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Scarlatti, Scarlatti, Alessandro Familie
Pietro Alessandro Gaspare: * 1660 -05-022.5.1660 Neapel/I, 1725 -10-2222.10.1725 Neapel. Komponist. Schon 1672 ging S. mit seiner Mutter nach Rom, wo er angeblich Schüler von Giacomo Carissimi wurde. Seine Kontakte zu den künstlerisch und gesellschaftlich wichtigen Kreisen führten 1678 zu Ernennungen zum maestro di cappella in San Giacomo degli Incurabili (bis 1682) und 1683 in San Girolamo della Carità. Nach dem herausragenden Erfolg der komischen Oper Gli equivoci nel sembiante (Rom 1679) war er bis 1683 als maestro di cappella der Königin Christine von Schweden tätig. 1684–1703 wirkte er als Kapellmeister der Cappella Reale in Neapel (Nachfolger von P. A. Ziani), wo er mit Opern- und Oratorienaufträgen für Rom und Florenz/I beauftragt war (in Florenz zählte er zwischen 1690/1706 dem Anschein nach zu den meist gespielten Opern- und Oratorienkomponisten). Nach einem Aufenthalt in Rom zwischen 1703/08, wo er sich gezwungenermaßen vermehrt dem Oratorium und der Kirchenmusik widmete (1706 Aufnahme in die Arcadia und Anstellung bei Kardinal Pietro Ottoboni), wurde er 1708 als 1. Kapellmeister nach Neapel berufen, wo er, von kürzeren Unterbrechungen abgesehen (Rom, Loreto/I), bis zu seinem Tod blieb.

Obwohl S. allgemein für den Gründer der sog. Neapolitanischen Schule gehalten wurde, wird er heute (2005) wegen der Beschränkung der Opernaufführungen auf Italien (wobei S. zu Venedig fast keine Kontakte hatte) und trotz seiner enormen Opernproduktion nicht mehr als besonders einflussreicher Komponist des 18. Jh.s angesehen. Am Wiener Hof beschränkten sich die Aufführungen auf die Oper Gli equivoci nel sembiante, die als Amor non vuol Inganni mit Intermedien von Künstlern des Kaiserhofs 1681 in Linz aufgeführt wurde – von dieser Aufführung blieben nur der 1. Akt von S. und das erste Zwischenspiel von G. B. Pederzuoli erhalten –, und das Oratorium La Maddalena pentita (Benedetto Pamphili/A. S.) 1693 und 1703 in der Wiener Hofburgkapelle. Köchel gibt noch Aufführungen von den Oratorien Sedecia Rè di Gerusalemme (1706; die in der Musiksammlung der ÖNB überlieferte Partitur enthält allerdings nur die Eintragung „Roma 1706“) und San Casimiro Rè di Polonia (1713) an. Zwischen 1728/40 wurden in der Hofburgkapelle wiederholt die A cappella-Messe Messe a Palestrina 1721 sowie sein Stabat mater gespielt. Die Oper Telemaco, deren Autograph in der Musiksammlung der ÖNB überliefert ist, wurde in Wien nicht aufgeführt.


Werke
Von den 114 Opern nach S.s eigener Angabe konnten bisher 66 nachgewiesen werden, darunter Gli equivoci nel sembiante (Rom und Neapel, 1690), La caduta dei Decemviri (Neapel 1697), Il Mitridate Eupatore (Venedig 1707), Telemaco (Rom 1718), Griselda (Rom 1721); Serenate (Il genio austriaco, zur Krönung K. Karls VI. zum ungarischen Kg. am 28.8.1713 aufgeführt); Oratorien: La Maddalena pentita (Wien 1693); Il Sedecia, re di Gerusalemme (Urbino 1705, Rom 1706, A-Wn); Kirchenmusik (Messen, Motteten, mehrere Salve regina, Stabat mater, Te Deum); über 600 Kantaten, meist für Sopran- oder Altstimme mit B. c.-Begleitung; Instrumentalmusik (12 Sinfonie di concerto grosso, 1715, Sonaten für versch. Besetzungen) [WV s. NGroveD].


