Karl (Carl): * 28.1.1828 Scheideldorf, † 10.5.1919 Wien. Lehrer, Beamter, Sänger. Besuchte 1846 die Normalschule zu St. Anna (Wien I) und legte die Prüfung für Hauptschullehrer ab. 1846–51 war er Lehrgehilfe in St. Ulrich (Wien VII), anschließend Unterlehrer am Spittelberg (Wien VII) und ca. 1850/52 auch Lehrer an einer Privat-Mädchenlehranstalt in der Josefstadt (Wien VIII). Danach gab K. W. den Lehrerberuf auf und schlug eine Beamtenlaufbahn ein. 1857 war er bereits k. k. Offizial im Telegraphen-Central-Büro in Wien. Mindestens 1858–69 lebte W. als Telegraphenamtsleiter in Bruck an der Mur, wo er sich im Männergesangwesen engagierte und ab 1865 (bis mindestens 1869) Vorstand des Sängervereins sowie 1863 Mitbegründer (u. a. neben K. Mayrberger) des Geselligkeitsvereins war. 1873 zum „Telegraphen-Oberamtscontrolor“ für Wien ernannt, 1893 als „Oberpostcontrolor“ pensioniert. Möglicherweise ist er jener K. W., der in den 1880er Jahren als Cellist bei Wiener Vereinsveranstaltungen auftrat.
Ehrenbürger von Scheideldorf 1857; kaiserlicher Rat 1893.
Naturgeschichte der Säugethiere 1850.
Rudolf: * 3.4.1835 Scheideldorf, † 26.5.1911 Wien. Chordirigent und Komponist. War wie sein Bruder Alois Sängerknabe in Zwettl und 1847–50 Hofsängerknabe in Wien. Danach besuchte er das Piaristengymnasium (Wien VIII); musikalische Ausbildung ab 1854 bei J. Laimegger. Ab 1855 studierte W. Jus an der Univ. Wien und 1856–59 gehörte er dem Wiener Männergesang-Verein an. 1858 gründete er – seit 1856 Mitglied der Juristen-Liedertafel – den Wiener Akademischen Gesangverein, den er bis 1866 (Nachfolger: F. Eyrich) und (nach R. Heuberger) 1880–87 leitete. 1856 wurde er (durch seinen Bruder Alois) mit A. Bruckner bekannt, dem er zeit seines Lebens verbunden blieb. 1862 wurde W. zum Univ.s-Gesanglehrer ernannt (bis 1909), 1870/71–1904 wirkte er als Musiklehrer an der Lehrerinnenbildungsanstalt zu St. Anna bzw. in der Hegelgasse (Wien I). 1865–78 künstlerischer Direktor der Wiener Singakademie und 1866–80 Chormeister des Wiener Männergesang-Vereins (1867 Dirigent der UA von Joh. Strauss’ Sohn Walzer An der schönen blauen Donau). 1880–86 führte er den Titel „Univ.s-Musikdirektor“, 1897 wurde er in die Staatsprüfungskommission für Lehrerbildungsanstalten und Mittelschulen berufen.
Gedenktafel am Geburtshaus; W.weg (Wien XXII-Kagran); ehrenhalber gewidmetes Grab am Hietzinger Friedhof (Wien XIII, s. Abb.); W.-Büste im Stift Zwettl 1906; R. W. Museum in Scheideldorf.
1. Preis beim Bundesfest des Oberösterr.-Salzburgischen Sängerbundes 1865 (f. Germania, 2. Preis: A. Bruckner); Goldenes Verdienstkreuz mit der Krone 1868; Ehrenmitglied des Akademischen Gesangvereins 1869, der Wr. Singakad. 1877, des Wr. Männergesang-Vereins 1880, des Wr. Sängerbundes 1889, der Philharmonischen Ges. Laibach 1909; Prof.-Titel 1871; Ehrenchormeister (1880) u. Ehrenpräsident (1908) des Akademischen Gesangvereins; taxfreies Bürgerrecht der Stadt Wien 1905; Bach-Medaille der Wr. Singakad. 1908; Ehrenbürger von Scheideldorf 1910; österr. u. ausländische Orden.
Opern (Der Liebesring, Der schwarze Leopold), Singspiele (Wr. Schule, Das Urteil des Paris), Messen, Dt. Requiem, Männer- u. gemischte Chöre (Alpenstimmen aus Österreich [6 Serien]), Lieder, Klaviermusik, Orgelpräludium; Gesangbücher; Bearbeitungen f. Chor. – Teilnachlass in der Wienbibliothek.
