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WaldmüllerWaldmüllerWilhelm August: (eig. Müller, seit 1923 offiziell W.), Familie
Wilhelm August: * 1872-01-2929.1.1872 Wien, † 1932-04-011.4.1932 Innsbruck. Schauspieler, Theaterdirektor, Kaufmann, Politiker. Der Sohn eines Schlossers aus Michelstadt/D erhielt seine Ausbildung vermutlich an der Streben’schen Eleven-Bühne in Wien und machte seine ersten Erfahrungen am Sulkowski’schen Übungstheater in Matzleinsdorf (Wien V). Ab 1893 ist er als Komiker nachweisbar, 1893/94 in Passau, danach in Proßnitz (Prostějov/CZ) engagiert. 1895 trat er mehrfach in Wien auf und fungierte auch als Regisseur. 1895/96 als Regisseur und Schauspieler in Esseg (Osijek/HR), 1896 in Jägerndorf, 1897 in Wien tätig. Spätestens ab 1898, als er in Bruneck wohnte, Leiter einer Theaterwandertruppe, mit der er in Brixen auftrat. Weitere Stationen waren Schwaz in Tirol und Bozen. 1899 lebte er in Krumau (Český Krumlov/CZ). 1900/01 Gesangskomiker am Stadttheater Leitmeritz. Im Sommer 1902 war er mit seiner Theatergesellschaft in Wolfsberg, in einigen kleineren Orten der Steiermark sowie in Zell am See/Sb. Im September gab er mit seiner Truppe, die damals 22 Personen umfasste, ein Gastspiel in Innsbruck. 1902–05 bespielte er das Stadttheater in Pettau (Ptuj/SLO), danach wechselte er mit seiner Truppe an die Städtische Schaubühne in Krems, wo er bis 1911 spielte. In den Sommern unternahm die Truppe Reisen durch Österreich und spielte in verschiedenen Provinzorten, etwa Freistadt, Wolfsberg, Gleisdorf/St, Bruck an der Mur. Vermutlich 1911 zog er mit seiner Familie nach Innsbruck, wo W. in die Kinobranche wechselte. Er wurde Direktor des 1912 neu erbauten Triumph-Kinos. In dieser Eigenschaft stellte W. die Musik zu Stummfilmen zusammen, dirigierte dessen Orchester (etwa 1913 in Der Millionen-Onkel mit der Musik von R. Stolz) und hielt ernste und heitere Vorträge als Einlage. Darüber hinaus gründete er die Filmleihanstalt „Alpenländische Filmzentrale“ und verlieh Filme an kleine Kinos in den Alpenländern. Während des Krieges erwarb W. zwei Häuser und wurde in der Folge leitender Funktionär des Hausherrenvereins in Innsbruck. Darüber hinaus langjähriger Obmann des Vereins der Wiener und Niederösterreicher in Innsbruck. Bei diversen Veranstaltungen des Vereins trat er regelmäßig als Humorist und Vortragender auf und hielt Vorträge u. a. über J. N. Nestroy und F. Raimund. 1923–31 Vertreter der Großdeutschen Volkspartei im Innsbrucker Gemeinderat. Hier übernahm er das Theaterreferat, initiierte 1925 den Aufbau eines Theaterarchivs und führte den Umbau des Stadttheaters durch. Aufgrund von Vorwürfen betreffend die Beförderung seiner Tochter Lizzi zur Ersten Soubrette legte er das Amt des Theaterreferenten nieder. Zahlreiche weitere Ämter in verschiedenen Ausschüssen folgten.
Schriften
Boykott französischer Films [!] in Innsbrucker Nachrichten 14.8.1914.
Literatur
Tiroler Anzeiger 2.4.1932, 11; Neues Wr. Journal 3.4.1932, 22; Innsbrucker Nachrichten 13.6.1913, 3, 2.8.1913, 3, 8.11.1913, 11, 13.8.1915, 6, 7.7.1928, 10; Salzburger Volksbl. 24.7.1935, 5; Allgemeiner Tiroler Anzeiger 25.11.1925, 10; Taufbuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1872, RZ 87; www.tirolensien.at (8/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Bühnen-Jb.er).


