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Seidler, Seidler, true Emanuel
* 1905-01-2727.1.1905 Wien, † 1945-04-033.4.1945 gefallen bei Malacky (Malatzka)/Slowakische Republik (begr. Malacky/SK). Komponist, Geiger. Unehelicher Sohn der aus Chemnitz in Sachsen/D stammenden Klara Bertha Seidler (* 13.11.1884, † nach 1950 [Ort?]), Tochter eines Fabrikstischlers. S. ging angeblich aus einer Liaison mit dem italienischen Schriftsteller Gabriele D’Annunzio (1863–1938) 1904 in Fiume (Rijeka/HR) hervor. D’Annunzio soll die Familie finanziell unterstützt haben. S. wuchs in Wien bei einer Pflegemutter auf und spielte schon als Kind Orgel in der Elisabethkirche (Wien IV). Zunächst Geigenausbildung bei Rud. Strebinger, später Fortsetzung an der der Horak-MSch. bei Richard Mazur sowie Klavier bei Ludwig Radl (beide Fächer im Juni 1918 abgeschlossen). Darüber hinaus Musiktheorie bei A. Wunderer, möglicherweise auch bei F. Schmidt, bei dem er 1921/22 an der Wiener MAkad. eingetragen war, im Jänner 1922 aber wieder ausgetreten ist. Ab dem Alter von 15 Jahren war S. bereits Konzertmeister einer größeren Kapelle des am 25.11.1920 neu eröffneten Atlantis-Kinos (Wiedner Hauptstraße 108, Wien V). 1923–44 Mitglied (Sekundgeiger) des Wiener Sinfonieorchesters (Wiener Symphoniker). S.s Hauptinstrument war die Geige, seine Nebeninstrumente Bratsche, Klavier und Celesta. Darüber hinaus war er auch kompositorisch tätig, seine Lustspiel-Ouvertüre wurde im Rahmen eines Konzerts des Wiener Sinfonieorchesters unter R. Nilius am 17.10.1927 auf Radio Wien uraufgeführt und erklang bis Anfang der 1940er Jahre immer wieder im Rundfunk. Ein Großteil seiner Werke wurden von den Wiener Symphonikern uraufgeführt, bei der UA seiner Fantasie für Klavier und Orchester am 22.2.1942 spielte S. den Klavierpart selbst. Vereinzelt trat er auch als Klavierbegleiter an die Öffentlichkeit, so begleitete er etwa im Sommer 1934 die Altistin Martha Schlager bei einem Konzert in Bad Gastein/Sb. Mit dem Ort verband ihn offenbar eine stärkere Beziehung, komponierte er doch einen Gasteiner Walzer (vermutlich 1933) sowie anlässlich der 500-Jahr-Feier 1936 einen Festmarsch. Im April 1944 wurde S. zum Militärdienst im IR. 127 im nordöstlichen Niederösterreich einberufen und fiel in den letzten Kriegstagen bei Malacky. Seit 18.2.1928 verheiratet mit Marianne Bauer (* 13.6.1904 Neu-Nagelberg/NÖ, † 10.3.1986 Wien), aus der Ehe ging Tochter Eva (* 31.7.1928 Wien, † 4.9.2011 Wien) hervor.
Werke
2 Opern (Flug im Sturm, Die Goldmacher von Prag); Die blinden Soldaten (T: Anton Wildgans) für Männerchor u. Orch.; Oratorium Aus dem 30-jährigen Krieg (T: Rainer Maria Rilke); Orchesterwerke (Lustspiel-Ouvertüre, Serenade in 3 Sätzen, Romantische Nachtmusik); Fantasie für Kl. und Orch., Divertimento für Flöte u. Kammerorch., Bläserquintett in es-moll; Lieder.
Literatur
M. Permoser, Die Wr. Symphoniker im NS-Staat 2000; Neues Wr. Journal 11.8.1934, 10; Österr. Ztg. 12.9.1946, 7; Illustrierte Kronen-Ztg. 26.11.1920, 3; Taufbuch der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV) 1903–07, fol. 104; Trauungsbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1928–29, fol. 10; www.wienersymphoniker.at (4/2020); Mitt. M. Lukits-Wally (4/2020); Mitt. Archiv MUniw. Wien (5/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Seidler, Emanuel‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 24.9.2020]