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Stwertka, Stwertka, Moriz Familie
Moriz (Moritz, geb. Moses Schmid): * 1839-04-1010.4.1839 Austerlitz/Mähren (Slavkov u Brna/CZ), † 1926-09-099.9.1926 Wien. Sänger, Geiger. S. kam in den 1850er Jahren mit seinen Eltern Isak S. (geb. Isac Stwrtka, * ca. 1809 Austerlitz, † 26.6.1868 Wien) und Fanny Schmid (geb. Schmied, * ca. 1813 Neu Raußnitz/Mähren [Rousínov/CZ], † 22.11.1865 Wien) und seinen Geschwistern nach Wien. Hier studierte er 1855–58 Geige bei G. sowie J. Hellmesberger sen. am Konservatorium der GdM. Er wirkte danach als Sänger u. a. an der Wiener Hofoper. Am 9.2.1882 heiratete er in Wien Louise Frankenstein, mit der er zehn Kinder hatte. Sein Sohn Karl (* 4.5.1891 Wien, † ?.3.1982 Great Neck, New York/USA) trat 1923 als Bratschist im Wiener Konzerthaus auf und wanderte später in die USA aus.

Sein Bruder

Alois (geb. Lazar Schmid): * 8.4.1841 Austerlitz, † 20.8.1911 Wien. Geiger. S. besuchte 1855/56 die Knabengesangsschule am Konservatorium der GdM und studierte 1857–62 Geige bei G. und J. Hellmesberger sen. und C. Heissler sowie Harmonielehre und Komposition bei S. Sechter. Er war bis zu seinem Tod Chorsänger im Leopoldstädter Tempel (Wien II). S. heiratete 1869 Antonie Figdor (* ca. 1846 [Ort?], † 26.8.1917 Wien), mit der er die Kinder Julius, Max, Friedrich (* 4.5.1875 Wien, † 17.9.1932 Wien), Berthold, Josef und Lina (geb. Caroline, * 20.4.1882 Wien, † 1.6.1942 KZ Klein Trostinetz bei Minsk [Maly Trostinec/BY]) hatte.

Aloisʼ Söhne

Julius: * 7.3.1872 Wien, † 17. oder 20.12.1942 Ghetto Theresienstadt (Terezín/PL). Geiger, Musikpädagoge. S. studierte 1886–91 am Konservatorium der GdM Geige bei S. Bachrich und J. M. Grün. Später erhielt er außerdem Privatunterricht bei J. Joachim in Berlin. 1892–95 wirkte S. als stellvertretender Kapellmeister beim k. u. k IR Nr. 4 Hoch- und Deutschmeister und wurde 1898 als Konzertmeister ans Stadttheater in Hamburg/D engagiert. 1902 holte ihn G. Mahler als Konzertmeister und Solo-Violinist (neben A. Rosé) ins Orchester der Wiener Hofoper bzw. der Staatsoper; Mitglied der Wiener Philharmoniker (bis 1936). Ab 1903 unterrichtete er am Konservatorium der GdM bzw. an der MAkad. (bis 1933), zu seinen Schülern zählten u. a. H. Faltl, L. Hammerschlag, K. Hawranek, C. J. Perl, H. Però, K. Rosner, F. Samohyl, J. Schmied, G. Schneider oder O. Strasser. 1934–38 spielte S. Bratsche im Rosé-Quartett. Nach dem sog. „Anschluss“ wurde er mit seiner Familie mehrfach delogiert und konnte zweimal (möglicherweise durch Intervention W. Furtwänglers) einer Deportation entgehen. Schließlich wurde er jedoch 1942 gemeinsam mit seiner Familie ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er im Herbst des Jahres im Rahmen der „Freizeitgestaltung“ noch im Quartett mit Egon Ledeč spielte.


Gedenkstätten
Stolperstein Max-Reinhardt-Platz Salzburg.
Ehrungen
Prof.-Titel 1908; Jubiläums-Hofkreuz 1908; Regierungsrat 1921; Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1933.


Max: * 28.10.1873 Wien, † nach 9.4.1942 KZ Izbica/PL. Cellist. S. erhielt vermutlich privaten Unterricht und spielte hauptsächlich Kammermusik. In Wien trat er u. a. mit O. Adler und E. Werndorff auf. Er war verheiratet mit Elsa S. (geb. Löffler, * 3.8.1888 [Ort?], † nach 9.4.1942 KZ Izbica).