Sein Sohn Giuseppe Domenico (gen. Mimmo): * 26.10.1685 Neapel, † 23.7.1757 Madrid. Komponist und Cembalist. Schüler von A. S. Ab 1701 war er als Komponist und Organist der Königlichen Kapelle in Neapel angestellt, wo sein Vater Kapellmeister war. Nach den Lehrjahren bei F. Gasparini 1705–08 in Venedig weilte er 1709–19 in verschiedenen Funktionen in Rom (u. a. als Kapellmeister am Privattheater der Königin Maria Casimira von Polen), ab 1720 wirkte er am Hofe Joãos V. von Portugal in Lissabon, ab 1729 in Sevilla/E und ab 1733 in Madrid. In Spanien entstanden auch die meisten Klaviersonaten. Wie die Sammelhandschriften aus dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien mit fast 200 Klaviersonaten D. S.s von ca. 1760 bis nach 1780 belegen, waren seine Sonaten entgegen der früher herrschenden Meinung offenbar auch in Wien bekannt. Dem Anschein nach wurden diese Sonaten entweder durch Monsignore L’Augier (Leibarzt Maria Theresias und Freund P. Metastasios) oder Giuseppe S. nach Wien vermittelt. Nicht bekannt ist das genaue Verwandschaftsverhältnis der Familie S. zu

Giuseppe: * 1718? oder 18.6.1723 Neapel, † 17.8.1777 Wien. Komponist. Seine Opern wurden in zahlreichen Städten Italiens (Rom, Florenz, Pisa, Lucca, Turin, Venedig, Mailand) und auch wiederholt in Wien aufgeführt. Von 1757 (oder 1759) bis zu seinem Tod wirkte er in Wien als Komponist, Cembalist und Musiklehrer der Töchter des Fürsten Joseph Adam Schwarzenberg, wobei er bis 1764 unter besonderem Schutz von Graf G. Durazzo und Ch. W. Gluck stand. Von seinen insgesamt über 30 Opern (21 des Seria- und 11 des Buffo-Typus) wurden in Wien Il mercato di Malmantile (1757, Burgtheater [nach Deutsch]), La serva scaltra (1759, Burgtheater), Issipile (Herbst 1760, Burgtheater), La clemenza di Tito (15.10.?1760, Burgtheater [nach Deutsch; NGroveD: Venedig 1760]), Artaserse (15.2.1763, Burgtheater), Gli stravaganti (11.2.1765, Burgtheater; als La moglie padrona 1768 im Burgtheater wieder aufgeführt), Armida (ca. 1766, Burgtheater [nach NGroveD]), Dove è amore è gelosia (1768, Burgtheater [nach NGroveD]), L’amor geloso (5.7.1770, Wien, Theater Schönbrunn), Amiti e Ontario, o I selvaggi (1772, Burgtheater [nach NGroveD]) und L’isola disabitata (9.12.1773, Kärntnertortheater, danach ins Burgtheater übernommen) aufgeführt. 1762 gelangte im Burgtheater S.s Ballett Les aventures de Serail zur Aufführung.


Literatur
GerberNTL 4 (1812–14); EitnerQ 8 (1902); NGroveD 22 (2001); L. R. v. Köchel, Johann Josef Fux 1872; R. Haas, Gluck und Durazzo im Burgtheater 1725; E. J. Dent, A. S. 1905,21960; A. Lorenz in ZfMw 9 (1926/27); W. Gerstenberg, Die Klavierkompositionen D. S.s 2 (1930); O. E. Deutsch in ÖMZ 24/7 (1969); E. Badura-Skoda in Mf 27 (1974); S. Choi, Newly Found Eighteenth Century Manuscripts of D. S.’s Sonatas and Their Relationship to Other Eighteenth and Early Nineteenth Century Sources, Diss. Univ. of Wisconsin, Madison 1974; R. Strohm in W. Osthoff/J. Ruile-Dronke (Hg.), [Kgr.-Ber.] , A. S. Würzburg 1975, 1979; R. Strohm in AnMl 16/1 (1976); F. W. Riedel, Kirchenmusik am Hofe Karls VI. (1711–1740), 1977; D. J. Grout, A. S.: An Introduction to his Operas 1979; E. Badura-Skoda in StMw 35 (1984); Seifert 1985; E. Badura-Skoda in ÖMZ 40/10 (1985); F. Cotticeli/P. Maione, Le istituzioni musicali a Napoli durante il viceregno austriaco (1707–1734), 1993; C. F. Vidali, A. and D. S.: a Guide to Research 1993.

Autor(en)
Dagmar Glüxam
Empfohlene Zitierweise
Dagmar Glüxam, Art. „Scarlatti, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

MEDIEN
Alessandro Scarlatti© Bildarchiv Austria, ÖNB
Alessandro Scarlatti  © Bildarchiv Austria, ÖNB
Domenico Scarlatti© Bildarchiv Austria, ÖNB
Domenico Scarlatti  © Bildarchiv Austria, ÖNB

GND
Scarlatti, Alessandro
Weiterführende Literatur (OBVSG)
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