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Stowasser Stowasser true (Stohwasser), Familie
Weit verzweigte, aus Graslitz/Böhmen (Kraslice/CZ) stammende Instrumentenbauerfamilie.

Wenzel: * 18.7.1803 Graslitz, † 11.11.1862 Graslitz. Waldhornmacher. Gründete 1824 in Graslitz eine Blechblasinstrumentenwerkstätte, aus der nach seinem Tod Niederlassungen in Graz, Warschau, Barcelona/E, Catania/I, Hamburg/D, Neapel/I, Riga, Sofia, Verona/I, New York/USA, São Paolo/BR und Buenos Aires hervorgingen (Firma W. St.s Söhne).

W.s Bruder Johannes (* 26.6.1796 Graslitz, † ?) war als Waldhornmacher tätig, dessen Sohn Josef (* 17.1.1845, † ?) als Metallblasinstrumentenmacher.

W.s Söhne

Josef: * 20.8.1826 Graslitz, † 20.1.1908 (nach Dullat nicht: 7.5.1900] Graslitz. Kam im Rahmen seiner Wanderjahre auch nach Wien, bis er 1850 wieder nach Graslitz zurürckkehrte. Er übernahm nach dem Tod des Vaters die kaufmännische Leitung der Firma. Ab 1876/77 kam es mehrfach zu Vergrößerungen der Firma, die ihre Instrumente auf den Weltausstellungen in Wien (1873) und Chicago/USA (1893) ausstellte und ab 1895 den kaiserlichen Doppeladler führen durfte.

Julius: * 18.10.1837 Graslitz, † 18.9.1900 Graslitz. War nach dem Tod des Vaters für die technische Leitung des Betriebs verantwortlich, in dem auch Richard (* 9.1.1848 Graslitz, † 1910 [Ort?]), ein weiterer Bruder, arbeitete (er schied 1900 als Gesellschafter aus). Julius war auch als Kapellmeister der Graslitzer Feuerwehrmusikkapelle tätig.

Adolf: * 16.10.1842 Graslitz, † 17.1.1893 Graz. Gründete 1874 in Graz eine Firma unter seinem Namen. Nach seinem Tod übernahm diese sein Sohn Adolf jun. (* 22.7.1865 Graslitz, † 27.3.1928 Graz) und nach dessen Tod die Witwe Anna (* 15.4.1875 Graz, † 22.3.1957 Graz). Danach war Adolfs (jun.) Stieftochter (Annas Tochter aus erster Ehe) Maria Laufenstein (* 21.9.1897 Graz, † ?) für die Firmenleitung verantwortlich.

Johann (Janos): * 21.5.1846 Graslitz, † 9.2.1923 Budapest?. Eröffnete 1867 eine Instrumentenbauwerkstätte in Budapest. 1905 erhielt er ein Patent für die Verbesserung des (klarinettenähnlichen) Tárogatós. Seine Instrumente wurden 1900 auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille prämiert.

Josefs Sohn Anton Rudolf: * 5.10.1853 Graslitz, † nach 1929 (Ort?). Gründete 1884 eine Filiale in Verona, deren Leitung an seinen Bruder Josef jun. (* 11.5.1857 Graslitz, † 20.1.1908 Verona/I) überging, nachdem A. R. 1888 die Leitung des Graslitzer Stammbetriebes übernommen hatte. A. R. hatte 1891 auch eine Firma zur Herstellung von Mechaniken für Saiteninstrumente in Graslitz gegründet. Seine Söhne Ernst (?–?), Franz Anton (* 13.7.1883 Graslitz, † 27.4.1946 Graslitz) und Alfred (?–1937) führten nach 1901 eine Filiale in Warschau, die bis 1938 bestand.

Julius’ Sohn Josef Adolf: * 12.11. [1.12.?] 1864 Graslitz, † 25.2.1925 Graslitz. Führte den Betrieb ab 1900 gemeinsam mit A. R. weiter, schied aber 1903 aus dem Unternehmen aus und gründete eine eigene Firma.

Johanns Sohn Johann (Janos) jun.: * 1874 Budapest, † 1937 Budapest. Absolvierte eine Lehre in der Werkstätte des Vaters und verbrachte seine Wanderjahre v. a. in Deutschland. Ca. 1896 war er bereits Geschäftsführer des elterlichen Betriebs, der bis 1944/45 bestand und zuletzt von seinem Sohn Johann (?–?) geführt wurde.

Josef Adolfs Sohn Wilhelm: * 23.10.1893 Graslitz, † 21. [auch 31.] 1.1966 Graz. Führte die Firma seines Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Hugo sen. (* 1896 Graslitz, † 1946 Graslitz) weiter. Er kam nach der Enteignung der väterlichen Firma 1948 nach Graz, wo er 1950 eine eigene Blechblasinstrumentenwerkstätte gründete. 1962 trat sein Sohn Hugo jun. (* 25. [auch 17.] 12.1925 Graslitz) als Gesellschafter in die Firma ein. Dessen Sohn Horst (* 1953) war ab 1983 bis zum Konkurs im Jahr 1995 im Unternehmen tätig.

W. St.s Cousin war

Ignaz: * 17.12.1811 Graslitz, † 8.2.1892 Wien. Ist erstmals 1839 in Fünfhaus (Wien XV) nachweisbar, 1840 in Landstraße (Wien III); bei Ablegung des Bürgereids 1844 wohnte er in der Leopoldstadt (Wien II). Seine Werkstätte befand sich 1847–51 und ab 1859 in der Josefstadt (Wien VIII), dazwischen 1852–58 in der Alservorstadt (Wien IX). Sein Sohn Ignaz d. J. (* 5.10.1852 Wien, † 5.10.1905 Wien) übernahm die Firma seines Vaters zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt (vor 1884?). 1903 meldete der Betrieb Konkurs an. I. St. (d. Ä.) zeichnete für eine Verbesserung der Ventilmechanik bei Blechblasinstrumenten verantwortlich. Vor 1848 konstruierte er, vieleicht von Wilhelm Wi(e)precht beeinflusst, das Helikon. 1873 auch die sog. Jericho-Posaune. – Ein Alois St. ist 1860–82 als Instrumentenmacher in Wien nachweisbar, ein Josef St. 1880–93.

In Graslitz waren noch zumindest weitere sechs Träger des Namens St. als Instrumentenmacher in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s tätig.


Literatur
ÖBL 13 (2010); Dullat 2010; StMl 1962–66 u. 2009; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; Hopfner 1999; Ottner 1977; H. Heyde, Das Ventilblasinstrument 1987; B. Strobl, Wr. Blechblasinstrumentenbau 1815–1850 unter besonderer Berücksichtigung der Baßinstrumente, Dipl.arb. Wien 1988; MGÖ 2 (1995); Feuerwehr-Signale 1.10.1900, 17; www.wait.at/schule/instrumente/tuba.htm (9/2005); WStLA (TBP 24.2.1884 [Theresia St.], 8.2.1892; Verlassenschaftsabhandlung I. St. d. J. 1905); Mitt. MA 35 (Heimatrolle); Mitt. Marie Makariusová, Prag.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Stowasser (Stohwasser), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 02/04/2014]