Berthold (Bertold): * 18.7.1877 Wien, † 6.5.1941 Wien (Freitod). Trompeter, Komponist. Er studierte 1892–97 am Konservatorium der GdM Trompete bei F. Bláha sowie Harmonielehre und Klavier (Abschluss 1897). Danach lebte er als Musiker in Wien und trat mitunter auch als Komponist hervor.


Werke
Marsch Hoch der Dreibund; Wiegenlied f. V. u. Kl.; Tango Das sind der Tropennächte Träume.


Josef (Joseph): * 7.12.1879 Wien, † 1940 KZ Dachau?/D. Cellist. Er studierte 1897–1901 am Konservatorium der GdM Cello bei F. Hellmesberger und R. Hummer (Abschluss 1901). S. wurde im KZ Dachau interniert, wo er vermutlich ermordet wurde. Andere Quellen besagen, er wurde 1940 entlassen und starb auf dem Weg nach Haifa/IL.

Juliusʼ Frau

Rosa (geb. Kohlberg): * 15.8.1875 Donaufeldburg/Ungarn, † ?.5.1944 KZ Auschwitz (Oświęcim/PL). Sängerin (Alt). S. erhielt Gesangunterricht in der privaten MSch. von Gustav Geiringer (Abschluss 1896). 1897 sang sie als Gast am Hamburger Stadttheater, wo sie Julius S. kennenlernte (Hochzeit 1899). 1898 wurde sie ans Münchner Hoftheater engagiert und ging 1902 mit ihrem Mann nach Wien. Hier trat sie vornehmlich als Konzertsängerin in Erscheinung, u. a. im Konzerthaus, Musikverein, Ehrbar-Saal und im Bösendorfer-Saal. Sie sang 1914 G. Mahlers Sinfonie Nr. 8 unter der Leitung von F. Schreker und trat außerdem wiederholt bei den Arbeiter-Sinfoniekonzerten auf. Ihre Kinder waren Franz (* 30.10.1903 Wien, † ?.5.1944 KZ Auschwitz) und Grete. Nach ihrer Deportation ins Ghetto Theresienstadt 1942 wurde sie gemeinsam mit den beiden Kindern im Mai 1944 ins KZ Auschwitz deportiert und kurz darauf ermordet.

Juliusʼ und Rosas Tochter

Grete (eig. Margarethe): * 23.6.1905 Wien, † ?.5.1944 KZ Auschwitz. Pianistin. Sie studierte an der MAkad. Klavier bei Stefan Meyer (1919–21) sowie bei P. Weingarten (1921–26; Abschluss 1926) und nahm außerdem vermutlich privat Unterricht bei C. Lafite. In den 1930er Jahren trat S. u. a. im Volksheim Ottakring (Wien XVI) und der Wiener Urania (1933–35) auf.


Literatur
ÖBL 14 (2012); Ch. Merlin, Die Wr. Philharmoniker 2 (2017); B. Mayrhofer/F. Trümpi, Orchestrierte Vertreibung 2014; Neues Wr. Tagbl. 28.4.1896, 8, 20.10.1905, 10, 23.3.1908, 10, 23.11.1913, 20; Signale f. die musikalische Welt H. 43 (1897), 675; NFP 23.9.1897, 6, 6.10.1898, 7, 18.2.1904, 9, 17.1.1907, 12, 21.8.1911, 12, 1.3.1914, 17; Die Zeit 20.2.1909, 7; Grazer Volksbl. 31.8.1912, 4; Der Tag 31.10.1934, 7; Die Stunde 18.6.1935, 4; Trauungsbuch der IKG, 1882, fol. 148; Geburtsbuch 1883–84 der IKG, Nr. 863; Geburtsanzeigen 1898 Nr. 1899–2366 (Aug.–Sep.) der IKG, Nr. 2120; www.stolpersteine-salzburg.at (8/2021); www.ushmm.org (8/2021); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.geni.com; https://yvng.yadvashem.org; www.anno.onb.ac.at; Lehmannn’s Adresskalender); Mitt. Archiv MUniv. Wien (8/2021).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Stwertka, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11.10.2021]