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Walcker, Walcker, true Orgelbaufirma
Gegründet 1780 in Cannstadt/D von Johann Eberhard W. (* 15.4.1756 Cannstadt, † 17.7.1843 Ludwigsburg/D), der jedoch hauptsächlich noch als Tischler arbeitete. Unter der Leitung seines Sohnes Eberhard Friedrich W. (* 3.7.1794 Cannstadt, † 2.10.1872 Ludwigsburg) übersiedelte die Firma 1820 nach Ludwigsburg, erste Großaufträge (z. B. Frankfurt am Main/D [Paulskirche III/74, mit zwei Pedalen], Stuttgart/D [Stiftskirche IV/76, mit zwei Pedalen], Ulm/D [Münster III/100], Boston/USA [Music Hall IV/89]) folgten. Ab 1842 baute Eberhard Friedrich, der mit G. J. Vogler in Kontakt stand und bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigte, Kegelladen statt Schleifladen. Unter seinen Söhnen Eberhard Heinrich (* 10.10.1828 Ludwigsburg, † 24.11.1903 Kirchheim unter Teck/D, ab 1854 Teilhaber), Johann Friedrich (* 17.9.1829 Ludwigsburg, † 6.12.1895 Ludwigsburg, ab 1854 Teilhaber), Paul (* 31.5.1846 Ludwigsburg, † 6.6.1928 Frankfurt an der Oder/D), Karl (* 6.3.1845 Ludwigsburg, † 19.5.1908 Ludwigsburg, ab 1872 Teilhaber) und Eberhard (* 8.4.1850 Ludwigsburg, † 17.12.1926 Ludwigsburg) erfuhr der Betrieb einen weiteren Aufschwung. 1886 errichtete die Firma W. die neue Hauptorgel im Wiener Stephansdom (III/90, 1945 verbrannt; St. Stephan). Ab 1889 verwendete man das pneumatische Trakturprinzip, ab 1899 auch das elektro-pneumatische. 1910 übernahm Paul W. die Geschäftsleitung der Orgelbaufirma von Wilhelm Sauer in Frankfurt an der Oder, zu den bedeutendsten Orgeln aus der Folgezeit zählte jene für die Kongresshalle in Nürnberg/D (V/220, 1935). Später übernahm Oscar W. (* 1.1.1869 Ludwigsburg, † 4.9.1948 Ludwigsburg), Sohn Friedrich W.s und seit 1885 Lehrling in der Werkstätte, die Leitung der Firma. Oscar, v. a. an den architektonischen Aspekten des Orgelbaus interessiert, widmete sich auch intensiv der elsässisch-neudeutschen Orgelbewegung des beginnenden 20. Jh.s. 1916 übernahm er die Firma W. Sauers, im selben Jahr war er auch Alleininhaber der gesamten Firma W. Nach seinem Tod übernahm sein Enkel Werner W.-Mayer (* 1.2.1923 Ludwigsburg, † 13.11.2000 [Ort?]) die Geschäftsleitung. 1965 gründete er die W.-Stiftung für orgelwissenschaftliche Forschung. 1974 wurde der Firmensitz in Ludwigsburg endgültig aufgegeben, nachdem zuvor bereits mehrere andere Produktionsstätten gegründet worden waren (u. a. 1957 in Guntramsdorf/NÖ). Ab 1986 war die Produktion im deutschen Saarland gebündelt, 1820–1997 fertigte die Firma insgesamt 5.940 Orgeln. 2000 musste man Insolvenz anmelden, eine Nachfolgefirma ging zwei Jahre später in Konkurs. Vier Söhne von Werner W.-Mayer – Klaus (* 1949), Gerhard (* 1950), Michael (* 1957; Inhaber von Orgelbau M. W.-Mayer in Guntramsdorf), Helmut (* 1960) – sind ebenfalls als Orgelbauer tätig.
Ehrungen
(O. W.) Dr. h. c. Univ. Freiburg im Breisgau/D 1921; (W. W.-Mayer) Dr. h. c. Univ. Freiburg im Breisgau 1980.
Werke
Wien, Votivkirche (III/61) 1878, Kufstein (Heldenorgel II/26) 1931, Innsbruck, Stadtsaal (III/46) 1955, Wien, Hofburgkapelle (II/26) 1962, Wien, Musikverein (IV/100) 1967/68, Salzburg, Mozarteum (IV/57 u. III/41) 1969 bzw. 1979, Mödling, St. Othmar (III/32) 1983.
Literatur
Riemann 1961 u. 1975; NGroveD 27 (2001); MGG 14 (1968); F-A 1936; G. Walcker-Mayer in Das Orgelforum Nr. 4 (2001); www.walckerorgel.de (5/2006); www.walcker-orgel.de (5/2006); eigene Recherchen.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Walcker, Orgelbaufirma‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 12/10/2006]