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Volksliedwerk, Burgenländisches
Nach der 1904 vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht erfolgten Gründung eines Volksliedunternehmens dauerte es auch nach der 1921 vollzogenen Angliederung des Burgenlandes an die Republik Österreich weitere sechs Jahre, ehe am 20.6.1927 ein eigener Arbeitsausschuss für das Burgenland eingerichtet werden konnte. Als Gründungsobmann fungierte der burgenländische Landesamtsdirektor Karl Heger, als sein Stellvertreter der Staatsopernsänger Robert Davy und als Schriftführer der Leiter des burgenländischen Landesarchivs, Paul Eitler. Als weitere Mitglieder gehörten dem Arbeitsausschuss Vertreter der einzelnen burgenländischen Bezirke (so etwa Adalbert Riedl für den Bezirk Oberpullendorf) und der burgenländischen Kroaten (Johann Vukovich), als fachliche Berater zudem G. Kotek und K. M. Klier an. In der Folge wurde der Arbeitsausschuss personell immer stärker erweitert und sollte sich operativ als zu schwerfällig erweisen, sodass 1932 ein engerer Arbeitsausschuss gebildet wurde, dem neben Heger und Eitler auch Heinrich Kunnert, Ernst Löger und K. Gradwohl angehörten.

Neben der praktischen Volksliedpflege, der Gestaltung von burgenländischen Volksliedsendungen im Rundfunk und der institutionellen Verankerung in Form von Volkslied- und Volkstanzgruppen – so etwa durch Gründung einer Volkslied- und Volkstanzgruppe in Eisenstadt durch K. Gradwohl im Jahr 1930 – gehörte der Aufbau eines eigenständigen burgenländischen Volksliedarchivs zu den zentralen Aufgaben, die sich der burgenländische Arbeitsausschuss setzte. Letzteres gestaltete sich aufgrund der „besonderen Eigenart des Landes“ (Löger) als schwierig, konnte jedoch durch ein 1929 durchgeführtes Preisausschreiben sowie durch stete Sammeltätigkeit der Ausschussmitglieder und externer Zuträger bald eine beachtliche Größe erlangen (8.310 Inventarnummern bis 1937). Untergebracht war das Archiv in der Kanzlei des bundesstaatlichen Volksbildungsreferenten Rudolf Dechant (seit 1929 auch Mitglied im burgenländischen Arbeitsausschuss) in Eisenstadt.

Mit der von den Nationalsozialisten durchgesetzten Auflösung des Burgenlandes im Oktober 1938 hörte auch der burgenländische Arbeitsausschuss zu bestehen auf; seine Agenden wurden vornehmlich vom Gauausschuß für Volksmusik in den Gauen Wien und Niederdonau (Niederösterreich) unter Leitung Kliers wahrgenommen. Das burgenländische Volksliedarchiv wurde aufgelöst und, je nach Herkunft des Sammelgutes, den Gauausschüssen für Wien und Niederdonau bzw. der Steiermark zugeschlagen. Während die ehemals burgenländischen Sammlungsbestände in der Steiermark keinen Schaden nahmen und nach Ende des Zweiten Weltkrieges restituiert werden konnten, wurde ein Gutteil des im Wiener Vivarium gelagerten Archivs im Frühjahr 1945 ein Raub der Flammen.

Die Reorganisation des österreichischen Volksliedunternehmens nach der Niederlage Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wurde wieder von der ministerialen Zentrale in Wien verantwortet. Neben der Einrichtung eines Hauptausschusses als zentraler Dachverband (Österreichisches Volksliedwerk) blieb man bei der Struktur von bundesländerspezifischen Arbeitsausschüssen. Die Wiedergründung des burgenländischen Arbeitsausschusses erfolgte passenderweise am 11. November 1946, dem Landesfeiertag des Burgenlandes. Zum Vorsitzenden wurde der Direktor des burgenländischen Landesmuseums und erste bundesstaatliche Volksbildungsreferent nach 1945, Adalbert Riedl, bestellt; als Hauptaufgabe wurde der neuerliche Aufbau eines burgenländischen Volksliedarchivs angesehen. Im Jahr 1948 übernahm Gradwohl die operative Geschäftsführung des Arbeitsausschusses, die formelle Vorsitzführung dann ab 1955 (bis 1968). Auf Gradwohl folgte Harald Dreo, der den Arbeitsausschuss in den eigenständigen Verein B. V. und das Volksliedarchiv ins Eigentum des Landes Burgenland überführte. Mit der Betreuung des Archivs wurde weiterhin das B. V. betraut. Obmänner: Gerald Mader (1972–74), H. Dreo (1974–1995), S. Gmasz (1995–2014), Werner Dax (2014–19), S. Gmasz (seit 2019). Geschäftsführerinnen: Karin Ritter (2003–16), Martina Frate (2016/17), Dagmar Schönfeldinger (2017–19), Anna-Maria Rudolf (seit 1.7.2019).

Im Jahr 2003 erfolgte die Übersiedlung des B. V. samt dem Volksliedarchiv, das zuvor mehrere Standortwechsel erlebt hatte, nach Oberschützen/Bl ins Haus der Volkskultur. Als Archivleiter und -mitarbeiter fungierten seit 1945 u. a. Josef Scharnagl, Oskar Gruszecki, Anton Sattler, Anton Szucsich, H. Dreo, Franziska Pietsch, K. Ritter und M. Frate.

Haupttätigkeiten neben Erweiterung und Erschließung der Sammlung: Publikationen, musikalische Basisarbeit, Veranstaltungskonzeption und -organisation (Wirtshaussingen, Sänger- und Musikantenstammtische, jährlich ab 1982 Burgenländische Musikantenwoche in Bernstein/Bl, seit 1996 auf Burg Lockenhaus), offizieller Projektpartner des Landes Burgenland im Rahmen der diesem seit 2004 gesetzten kulturellen Themenschwerpunkte (Jahr für Volkskultur): Burgenland tanzt 2010, Burgenland singt 2013, Burgenland musiziert 2015.


Literatur
25 Jahre Erforschung und Pflege des Volksliedes im Burgenland, hg. v. burgenländischen Volkslied-Arbeitsausschuss 1952; 40 Jahre Volksliedforschung und Volksliedpflege im Burgenland, hg. v. burgenländischen Volkslied-Arbeitsausschuss 1968; W. Deutsch/E. M. Hois, Das Volkslied in Österreich 2004; H. Dreo/H. Lunzer in E. Zimmermann (Hg.), Kultur ist ein weites Feld 1988; S. Gmasz in H. Dreo/S. Gmasz (Hg.), Burgenländische Volksballaden 1997; K. Gradwohl in Burgenländische Heimatbll. 39/4 (1977); K. Gradwohl in Volk und Heimat 23/4 (1969/70); Anonym in Das dt. Volkslied 42 (1940); K. M. Klier in Das dt. Volkslied 40 (1938); K. M. Klier in Das dt. Volkslied 41 (1939); E. Löger, 10 Jahre Burgenländischer Volkslied-Arbeitsausschuß 1937; L. Schmidt in JbÖVlw 1975 (1975); R. Zoder in Das dt. Volkslied 40 (1938).

Autor(en)
Martin Krenn
Empfohlene Zitierweise
Martin Krenn, Art. „Volksliedwerk, Burgenländisches‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/11/2019]