Seine Frau

Felicitas Maria (geb. Pfeiffer, Pseud. Felice Wenisch): * 18.11.1877 Wien, † 14.9.1944 Wien? (begr. Wien). Schauspielerin, Sängerin (Sopran). Die uneheliche Tochter von Marie Pfeiffer, später verh. Wenisch (* 1851 [Ort?], begr. 8.1.1940 Wien), deren Nachnamen sie als Künstlernamen verwendete, könnte im August 1901 in Gürtlers Bauerntheater in Innsbruck gespielt haben. Im August 1902 wirkte sie in Zell am See bereits in der Wandertruppe ihres späteren Mannes mit. Bis zur Übersiedlung nach Innsbruck übernahm sie dort neben Hauptrollen in Sprechtheaterstücken auch jene in Operetten, etwa in Die Schützenliesel von E. Eysler oder Die Försterchristl von G. Jarno. In Innsbruck zog sie sich ins Privatleben zurück, engagierte sich im Kaninchenzuchtverein Innsbruck und wirkte gelegentlich bei Veranstaltungen des Vereins der Wiener und Niederösterreicher als Sängerin oder Rezitatorin. Nach dem Tod ihres Mannes übergab sie 1933/34 der Theatersektion des Katholischen Gesellenvereines in Innsbruck eine Archivspende. Bis Ende 1934 in Innsbruck nachweisbar, ab etwa 1937 lebte sie wieder in Wien.


Literatur
Allgemeiner Tiroler Anzeiger 10.12.1920, 6; Innsbrucker Nachrichten 8.4.1925, 5, 16.5.1928, 5, 10.12.1934, 8; Tiroler Anzeiger 13.2.1934, 10; Taufbuch der Pfarre Wieden (Wien IV) 1875–77, [1877], fol. 105; www.friedhoefewien.at (8/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Lehmanns Adressbücher).


Deren Tochter

Lizzi (Lizzy, eig. Felicitas Karoline): * 25.5.1904 Knittelfeld/St, † 8.4.1945 Wien. Sängerin (Soubrette) und Filmschauspielerin. Schon ab 1908 wirkte sie in der Schauspieltruppe ihres Vaters in Krems mit (u. a. in L. Falls Der fidele Bauer und in der Titelrolle der Kinderkomödie Der gestiefelte Kater). Nach der Übersiedlung nach Innsbruck übernahm sie (mitunter gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Melly [eig. Melitta Ottilie Amalie, verh. Peer, * 9.9.1905 Wien, begr. 29.9.1980 Wien]) am dortigen Stadttheater ebenfalls Kinderrollen v. a. in Operetten (etwa in L. Aschers Hoheit tanzt Walzer, in L. Falls Der fidele Bauer, in F. Lehárs Der Rastelbinder). 1916/17 zählten die beiden Schwestern zum Personal (Kinderrollen) des Innsbrucker Stadttheaters. Neben dem Besuch der Kunstgewerbeschule nahm L. W. Ballett- und Gesangsunterricht an der Schule Burger in Innsbruck. Am 7.5.1925 debütierte sie als Gast in der Titelrolle von Hervés Operette Mam’zelle Nitouche am Innsbrucker Stadttheater, 1926–28 war sie dort engagiert. Im August 1927 Gastspiel in Hamburg/D. Ihr Aufstieg zur Ersten Soubrette 1927/28 brachten ihrem Vater Protektionsvorwürfe ein. Nach einem erfolgreichen Gastspiel im März 1928 wechselte sie für die Saison 1928/29 an die Grazer Oper. 1929/30 Erste Soubrette am Theater an der Wien, daneben und danach Gastspiele in Leipzig/D, wo sie die Rolle der O-Lia-San in der UA von P. Abrahams Operette Viktoria und ihr Husar kreierte, und Berlin, wohin sie 1930 übersiedelte. Hier kreierte sie u. a. die Hauptrolle in R. Benatzkys Operette Zur gold’nen Liebe (UA 16.10.1931 Komische Oper). Ab 1931 auch als Filmschauspielerin, zunächst in Nebenrollen, tätig. Gastspiele u. a. in Hamburg und Graz (1932). 1933 gastierte sie mit dem Filmschauspieler und Operettensänger Max Hansen (eig. Haller, * 22.12.1897 Mannheim/D, † 14.11.1961 Kopenhagen) am Volkstheater Wien, wo sie Benatzkys Singspiel Bezauberndes Fräulein zur UA (24.5.1933) brachten. Nach einem Filmdreh 1935 in Schweden kehrte sie im Herbst zu einem Gastspiel ans Volkstheater nach Wien zurück. U. a. wirkte sie hier an der Seite von Hansen am 3.4.1936 bei der UA von R. Benatzkys Der reichste Mann der Welt mit. Danach spielte sie in Berlin Theater. Ende 1937 erneut in Wien, wo sie am 8.2.1938 die Titelrolle in dem „Kriminalfall mit Musik“ Dixie (M: M. Krasznay-Krausz) am Theater an der Wien kreierte. Eine kolportierte Ehe mit anschließender Scheidung 1938 zwischen Hansen und W. ist nicht belegbar, wahrscheinlicher ist eine als Ehe ausgegebene Lebensgemeinschaft. Im Frühjahr 1938 ging W. wieder nach Berlin und trat im Eröffnungsprogramm des Kabaretts der Komiker auf. Th. Mackeben vermittelte sie 1939 zu Willy Forst, in dessen Musikfilm Bel Ami sie das von Mackeben komponierte Titellied sang und der ihren Durchbruch als Filmstar bedeutete. Ab April 1939 anlässlich ihrer Mitwirkung in der Frackkomödie (M: P. Kreuder, UA 13.5.1939 Volkstheater) wieder für einige Wochen in Wien. 1943 kehrte sie nach Wien zurück. In Prag drehte sie im selben Jahr ihre beiden letzten Musikfilme. W. kam in den letzten Kriegstagen während eines Bombenangriffs durch einen Granatsplitter um.


