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Scio, Scio, Sebastiano Familie
Sebastiano (detto Arlecchino): * --vor 1687 Venedig/I, † --nach 1711 (Ort?). Komödiant, Medikamentenverkäufer, Puppenspieler, Seiltänzer. Dürfte um 1690 in Deutschland Fuß gefasst haben, 1692 erhielt er ein Teilzeitengagement in der Theatertruppe von Tereza Corona Sabolini Constantini (detta Diana) und ihrem Mann Giovanni Battista Constantini, die seit 1690 am Hof Hzg. Georg Wilhelms in Celle/D tätig war. S. blieb bis 1699 am Celler Hof, daneben unterhielt er eine eigene Truppe, mit der er zwischen 1687/1711 das gesamte deutschsprachige Gebiet und angrenzende Länder bereiste. Stationen waren z. B. Brünn, Prag, Wien, Dresden/D, Leipzig/D, Halle an der Saale/D, Berlin, Kiel/D, Kopenhagen und Stockholm. Für den Wiener Fasching 1705 erhielt er eine Bewilligung zum Seiltanzen sowie für die Aufführung von Komödien und Opern. Seit 1708 leitete er zusammen mit T. Ristori jene italienische Truppe, der F. M. Pecori vorstand und die 1709/10 einen italienischen Bühnenbetrieb am neu erbauten Kärtnertortheater zu etablieren versuchte. Mit dem Tod seiner Frau Anna Magdalena (* ca. 1656 [Ort?], † 14.7.1711 Wien) verliert sich seine Spur. Sein Sohn war vielleicht

Johann Franz (Franciscus) de (Edler von?): * ?, † 1746 (Ort?). Tanzmeister. Ehelichte am 28.8.1710 in der Wiener Michaelerkirche Francisca Petrin und war anschließend Oberösterreichischer Landschaftstanzmeister in Linz. Das Trauungsbuch von St. Stephan verzeichnet für November 1731 seine zweite Heirat mit Barbara Catharina Goldrainer. Dessen Kinder

Johanna Maria Anna: * ? Linz?, † nach 1735 (Ort?). Tänzerin. Soll bereits ab ca. 1719 bei Hof getanzt haben und erhielt 1722 den Titel einer Hoftänzerscholarin. 1727–35 wirkliche kaiserliche Hoftänzerin. J. S. gilt als erste Berufstänzerin am Wiener Kaiserhof. 1727 ehelichte sie C. Phillibois, nach dessen Tod könnte sie ein zweites Mal geheiratet haben.

Niclas (Nikolaus Franz): * ca. 1712/14 Linz, † 26.6.1746 Wien. Tänzer. Erhielt 1727 den Titel eines Hoftänzerscholars und erlernte anschließend bis 1728 die Tanzkunst in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. 1733 wurde er als Hofscholar mit 360 fl Monatsgehalt am Wiener Hof angestellt, nachdem ihm 1730 noch A. F. Phillibois bei der Besetzung der nach dem Tod von C. Phillibois freigewordenen Hoftänzerstelle vorgezogen worden war. 1735–46 war S. wirklicher Hoftänzer. Seine Witwe Anna Catharina (geb. Wisenthaler; * ca. 1715 [Ort?], † 10.6.1755 Wien; Verehelichung am 27.11.1736 in der Wiener Michaelerkirche) hatte nach seinem Tod sieben Kinder zu versorgen.

Möglicherweise ebenfalls Söhne von F. S. waren

Sigmund von: * ca. 1714 (Ort?), † 12.10.1775 Wien. Tanzmeister. Wirkte als Hoftanzmeister in Wien. Seine Frau war vermutlich Friederike (Friderica) Tartani (gen. La S.; * ca. 1711 Darmstadt/D, † 29.1.1800 Wieden [Wien IV]).

Wilhelm von: * 1718 Prag, † 5.5.1788 Wien. Tanzmeister. War Akademie-Tanzmeister in Wien und wird als pensionierter K. k. Hoftanzmeister der Erzhzg.in Maria Theresia bezeichnet. 1787 wurde sein Haus in Oberdöbling (Wien XIX) aufgrund von Verschuldung versteigert. Verheiratet mit Barbara Edler v. Lainhaz v. Brzeniow (* ca. 1728/34 Prag, † 24.12.1794 Wien).

Unklar ist das Verwandtschaftsverhältnis von

Josef von: * ?, † ?. Tanzmeister. War zunächst in Graz, um 1813 in Klagenfurt tätig. Sein Sohn Franz (* 30.4.1793 Graz, † ?) ist bis 1823 als Tanzmeister in Graz nachweisbar.

Der Name Sebastian(o) (di) S. ist im 18./19. Jh. im Bereich des Tanzes mehrfach belegt; eine Verwandtschaft oder teilweise Identifikation der (verschiedenen) S.s ist bislang nicht eindeutig erwiesen. So ist etwa für die Zeit um 1740 ein Sebastian S. als Ballettmeister in Mannheim/D und für 1742 in Warschau am Hoftheater Kg. Stanislaus I. nachweisbar. Weiters sind zu nennen: Scio père (Tänzer in Bordeaux/F 1778–1782) und Scio fils (Tänzer ebenda 1778–81), Eleonora S. (ca. 1700–?, Opernsängerin) sowie der Violinist Étienne S. (1766–96) und dessen Frau, die Opernsängerin Julie-Angélique S. (geb. Le Grand, 1768–1807).


Literatur
M. Frolowitz in G. Baumbach (Hg.), Theaterkunst & Heilkunst 2002; P. u. P. Mlakar, Unsterblicher Theatertanz 1 (1992); A. Sommer-Mathis, Tänzer am Wr. Hofe im Spiegel der Oberst-Hofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740, 1992, 77–79 u. 86–90; Raab 1994; R. Topka, Der Hofstaat Kaiser Karl VI., Diss. Wien 1954; E. Schenk, Die Anfänge des Wr. Kärntnertortheaters, Diss. Wien 1969, 24 u. 49; StMl 1962–66; Ulrich 1997; MGG 1 (1949) [Berlin]; MGÖ 2 (1995); K-R 1997 [J.-A. S.]; Derra de Moroda Dance Archives, Salzburg (Personenkartei); WStLA (Portheim-Kat.; G. Gugitz, Auszüge aus dem TBP 18. Jh. [Archivbehelf]); Pfarramt St. Michael Wien (Trauungsprotokolle 1710, 1736); Dompfarre St. Stephan Wien (Trauungsbuch 1731).

Autor(en)
Gabi Vettermann
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Gabi Vettermann/Christian Fastl, Art. „Scio, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]