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Vaudeville
Das in seiner Ableitung etwas umstrittene frz. Wort bezeichnete ab ca. 1640 die in Stegreifstücke italienischer Komödianten in Paris eingelegten populären, als typisch frz. verstandenen Lieder (I) und ab dem frühen 18. Jh. die daraus entstandenen unterhaltenden bis frivolen Stücke selbst (II). Solche gehören auch zu den Wurzeln der frz. Opéra comique und kamen v. a. nach der politischen Annäherung Österreichs an Frankreich (Vertrag von Versailles 1756) vermehrt hieher (v. a. Charles Simon Favart, 1710–92). Sie wurden im Wiener Burgtheater gespielt; ebenfalls Wandertruppen verbreiteten mit ihren Übersetzungen, Adaptierungen und Nachahmungen auch in größeren Orten und auf Adelssitzen einen Hauch von Oper, was maßgeblich zu deren Verbürgerlichung beitrug. Die dabei beliebten, ja aus Gründen der Anpassung an eigene Traditionen und der Aktualisierung nahe liegenden Einschübe und der Ersatz einzelner Abschnitte durch neue Arietten (Airs nouveaux, im Wiener Burgtheater z. B. von Ch. W. Gluck) korrespondierte mit der ursprünglichen Funktion (I). Daraus nun erklärt sich, dass die bald in den verschiedensten Gattungen (auch Schau- und Singspielen; z. B. W. A. Mozarts Entführung aus dem Serail) als Schlussensembles beliebten Rundgesänge mit Refrain auf geläufige, jedenfalls leicht fassliche Melodien nochmals als V. (final) bezeichnet wurden (III). Wegen gewisser Verwandtschaften zwischen Stücken der Wiener Vorstadtbühnen und des Pariser Boulevards (z. B. Couplets, Komödienarien, Opernparodien usw.) ist schließlich der Einfluss der frz. V.s des 19. Jh.s (Pauline Virginie Déjazet, Jean Bayard, Eugène Scribe, Auguste Anicet-Bourgeois, Eugène Sué, Paul de Kock, J. F. Halévy), die v. a. im Kärntnertortheater und Carltheater eine Heimstatt gefunden hatten, auf J. Nestroy und zuletzt die Entwicklung der Wiener Operette (die allerdings auf die revolutionäre Art der Epoche Scribes, auch nur die kritische J. Offenbachs nie aus war) ab ca. 1860 (v. a. für Ensembleszenen mit Chor) kaum zu überschätzen.
Literatur
MGG 9 (1998); Riemann 1967; Theatergesch. Österreichs 1964ff; L. Holzer, Die komischen Opern Glucks, Diss. Wien 1925 (Teildruck in StMw 13 [1926]); E. Rieger, Offenbach u. seine Wr. Schule 1920; R. Flotzinger in Muzikoloski zbornik 18 (1982).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Vaudeville‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2006]