Gedenkstätten
Grab ehrenhalber am Friedhof Hadersdorf-Weidlingau (Wien XIV).
Werke
17 Filme (Die spanische Fliege 1931, Strafsache von Geldern 1932, Liebe auf den ersten Ton 1932, Peer Gynt 1934, Rendezvous im Paradies 1936, Bel Ami 1939, Traummusik 1940, Frau Luna 1941, Die Nacht in Venedig 1942, Ein Walzer mit dir 1943, Es lebe die Liebe 1944, Ein Mann wie Maximilian 1945); Schallplattenaufnahmen für Parlophon, Odeon, Electrola.
Literatur
J. Puttkammer, Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami 2015; Kosch 5 (2004); I. Korotin (Hg.), biographiA 3 (2016); K-R 2003; Riemann 1975; B. Leimbach, Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten. 1898-1945, 1991; DBEM 2003; Hauenstein 1979; Wölfer 2000; F-A 2 (1978); S. M. Kauer, Der dänisch-deutsch-schwedische Schauspieler Max Hansen, Dipl.arb. Wien 2009, 57f; Ulrich 1997; Moderne Welt 10/18 (1929), 10; Tiroler Anzeiger 5.4.1928, 12, 2.4.1932, 11; Österr. Land-Ztg. 14.10.1905, 7, 21.11.1908, 11, 1.10.1910, 11, 22.10.1910, 10, 26.11.1910, 10; Innsbrucker Nachrichten 14.10.1913, 9, 30.11.1914, 6, 16.9.1916, 5, 11.5.1925, 6, 20.8.1928, 6, 12.9.1928, 7, 21.8.1930, 5, 27.4.1933, 7; Grazer Tagbl. 21.10.1931, 6, 9.6.1932, 13, 12.6.1932, 6; Neues Österreich 23.4.1945, 3; Wr. Bilder 28.7.1935, 20; Neues Wr. Tagbl. 5.2.1938, 9, 18.4.1939, 5; Das kleine Volksbl. 16.5.1939, 13; Allgemeiner Tiroler Anzeiger 10.2.1913, 13, 14.3.1913, 12, 11.5.1925, 10; Taufbuch der Pfarrgemeinde A.B. Knittelfeld 1904, fol. 10; Trauungsbuch der Christuskirche Innsbruck 1918–28, fol. 273; WStLA (Meldearchiv); https://de.wikipedia.org (8/2020); http://www.steffi-line.de (8/2020); www.imdb.com (8/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Waldmüller (eig. Müller, seit 1923 offiziell W.), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2021]