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WerndorffWerndorfftrue (Werndorf, geb. Jonász), Etta (geb. Etelka, get. Maria Renata, Marie, Marietta, Ella, Leni, Leah)
* 1881-01-2222.1.1881 Altdorf/Ungarn (Spišská Stará Ves/SK), † --1961 Council Bluffs, Iowa/USA. Pianistin. Ihre Familie übersiedelte kurz nach ihrer Geburt (spätestens 1883) nach Wien und übernahm ein Parfümeriegeschäft in der Mariahilferstraße 1a (Wien VI). W. studierte 1893–98 Klavier bei A. Sturm (1893–96) und J. Epstein (1896–98) am Konservatorium der GdM, im Anschluss belegte sie 1898–1900 das Lehrerbildungsseminar. Ab 1906 gab W. zahlreiche Konzerte und Kurse im Wiener Volksbildungsverein sowie im Volksheim Ottakring (Wien XVI) und trat dabei u. a. mit O. Adler, R. Pahlen, P. Grümmer, S. Auber oder Fritz Tedesko auf. Am 12.11.1907 heiratete sie den Orthopäden Robert Karl W. (geb. Cohn, * 29.9.1877 Brünn/Mähren [Brno/CZ], † 28.5.1944 Council Bluffs), der ebenfalls zeitweise Klavier studiert hatte. Beide waren bereits 1901 (Robert Karl) bzw. 1903 (Etta) aus dem Judentum ausgetreten und zum katholischen Glauben konvertiert. 1910 malte A. Schönberg Portraits von ihr und ihrem Mann, in dieser Zeit war W.s Bruder Ladislaus Jonász Schönbergs Vermieter. W. spielte mehrere UA.en zeitgenössischer Werke: A. Schönbergs Klavierstücke op. 11, Das Buch der hängenden Gärten op. 15 sowie eine Bearbeitung des 1. Teils der Gurre-Lieder für Soli und zwei Klaviere (1910), A. Bergs Klaviersonate op. 1 (1911), die Kirschblütenlieder sowie weitere Klavierwerke (vermutlich Drei Klavierstücke) von E. Wellesz (1912), außerdem eine Cellosonate von F. Mittler (1912). Darüber hinaus war sie Mitglied im Verein für musikalische Privataufführungen. W. wirkte hauptsächlich als Begleiterin und trat in den folgenden Jahren im Musikverein, Konzerthaus, Ehrbar-Saal oder im Bösendorfer-Saal auf, u. a. mit M. Gutheil-Schoder, R. Réti oder dem Rosé-Quartett. 1914 spielte sie W. A. Mozarts Konzert für zwei Klaviere Es-Dur K 365 im Musikverein (Leitung R. Réti). Kurz nach Kriegsbeginn 1914 wurde ihr Mann Chefarzt im Militärspital der Stiftskaserne (Wien VII), wo sie bis 1918 als freiwillige Oberkrankenschwester arbeitete (u. a. gemeinsam mit Justine Rosé) und hier auch Konzerte gab. W. verließ Wien Ende 1920 (vermutlich über Prag) und emigrierte gemeinsam mit ihrem Mann in die USA. Robert W. arbeitete 1920–23 als Chirurg in Wellington, Kansas/USA, 1924 erhielt er eine Stelle an der Council Bluffs Clinic in Iowa; 1938 wurden beide US-Staatsbürger. W. gab in den USA weiterhin vereinzelt Konzerte, u. a. auch im benachbarten Nebraska. Nachdem ihr Mann gestorben war, ging sie im September 1944 zunächst nach Los Angeles, CA/USA, später nach Pasadena, CA. 1949/50 plante sie, nach London zu gehen (möglicherweise zu ihrer Nichte H. Loewe, Tochter ihrer Schwester Szeréne [* 10.10.1869 Altdorf, † 20.9.1942 KZ Theresienstadt (Terezín/CZ)]), dies kam jedoch nicht zustande.

Ihre Brüder, der Arzt Anton Jonász (eig. Sigmund Shimon, * 25.7.1873 Altdorf, † vor 1945 KZ Auschwitz [Oświęcim/PL]) sowie der Ingenieur und spätere Direktor von Fiat und Austro Daimler in Wien Ladislaus Jonász (eig. Lászlo, * 27.3.1875 Altdorf, † ?) spielten in den 1890er Jahren mit A. Schönberg im Verein Polyhymnia. Hierdurch machte auch W. früh Bekanntschaft mit Schönberg (sie war vermutlich zeitweise dessen Schülerin), A. Zemlinsky und weiteren Mitgliedern der Wiener Schule.


Literatur
E. Kappel, Schönbergs Schülerinnen 2019; A. L. Staudacher „… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“ 2009; Th. Muxeneder in Die Geburt der Moderne aus dem Geist der Religion? 2020; K. Massar in Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen der NS-Zeit 2017 (www.lexm.uni-hamburg.de; 12/2020); Briefe A. Zemlinsky an A. Schönberg November 1920, A. Zemlinsky an A. Schönberg 4.12.1920, A. Schönberg an E. W. 5.3.1935, A. Schönberg an Robert K. W. 22.12.1939, O. Adler an A. Schönberg 1949 (http://archive.schoenberg.at, 12/2020); Neues Wr. Tagbl. 26.3.1900, 8, 22.2.1912, 15, 23.9.1914, 9, 29.12.1914, 8, 18.1.1915, 8; NFP 10.2.1907, 10, 7.3.1909, 14, 21.4.1910, 22, 31.3.1912, 16, 20.2.1914, 12, 28.7.1915, 12; Neues Wr. Journal 7.4.1912, 27, 29.11.1914, 11; Wr. Ztg. 23.3.1913, 10; Arbeiter Ztg. 14.10.1913, 6; Fremden-Bl. 16.2.1915, 19; The Jewish Press 1.12.1927, 2; Sterbebuch 1883–84 der IKG, RZ 217; Trauungsbuch 1890–95 der IKG, RZ 345; Taufbuch 1905 der Pfarre St. Leopold (Wien II), fol. 129; Trauungsbuch 1907 der Pfarre Breitenfeld (Wien VIII), fol. 147; Geburtsbuch 1909 der IKG, RZ 486; http://genealogytrails.com (12/2020); http://iagenweb.org (12/2020); https://de.findagrave.com (12/2020); www.hohenemsgenealogie.at/ (1/2021); https://austria-forum.org (1/2021); eigene Recherchen (Lehmann’s Adresskalender; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; http://archiv.vhs.at/ [12/2020]; www.ancestry.com [12/2020]; www.anno.onb.ac.at [12/2020]; www.geni.com [1/2021]).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Werndorff (Werndorf, geb. Jonász), Etta (geb. Etelka, get. Maria Renata, Marie, Marietta, Ella, Leni, Leah)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 09/04/2021]