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Treumanntheater (Kaitheater, Quaitheater, Theater am Franz-Josefs-Kai)
Ehemaliges Wiener Theatergebäude, offiziell „k. k. priv. Theater am Franz-Josefs-Kai“ (oder: -Quai) genannt (heute: Wien I, Morzinplatz 4). Bereits 1859 hatte K. Treumann um Baubewilligung für ein neues Theater im Bereich der abgetragenen Gonzagabastei angesucht. Nach Erhalt der Genehmigung (6.1.1860) ließ er ab Juni 1860 zunächst (u. a. aufgrund finanzieller Probleme) durch F. Fellner d. Ä. ein provisorisches Theatergebäude errichten, das am 1.11.1860 mit folgendem Programm eröffnet wurde (s. Abb.): Prolog von A. Langer (gesprochen von K. Treumann), Die Tante schläft (komisches Singspiel mit Musik von Henri Caspers, aus dem Französischen von K. Treumann), Ich werde mir den Major einladen (Lustspiel aus dem Französischen übersetzt von Gustav v. Moser), Tschin-Tschin (deutsche Bearbeitung von J. Offenbachs einaktiger Operette Ba-ta-clan von K. Treumann). Das Ensemble rekrutierte sich großteils aus jenem des Carltheaters, als Administrator stand Treumann sein Bruder Franz zur Seite, sein Neffe Alexander Treumann war anfangs ebenso am Theater beschäftigt (als Inspizient und Schauspieler) wie auch seine Schwägerin Theresia Treumann (als Ballettmeisterin). Als Kapellmeister fungierten C. F. Stenzl (1860–63), J. Hopp (1860–62) und F. v. Suppè (1862/63); dem Orchester gehörten u. a. Jos. Hoffmann und K. Udel an. H. Weinberger und A. Grobecker sangen am T., A. Lieberzeit war als Solotänzerin engagiert. Auch J. N. Nestroy trat mehrmals in dem Theater auf. Treumanns Theaterprivileg umfasste die Aufführung von Possen mit Gesang und Tanz, Schau- und Lustspielen, Pantomimen sowie Singspielen; Opernaufführungen bedurften einer Zusatzbewilligung. Zwischen 1860/63 gelangten 1.283 einaktige Lustspiele, Possen und Schwänke, 744 Operetten (davon 575 von J. Offenbach, der hier am 28.1.1861 sein Wiener Dirigentendebüt gab) und 207 mehraktige Stücke im T. zur Aufführung. F. v. Suppès Operetten Die Kartenschlägerin (26.4.1862), Zehn Mädchen und kein Mann (25.10.1862) sowie Flotte Bursche (18.4.1863) kamen im T. zur UA.

Nachdem das hölzerne Interimstheater in der Nacht vom 9. auf den 10.6.1863 abgebrannt war (s. Abb.), nahm K. Treumann von dem ursprünglichen Plan, ein dauerhaftes (gemauertes) Theater zu errichten, Abstand. Er übernahm dagegen die Direktion des Carltheaters (Eröffnung am 19.8.1863), wohin ihm das gesamte Ensemble (mit den Kapellmeistern F. v. Suppè und C. F. Stenzl) folgte. An der Stelle des T.s befand sich 1871/73–1945 das Hotel Métropole, 1963–67 wurde eine Wohnhausanlage errichtet.


Literatur
J. Hüttner in Jb. der Ges. f. Wr. Theaterforschung 17 (1970); Hadamowsky 1988; F. Mailer in ÖMZ 27 (1972); Czeike 5 (1997); Wr. Ztg. 10.6.1863, 760 u. Abendbl., 520; Der Zwischen-Akt 1.11.1860, 1, 10.6.1863, 2f, 2.11.1860, 2; Wr. Theater-Chronik 18.6.1863, 97f; Waldheim’s Illustrirte Ztg. 20.6.1863, 922 u. 925; eigene Recherchen (Dt. Bühnen-Almanach 1861–64); https://de.wikipedia.org/ (4/2020).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Treumanntheater (Kaitheater, Quaitheater, Theater am Franz-Josefs-Kai)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 28.9.2020]