 100-jährigen Pestfeier im Konvent der Barmherzigen Brüder Graz eine von S. komponierte Litanei aufgeführt, die allerdings von den Festgästen, welche sich während des Essens unterhalten wollten, abgelehnt worden ist, da sie zu wenig „lustig“ war (Hausprotokolle).

Nicht zu verwechseln mit Joseph Anton Seyler (* ca. 1778 Lauterbach/Böhmen, † nach 1860). Nach derzeitigem Stand sind bis auf 6 Messen die kleineren kirchenmusikalischen Werke vorherrschend. Lediglich ein Autograph (Tres Psalmi, A-Gmi), komponiert vor 1761, kann bisher mit Sicherheit nachgewiesen werden. Den Rest bilden fast ausschließlich zu seinen Lebzeiten (die frühesten bereits um 1770) entstandene Kopien. Die in Litoměřice verwahrten Handschriften S.scher Kompositionen mit Besitzvermerken „Ex Mus: Jos: Strobach“ oder „Fr. Strobach“ deuten möglicherweise auf eine Bekanntschaft mit Josef Strobach (* 1731 Zwittau/D, † 1794 Prag; Regens chori an mehreren Prager Kirchen) aus dessen Wiener Zeit (nachweislich 1757) als Musiker. Dieser vererbte seinem Sohn Franz (* 1760 Prag, † nach 1810) eine umfangreiche Notensammlung, in der sich die Handschriften befinden.


Werke
Messen, Offertorium, Litaneien, Vespern und Psalmen daraus, Salve regina und Pange lingua.
Literatur
I. Schubert in StMw 39 (1988) [mit WV]; I. Schubert, Musikalienbestände im Institut für Musikwissenschaft der Univ. Graz 1 (1992); M. Freemanová-Kopecká, Collectio fratrum misericordiae kukussiensis. Catalogus artis musicae in bohemia et moravia cultae 1998; H. C. R. Landon, Haydn: Chronicle and Works 1 (1980); E. Trolda in Cyrill 64 (1938) u. 70 (1944); V. Pranger, Gesch. des Klosters und des Spitales der Fr. Barmherzigen Brüder in Graz und der innerösterr. Ordensprovinz zum heiligsten Herzen Jesu 1908.

Autor(en)
Ingrid Schubert
Empfohlene Zitierweise
Ingrid Schubert, Art. „Sailer (Sailler), Fr. Stephanus (Andreas)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/09/2003]