Musikpädagogische Arbeiten (Methodische Anleitung zum elementaren Gesang-Unterricht 1875; Allgemeine Musiklehre oder musikalische Elementarlehre 1878).
Deren Neffe Johann Evangelist Leopold (* 5.12.1883 Wien, † ?; Sohn von Augustin W.) war zunächst Berufsoffizier, dann Fabriksbuchhalter [ca. 1889] und zuletzt Gemeindesekretär in Allentsteig/NÖ und soll ebenfalls musikalisch tätig gewesen sein.
J. Frieben, R. W., Diss. Wien 1960; P. Altmann, R. W. (1835–1911), 1985; K. Windhör, R. W. u. das Wr. Chorwesen. Aspekte u. Stationen, Dipl.arb. Wien 2002; Kosch 5 (2004); MGG 14 (1968); Erhart 1998; BrucknerH 1996 [W., Männergesang-Verein „Sängerbund“ (Foto A. W.)]; F. Scheder, Anton Bruckner Chronologie. Registerbd. 1996; L. Nowak in Mitteilungsbl. der Internationalen Bruckner-Ges. 26 (1985); Bericht des Männergesang-Vereines „Sängerbund“ in Linz 1882, v. a. 5f u. 189–196 [A. W.]; A. Harrandt in O. Wessely et al. (Hg.), [Kgr.-Ber.] Bruckner-Symposion 1994, 1997; Riemann 1929; Eisenberg 1893; J. Jernek, Der österr. Männerchorgesang im 19. Jh. , Diss. Wien 1937; Wurzbach 54 (1886); Adametz (1943); R. Fischer (Hg.), Dt. Chormeisterbuch 1925; Kosel 1902; F. J. Ewens, Lex. des dt. Chorwesens 1954; Beiträge von V. Keldorfer u. A. Decker in E. Bild (Hg.), [Fs.] Der Niederösterr. Sängerbund 1863–1913, 1913; F-A 1936; Czeike 5 (1997) [W.weg]; Chronik der Liedertafel „Frohsinn“ in Linz 1895, 257; [Fs.] 100 Semester Akademischer Gesangverein in Wien 1858–1908, 1908; MGÖ 3 (1995); Wr. Ztg. 5.5.1850, 1408, 2.1.1854, Beilage, 4, 5.7.1873, 57, 1.12.1893, 1; Der Österr. Zuschauer 7.6.1851, 732f, 8.12.1852, 1557; Österr. Bürger-Bl. 24.2.1853, 124, 17.3.1853, 170, 3.3.1854, 142, 25.11.1856, 1100; Neue Wr. Musik-Ztg. 31.3.1853, 54; Linzer Abend-Bote 19.7.1855, 67; Fremden-Bl. 6.1.1857, 4; Hans Jörgel v. Gumpoldskirchen 26 (1857), H. 2, 19; Grazer Tagespost 12.7.1862, [4], 2.10.1862, [3], 7.11.1863, [4], 1.7.1865, [4], 20.5.1868, [7], 20.10.1868, [4]; Die Liedgenossen 1.2.1863, 7; Steirer Seppel 1.12.1867, 251; Die Lyra 1.12.1886, 6; Dt. Kunst- u. Musik-Ztg. 1.10.1888, 278; Die Presse 11.10.1889, 11; Neues Wr. Tagbl. 1.10.1906, 1–3; NFP 28.5.1911, 28; Reichspost 2.6.1911, 6, 26.11.1923, 3; Taufbuch 1784–1839 der Pfarre Scheideldorf, fol. 10, 25, 52, 55, 67; Sterbebuch-Duplikat 1849–1919 der Pfarre Scheideldorf, 1869; Sterbebuch 1839-97 der Pfarre Süßenbach, fol. 138; Trauungsbuch 1843–50 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 229; Taufbuch 1857–69 der Pfarre Bruck an der Mur, fol. 29; Taufbuch 1883 der Pfarre Schottenfeld (Wien VII), fol. 157; Sterbebuch 1918–19 der Pfarre Währing (Wien XVIII), 1919, fol. 47; Universitätsarchiv Wien (PH PA 3683 – Personalakt R. W.); www.wienersingakademie.at (3/2006); www.demos.ac.at (5/2020); eigene Recherchen (Lehmann-Adressbücher).