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Starmania
Castingshow, 2002–09 und 2021/22 nach einer Idee von Mischa Zickler (und internationalen Vorbildern) vom ORF produziert. Für die ersten vier Staffeln (2002–09) gab es österreichweit Bewerbungsmöglichkeiten im Rahmen von Vorausscheidungen (Jurymitglieder u. a. M. Spiegel), zwölf Kandidaten und Kandidatinnen (genannt Starmaniacs) schafften es jeweils in die Finalrunde, die auf zehn abendfüllende TV-Shows aufgeteilt war. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen traten mit Coverversionen bekannter – weitgehend freigewählter – Songs auf (z. T. auch Duette) und mussten sich einer Publikumsabstimmung (via Telefon) stellen. In jeder der vier Staffeln gab es ein Experten-Feedback (Bodgan Roščić, Hannes Eder, Roman Gregory [Alkbottle]) im Studio, das jedoch keine Auswirkungen auf die Endwertung hatte. Der Sieger jeder Staffel erhielt einen Plattenvertrag für die Produktion eines Albums (im Bereich Rock und Pop).

Sieger der ersten Staffel (2002/03) war Michael Tschuggnall (* 26.3.1982 Hall in Tirol), dauerhaft erfolgreiche Musikerkarrieren konnten jedoch nur die zweitplatzierte Ch. Stürmer und der achtplatzierte Lukas Permannschlager (als Musicalsänger Lukas Perman) starten. Einige weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen blieben zumindest zeitweise im Musikgeschäft tätig, der zehntplatzierte Thomas Putz gewann 2013 die ORF-Talenteshow Die große Chance. Die zweite Staffel (2003/04) gewann Verena Pötzl (* 10.4.1978 Hall in Tirol), die zuvor bereits als Sängerin tätig gewesen war. Zwei Finalteilnehmer konnten später im Ausland reüssieren: Der achtplatzierte Daniel Kajmakoski war u. a. 2015 Song Contest-Teilnehmer für Mazedonien, die zehntplatzierte Luise Gruber begann 2009 in Berlin unter dem Pseudonym Saint Lu eine Karriere als Singer-Songwriterin. Nadine Beiler (* 27.5.1990 Innsbruck), Siegerin der dritten Staffel (2006/07), vertrat Österreich beim Song Contest 2011 und trat 2015 als Musicalsängerin am Raimundtheater in Erscheinung. Der fünftplatzierte Eric Papilaya nahm 2007 am Song Contest teil und widmete sich danach intensiv seiner Sängerkarriere. Die nach Ende der Staffel ins Leben gerufene Boygroup jetzt anders! setzte sich aus vier Finalteilnehmern zusammen, löste sich jedoch noch 2007 wieder auf. Ein Mitglied der Gruppe war T. Neuwirth, der als C. Wurst 2014 den Song Contest für Österreich gewinnen konnte. Weitere Finalteilnehmer widmeten sich in der Folge ebenfalls mit unterschiedlichem Engagement und Erfolg der Musik (z. B. Gernot Pachernigg). Oliver Wimmer (* 14.4.1991 Wien) konnte die vierte Staffel (2008/09) für sich entscheiden und blieb auch danach im Musikgeschäft (zwischenzeitlich [2016] in den USA, der große Durchbruch blieb dennoch aus). Von den anderen Finalteilnehmern gelang keinem eine dauerhafte Karriere in der Branche.

2021 kehrte St. nach über zehn Jahren als Neuauflage zurück. Die neu zusammengesetzte Jury bestand aus Tim Benzko, Ina Regen und Fiva (eig. Nina Sonnenberg). Die Rahmenbedingungen (die Anzahl der Kandidaten und Kandidatinnen sowie die Regeln) wurden leicht verändert, auch entschied z. B. die Jury schon von Anfang an, wer weiterkam bzw. ausschied. Erst ab den Top 10 erhielt das Publikum Mitspracherecht via Televoting von zuhause (aufgrund der Covid-19-Pandemie war kein Publikum vor Ort zugelassen). Im Vergleich zu den früheren Staffeln innovativ war auch der intensivere Einbezug der sozialen Medien (Instagram und TikTok) als interaktive Diskussionsplattformen. Auch wenn wiedererkennbare Elemente der TV-Show nostalgische Anklänge fanden, erntete das erneuerte Konzept (v. a. die nun z. T. schwer nachvollziehbaren und komplizierten Arten des Weiterkommens, die geringe Publikumseinbindung sowie die Jurorenwahl) wiederholt Kritik. Mediale Aufmerksamkeit erhielt auch der Verriss der ehemaligen Kandidaten T. Neuwirth und Martin Zerza in ihrem (nicht autorisierten) Ohren zu, Augen auf!-Podcast, in dem sie die einzelnen Folgen kommentierten. 2022 wurden für die Wiederaufnahme der sechsten und bisher letzten Staffel die Regeln wieder vereinfacht und die Anzahl der Kandidaten und Kandidatinnen von Beginn an reduziert. In der sechsten Staffel bestand die Jury aus Josh. (eig. Johannes Sumpich), Lili Paul-Roncalli sowie wechselnden Gast-Juroren und -Jurorinnen, die schon von Beginn an gemeinsam mit dem Publikum über das Weiterkommen entschieden.

