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Strassl Strassl true (Straßl), Alois
* 1903-06-2121.6.1903 Linz, † 1976-08-077.8.1976 Wien? [begr. Wien]. Bibliothekar, Hochschulpädagoge, Dirigent. Sohn des Bahnbeamten Sebastian Straßl und der Elisabeth, geb. Hager. S. maturierte 1923 in Ried im Innkreis. 1918–24 absolvierte er private Studien (Klavier, Orgel, Dirigieren, Theorie) bei C. Führich, A. Wintermayr, Franz Lenz und C. Girsch in Wien. Ab 1927 studierte er an der Univ. Wien Musikwissenschaft u. a. bei M. Dietz, W. Fischer, H. Gál, R. Ficker, R. Lach, A. Orel und E. Wellesz (Promotion am 7.11.1930). 1924 war St. als Musiker, 1925–29 als Kpm. der Gesellschaft vom Goldenen Kreuze Wien tätig. Zudem war er 1924–30/31 als Organist an der Piaristenkirche Maria Treu (Wien VIII) tätig, wo er 1929 den Knabenchor an der Piaristenschule gründete und leitete. Bis 1930 wirkte er zudem als Vortragender bei der RAVAG und als Gastdirigent verschiedener Orchester. Zu dieser Zeit war er bereits Mitglied der Kapellmeister-Union und des Musikerverbandes. 1932 wurde er durch Vermittlung des Unterrichtsministeriums als Professor für Musik an die National Central University Nanking/VRC mit dem Auftrag berufen, eine Musikfakultät zu errichten. Mit seinen Studenten (u. a. Ma Geshun [1914–2015], einer der bekanntesten Chorleiter Chinas im 20. Jh.) führte er in Nanking erstmals mehrstimmige europäische Chormusik auf. Zudem wirkte St. hier als Universitätsmusikdirektor und leitete die europäische Musikabteilung des örtlichen Regierungsradios. 1935 wurde er beauftragt, eine Militärmusiker- und Kapellmeisterakademie zu gründen. Parallel dazu war er Gastdirigent des Shanghai International Municipal Orchestra, mit welchem er etliche EA.en österreichischer Komponisten (u. a. L. v. Beethoven, A. Bruckner, J. Haydn-Oratorien) realisierte. Im Jänner 1938 kam er als Kriegsflüchtling des japanisch-chinesischen Kriegs zurück nach Österreich. Von Februar bis 13. März 1938 war er Beamter der RAVAG-Musikredaktion, seine Entlassung erfolgte aus politischen Gründen (Nationalsozialismus). Er war Mitbegründer des Konservatoriums der Stadt Wien (Musiklehranstalten Wien), an welchem er von Oktober 1938 bis März 1956 Bibliothek und Archiv leitete. 1941 wurde er zur Wehrmacht einberufen, wirkte 1942/43 als Dirigent des Orchesters der Großen Oper Kiew und war beim ukrainischen Soldatensender Ida tätig. Im August 1945 kehrte er nach Österreich zurück, wo er von 1946–49 zunächst Dirigent der Oratorien-Vereinigung (Chor der kath. Aktion) war. Ab 1949 wirkte er als Vortragender u. a. an der Wiener Volkshochschule. 1949/50 hatte er am Konservatorium der Stadt Wien einen Lehrauftrag für Musikgeschichte inne, 1950–56 einen solchen am Seminar für Lehramtskandidaten. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit war er 1950–52 Chordirektor der Pfarre Weinhaus-St. Josef (Wien XVIII) und ab 1952 an Mauer-St. Erhard (Wien XXIII), wo er den Peterlinichor (D. J. Peterlini) leitete. Mit 1.3.1956 wurde St. provisorischer Staatsbibliothekar I. Klasse und mit der Leitung der Bibliothek an der Wiener MAkad. betraut; Pensionierung mit Ende 1968. In dieser Funktion war er für die Übersiedelung der Bibliothek in das Stadtschulrat-Gebäude 1957 sowie die Rückübersiedelung im Folgejahr verantwortlich. Zudem verantwortete er die Umgestaltung von Lese- und Katalogzimmer sowie der Entlehnstelle, setzte die Errichtung von Diskothek, Tonbandarchiv und Direktionszimmer durch und leitete die Neuordnung der Abteilungsbibliotheken der Kirchenmusikabteilung sowie des Max-Reinhard-Seminars. Ab 1959 wirkte er zudem als ständiger Vortragender der Internationalen Hochschulkurse an der Univ. Wien zum Thema Österreichs Beitrag zur Kultur- und Musikgeschichte.
Ehrungen
Österr. Ehrenkreuz f. Kunst und Wissenschaft 1935; Ehrenring der National Central University Nanking 1936; Oberstaatsbibliothekar 1962; Hofrat 1968.
Werke
Chor Lied zu Ehren der heiligen Theresia vom Kinde Jesu (T: Antonie Wanek); Hg. v. Messen J. Haydns u. W. A. Mozarts sowie Instrumentalwerken M. Haydns für den Verlag Doblinger.
Schriften
Das Inhaltsproblem in der Messkomposition der Wiener Klassiker, Diss. Wien 1930; sämtliche Publikationen (als Autor u. Hg.) über Musik in/und China.
Literatur
Kürschner 1954; G. E. Schmidt, Ehrenzeichen und Orden im Österreich der Zwischenkriegszeit 1918–1938, 1994; Neue Warte am Inn 25.11.1932, 7; Der Wr. Tag 15.8.1933, 12; Trauungen-Duplikate der Pfarre Mauerkirchen 1932, pag. 9; http://organcn.org (10/2021); https://scopeq.cc.univie.ac.at (3/2022); Mitt. Archiv MUniv. Wien (10/2021, 1/2022) [Personalakt]; eigene Recherchen (https://search.onb.ac.at [10/2021], www.demos.ac.at [12/2021]).

Autor*innen
Bettina Graf
Letzte inhaltliche Änderung
19.1.2023
Empfohlene Zitierweise
Bettina Graf, Art. „Strassl (Straßl), Alois‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 19.1.2023, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Strassl_Alois.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


GND
Strassl (Straßl), Alois: 134632664
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