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Tosi, Tosi, true Pier Francesco
* 1654 -08-1313.8.1654 Cesena/I, --nach 16.7.1732 Faenza/I. Gesanglehrer, Sänger (Kastrat) und Komponist. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt (T. ist jedenfalls nicht der Sohn des Bologneser Organisten Giuseppe Felice T.); 1676/77 trat er in römischen Kirchen als Sänger auf, gehörte ab 1681 dem Chor der Mailänder Kathedrale an, von der er 1685 entlassen wurde. Ab 1687 war T. auf italienischen Opernbühnen zu hören, ging 1693 nach London, wo er als Lehrer und mit wöchentlichen Konzerten großen Erfolg hatte. Ab 1701 war Tosi als Musikagent für den Wiener Hof tätig, wo er von 1.7.1705 bis 1711 (dem Tod K. Josephs I.) als Hofkompositor Mitglied der Hofmusikkapelle war; parallel dazu arbeitete T. auch in diplomatischen Diensten von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz; 1709–11 reiste T. wieder durch Italien, um Musiker für die HMK zu engagieren. 1723 hielt er sich in Bologna/I auf (Drucklegung seiner Gesangschule) und war 1724–27 wieder in London als Gesanglehrer tätig. 1727 kehrte T. endgültig nach Italien zurück, wurde 1730 zum Priester geweiht, lebte ab 1731 in Modena/I, ab 1732 in Faenza. T. genoss als Gesangspädagoge internationalen Ruf und war Mitglied der Accademia filarmonica di Bologna; seine Opinioni de’ cantori (1723) zählen neben Johann B. Mancinis Gesangschule zu den bedeutendsten theoretischen Schriften hochbarocker Gesangstechnik und Verzierungskunst.
Schriften
Opinioni de’ cantori antichi e moderni o sieno Osservazioni sopra il canto figurato, Bologna 1723 (zahlreiche Aufl.n u. Übersetzungen).
Werke
Oratorium Il martirio di Santa Caterina (Wien 1711); Arien, Kantaten.
Literatur
NGroveD 25 (2001); MGG 13 (1966); NGroveDO 4 (1992); Köchel 1869; MGÖ 2 (1995).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Tosi, Pier Francesco‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]