Die Siegerin der 5. Staffel, Anna Buchegger (* 14.1.1999 Abtenau/Sb), erlangte bereits in jungen Jahren durch ihre Teilnahme an Die große Chance (ausgeschieden im Semifinale) und Herz von Österreich Bekanntheit, wirkte 2016–20 in einer eigenen Band und widmete sich durch ihr 2019 begonnenes Studium an der Wiener MUniv. auch weiterhin der Musik. Die Teilnehmerinnen Theodora Špirić und Selina-Maria Edbauer vertraten Österreich 2023 in Liverpool/GB beim Song Contest als Duo Teya & Salena. Ansonsten wiesen insbesondere die in den Finalshows der 5. Staffel ausgeschiedenen Kandidatinnen Allegra Tinnefeld und Stefanie Mayer bereits einschlägige Ausbildungen und Bühnenerfahrung im Bereich der Klassischen Musik, des Schauspiels oder Musicals auf und verfolgen diesen Weg zum jetzigen Zeitpunkt (Mai 2023) weiter. Der Sieger von 2022, Stefan Eigner (* 12.11.1999 Wien), begann seine musikalische Laufbahn bei den Wiener Sängerknaben und setzte sich im St.-Finale mit einem Austropop-Song durch (2022 Vertrag mit Sony). Inwiefern er weiterhin eine Musikkarriere anstrebt, bleibt abzuwarten. Ansonsten hat nur der Schlagersänger Marco Spiegl, der in der vierten Finalshow der sechsten und letzten Staffel ausschied, in der Vergangenheit bereits vermehrte Beachtung u. a. als Teil des Vorprogramms von Andrea Bergs „Heimspiel“ 2019 in Aspach/D erhalten.

St. zählte zu den erfolgreichsten Shows des österreichischen Fernsehens, auch wenn nach der zweiten Staffel das Publikumsinteresse deutlich zurückging. Eine Weiterentwicklung war die Show Helden von morgen, eine Art Spin-off Musical! Die Show.


Literatur
C. E. Roth, Identitäten aus der Starfabrik. Identitätsbildung im Kontext der Aneignung von crossmedialen Inszenierungen am Beispiel „St. The New Generation“, Diss. Klagenfurt 2007; F. Unterasinger-Gussnig, Stars und Starsuche in populärer Musik. Mit einer Analyse des Castingformats „St.“, Diss. Innsbruck 2007; B. Oburger, St. Phänomene einer Castingshow, Dipl.arb. Wien 2005; N. Schöpf, St. Ein jugend- und populärkulturelles Phänomen und die diskursive Konstruktion des „Popstars von Morgen“ im neoliberalen Zeitalter, Dipl.arb. Klagenfurt 2004; Cl. Schwarz, Fernsehaneignung in Familien am Beispiel der Casting-Show St., Dipl.arb. Wien 2004; A. Hofer, „St.“ – Der ORF sucht den neuen österreichischen Popstar, Dipl.arb. Wien 2003; Der Standard 16.3.2004, 18; https://de.wikipedia.org/ (1/2023); www.musicaustria.at/ (6/2018); https://diepresse.com (6/2018); www.homepagesearcher.com/starmania (5/2018); www.instagram.com (1/2023); Mitt. Vivien Fiala (2/2023); eigene Recherchen.

Autor*innen
ChF
Karoline Hochstöger
Letzte inhaltliche Änderung
22.6.2023
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Karoline Hochstöger, Art. „Starmania“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 22.6.2023, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0039e881
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x0039e881
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