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Ventura, Ventura, Santo: Familie
Santo: * --?, 1676 -11-1010.11.1676 [oder 1677, nicht 1675] Wien. Tänzer, Tanzmeister. Schüler von Carlo Beccaria, der sein Handwerk wiederum bei C. Negri am Hofe Rudolphs II. gelernt hatte. Verheiratet mit Elisabeth (* 1607? [Ort?], † 22.3.1663 Wien). S. V. kam 1626 im Zuge des Imports der italienischen Oper aus Venedig/I an den Habsburger Hof, wo ihm – wie für sein Berufsbild üblich – sowohl der Unterricht in Tanz- und Bewegungskunst wie auch die Einstudierung von Balletten oblag. Er förderte die Errichtung der ersten permanenten Spielstätte für Bühnentanz in Wien (1629). Leopold I. protegierte den Tanz als festliches Ereignis im privaten wie öffentlichen Bereich. Die vor diesem Interessenshintergrund entstandenen pompösen Aufführungen erreichten ihren Höhepunkt mit der Feier der Heirat des Sohns von Ferdinand II., dem nachmaligen Ferdinand III., mit Maria Anna von Spanien: 1631 wurde in Wien die erste Musiktheateraufführung gegeben; sie enthielt auch ein Rossballett und ein von geübten Tänzern auszuführendes Ballett. 1637 avancierte V. zum Tanzmeister der Edelknaben und Hofdamen und etablierte damit den Unterricht für den Hofstaat. Der „Kayl. Maytt. Hoff Danzmaister“ entwickelte die lombardische Schule C. Negris weiter, v. a. indem er nach 1650 balletti francesi (mit Kastagnetten auszuführende Sarabande französischen Stils) in sein Unterrichtsprogramm aufnahm. Gleichzeitig verdiente er neben dem (ab 1640 jährlich bezahlten?) Gehalt Geld durch Unterrichten; die prominentesten Schüler waren z. B. Johann Grünwald, der 1655 sein Gehilfe wurde, und F. Torti. Nach seinem Tod folgte ihm sein Sohn als Tanzmeister nach.
Werke
Tänze in Allegrezze del mondo (1631), Thetis (1656), Die verspottete Zauberkunst (1660), L’Elice (1666), Cidippe (1670), Penelope (1670), L'avidità di Mida (1671), Sulpitia (1672), Il pomo d’oro (1668, 1677).


Sein Sohn Domenico: * ca. 1640 (Ort?), † 13.8.1695 Wien. Tänzer, Tanzmeister. Verheiratet mit Eva Rosina; seine Tochter, Domenica Maria, heiratete G. Reutter d. Ä. Wurde 1655 als Scholar engagiert und war seit 1677 (1678?, 1671?) als Gehilfe seines Vaters tätig, seit 1669 studierte er selbst Tänze ein. Vater und Sohn versahen den Hofdienst in einer Zeit, als er rasch expandierte, wie sich v. a. auch an den Ausgaben ablesen lässt. Die Wertschätzung von Domenico kommt nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, dass seiner Familie noch zu seinen Lebzeiten eine Witwen- und Waisenpension garantiert wurde.


Werke
Tänze zu den Opern Rodogane (1677), L’albero del ramo d’oro (1680), Gli zingara (1682), Introducione per festa e ballo di Zingari (1684), La vitoria della fortezza (1687), Scipione conservatore di Roma (1690), La madre degli dei (1693).
Literatur
W. Salmen, Der Tanzmeister 1997; österreich tanzt 2001; Raab 1994; www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/fsk/rode.html2 (7/2005); Derra de Moroda Dance Archives, Personenkartei; WStLA (TBP 1675, 1695).

Autor(en)
Gabi Vettermann
Empfohlene Zitierweise
Gabi Vettermann, Art. „Ventura, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2006]