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Stecher, Stecher, true P. Marian OSB (Bonaventura Josef)
* 1754 -04-055.4.1754 St. Valentin auf der Haide/Südtirol (San Valentino alla Muta/I), † 1832 -06-1818.6.1832 Meran/Südtirol (Merano/I). Musiker, Komponist, Chorregent, Musikpädagoge. In CH-MÜ bzw. I-MAVb handschriftliche Werküberlieferung um 1780 auch unter italianisiertem Namen: Giuseppe Pungitore oder G. Pungitori. Eltern: Bonaventura St. und Anna Thulligin. „Von bäuerlicher Abstammung“ (G. Ferrari 1830, nach Angerer), 1778 Profess im Kloster Marienberg und Priesterweihe. Lehrer an der niederen Stiftsschule, 1784–1807 Prof. am Gymnasium der Benediktiner in Meran (gegr. 1724). Mit der Aufhebung von Marienberg kam St. nicht wie seine Mitbrüder nach St. Georgenberg-Fiecht, sondern nach Trient. Hier wirkte er nachweislich 1809 als Musiklehrer und Organist an San Pietro, bis 1819 als Organist an Santa Maria Maggiore, 1813–22 als Domkapellmeister, anschließend an der Pfarrkirche Meran als Organist und Chorregent. In Marienberg hatte Giacomo Gotifredo Ferrari (1763–1842), in Trient J. J. Schgraffer zu St.s Schülern gezählt. Sein Unterricht fußte auf einer profunden Kenntnis von J. S. Bach, J. J. Fux, G. F. Händel. Seine Fugen bezeugen die Vertrautheit mit älterer Kontrapunkttechnik, die wahlweise Besetzung mit Orgel oder Klavier (Cembalo) indiziert ihre Nutzung in Kirche und Haus. Die musikalische Form Haydn’scher Finalsätze findet sich konsequent in den IX Pièces (Klavier, um 1790). Ebenso Haydn verpflichtet sind St.s Variationen in ihrer Technik der Figuralvariation. Die attraktive Gran Sonata (Kl. 4-händig) verweist auf W. A. Mozart, deutet aber auch auf die Romantik. Nicht zu verwechseln mit dem Komponisten (Leopold) Marian Stecher (ca. 1650–91), Organist in Prag.
Werke
(Hss. in A-Imf, A-Sfr, CH-MÜ, D-MT, I-BZf, I-MAVb, I-TRc, I-TRs ): Kirchenmusik (Mss., v. a. für Männerstimmen: ca. 3 Messen, Vespern, marianische Gesänge); Sinfonie, G-Dur sowie Variationen für Klar. u. Fg., B-Dur (I-TRc) ; Kl.- u. Orgelstücke (u. a. Fugen, Sonaten, Variationen; s. Tbsp.), gedruckt um 1800 in München (v. a.), in Leipzig u. Mainz. Bearbeitung der Vesper „II“ von Gregor Schreyer (1719–67) (Ms. in I-TRs).
Tondokumente
TD: Ersteinspielung von Klavierstücken (u. a. op. 6 u. 7, Gran Sonata [B] a quattro mani, auf Hammerflügel von J. G. Gröber, um 1825) auf CDs des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 2002, 2004
Literatur
U. Kornmüller in Studien und Mitteilungen des Benediktinerordens 2 (1881); F. Angerer, [Fs.] 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr St. Valentin auf der Haide 1988; A. Carlini/C. Lunelli, Dizionario dei Musicisti nel Trentino 1992 [mit WV]; E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols 1993; F. Angerer/O. Pider, 100 Jahre Musikkapelle St. Valentin auf der Haide 1894–1994, 1994; E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols, Ergänzungsband 1997; T. Wieser/R. Loose, Familia Mariaemontana 2002; M. Schneider [Booklet zu CD] Marian Stecher (1754–1832). Klavierwerke 2002; S. Durante in M. Fink/K. Drexel (Hg.), Musikgeschichte Tirols 2 (2004); H. Herrmann-Schneider in J. Lanz (Hg.), [Kgr. Ber.] Säkularisation 1803 in Tirol. Brixen 2003, 2005; D. Sadgorski in Der Schlern 80 (2006); Taufbuch St. Valentin a. d. Haide 1754.

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Stecher, P. Marian OSB (Bonaventura Josef)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 5.11.2018]